Aufforstung von Kahlschlägen am Süntelturm

Über die riesigen Kahlschläge rund um den Süntelturm im Weserbergland hatte ich schon mehrfach berichtet: Kuchen und Kahlschläge am Süntelturm, Erhart Kästner zum Süntel, Adolf Hitler ist an allem schuld! und Interview mit Alexander Nebhuth, Förster in Bad Münder. Aber die abgestorbenen Fichtenwälder werden nicht nur abgeräumt, sie werden auch wieder aufgeforstet. Und auf meiner letzten Wanderung zum Süntelturm kam ich an großen Flächen vorbei, die erst vor kurzem aufgeforstet worden waren. Und so etwas hatte ich noch nie gesehen:

Das sah ja aus wie ein Acker, der gepflügt worden war! Und die Fichtensetzlinge waren dann fein säuberlich in Reih und Glied in die Ackerfurchen gepflanzt worden. Das Ganze erinnerte an ein Maisfeld, nur eben mit Fichten. Ich wollte genaueres wissen und rief wieder den zuständigen Förster Alexander Nebhuth an. Das Interview können Sie hier lesen: Interview mit Alexander Nebhuth, Förster in Bad Münder.

Ministerium zur mangelhaften Erforschung der Naturwaldzelle Nammer Berg

Anfang Mai hatte ich einen Brief an die Landesforstchefin Claudia Bönnighausen geschrieben: es ging um die mangelhafte Erforschung der Naturwaldzelle (NWZ) Nammer Berg. Pilze und Käfer werden dort nicht untersucht. Nun hat sich herausgestellt, dass Frau Bönninghausen und das Umweltministerium dafür gar nicht zuständig sind. Die richtige Ansprechpartnerin ist Dr. Judith Kretschmer vom Landwirtschaftsministerium. Sie ist Regierungsdirektorin im Referat III.3 (Forstpolitik, Forsthoheit, Naturschutz im Wald).1siehe Organisationsplan des MLV Anfang Juni hat sie mir ausführlich geantwortet:

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In ihrem Schreiben verweist Frau Dr. Kretschmer auf das neue Forschungskonzept. Käfer und Pilze werden nur in 18 von den insgesamt 75 NWZ untersucht; nur 18 NWZ gehören zu den NWZ mit Forschungsschwerpunkt (NWZ FP). 2siehe Forschungskonzept, S. 33 ff. Die NWZ Nammer Berg ist kein Forschungsschwerpunkt; mit ihren 17 ha ist sie zu klein. Ausgewählt wurden stattdessen die NWZ Hochwald I und Hochwald II, Geldenberg, Hellerberg und Großer Steinberg. 3siehe Forschungskonzept, S. 38 ff.

Die Begründung von Frau Dr. Kretschmer ist stichhaltig: Käfer und Pilze zu untersuchen, ist sehr arbeitsaufwändig. Das kann man nicht überall machen – u. z. nicht nur wegen des dafür fehlenden Geldes, sondern auch wegen des dafür fehlenden Fachpersonals. Pflanzen bestimmen – das können viele, aber Totholzkäfer? Zumal man die ja auch erst einmal finden muss! Mein Fund des Ästigen Stachelbarts in der NWZ war reines Glück; ich war zufällig zur richtigen Zeit am richtigen Ort. Und ich habe noch den Vorteil, dass ich in unmittelbarer Nähe der NWZ wohne! Ich bin in einer Stunde vor Ort und habe keinen stundenlangen Anfahrtsweg. Und selbst ich war bislang im Jahr nur ein- oder zweimal dort. Frau Dr. Kretschmer hat Recht: Käfer und Pilze zu untersuchen, ist sehr arbeitsaufwändig.

Bärlauchblüte am Hohenstein

2013 veröffentlichte ich gleich neun Artikel über die skandalöse Forstwirtschaft am Hohenstein. Ich las damals gerade das Buch „Wald ohne Hüter – Im Würgegriff von Jagdinteressen und Forstwirtschaft“ von Peter Wohlleben und mir kam es so vor, als wolle das Forstamt Oldendorf der Niedersächsischen Landesforsten zum Buch die passenden Bilder liefern: der Wald im Würgegriff der Forstwirtschaft! Hinzu kamen Verwüstungen durch Rückegassen, sodass der Wald aussah wie ein Panzerübungsplatz.

10 Jahre später kommt mir das alles wie ein böser Traum vor und die Landesforsten sind vom Saulus zum Paulus geworden: am Hohenstein wurden rd. 1.300 ha Forst aus der Bewirtschaftung genommen und unter strengsten Naturschutz gestellt. Nur wenn man genau hinschaut, sieht man noch die Würgemale der Vergangenheit.

Im Mai 2022 hatten die beste Ehefrau von allen und ich allerdings nur Augen für die Bärlauchblüte am Hohenstein.

Lesen Sie hier meinen reich bebilderten Artikel über Niedersachsens neuen Mini-Nationalpark: Bärlauchblüte am Hohenstein.

Ende einer Provinzposse – der Streit um den Wolfsschluchtweg

Der Wolfsschluchtweg war ein Wanderweg zwischen dem Kaiser-Wilhelm-Denkmal und der Wittekindsburg nahe Porta Westfalica. Viel gegangen wurde er nie – denn er war stellenweise sehr schmal und an manchen Stellen ging es steil bergab. Außerdem lagen immer schon alte dicke Bäume quer über dem Weg und man musste akrobatisch darüber klettern oder auf allen Vieren drunter her kriechen – nicht ganz so praktisch für einen gemütlichen Sonntagsspaziergang mit Kindern und Schwiegermutter. Und im Frühjahr 2020 wurde er dann ganz offiziell vom Umweltministerium gesperrt. Und dann begann der Ärger.1siehe meine ausführlichen Kommentare und Analysen Der Streit um den Wolfsschluchtweg – eine Provinzposse aus Ostwestfalen

Das Mindener Tageblatt (MT) startete eine ganze Serie von großen Artikeln: die Lokalredakteure Thomas Lieske und Dirk Haunhorst schrieben 11 Stück in nur 3 Monaten. Dabei blieb die Zahl derjenigen, die öffentlich gegen die Sperrung protestierten, eigentlich sehr überschaubar. Die Zeitung nannte nur 7 Personen mit Namen: einen Heimatpfleger, einen Natur- und Landschaftsführer, einen amtierender und einen Altbürgermeister, ein Stadtratsmitglied, zwei Landtagsabgeordnete und einen Vereinsvorsitzenden. Eine Anwaltskanzlei verfasste ein Gutachten, eine Online-Petition wurde gestartet, der Stadtrat von Porta Westfalica beschwerte sich beim Petitionsausschuss des Landes, Leserbriefe wurden geschrieben, eine Klage wurde eingereicht, eine Informationsversanstaltung des Umweltministeriums wegen Corona abgesagt.

Am Ende gab es für die beiden umtriebigen Zeitungsredakteure keine neuen Sensationen mehr zum Wolfsschluchtweg und weitere Artikel blieben aus. Und auch ich beendete meine Analysen und Kommentare.2siehe mein Schlusskapitel Der Streit um den Wolfsschluchtweg – eine Provinzposse aus Ostwestfalen – Ausblick

Und nun? 3 Jahre später? Weiterlesen

Offener Brief an die Landesforstchefin NRW, Claudia Bönnighausen

Wer Claudia Bönnighausen ist, das erklärt Ihnen Michael Blaschke, Pressesprecher von Wald und Holz NRW:

Heute habe ich den folgenden Brief an sie geschrieben:

Ministerium für Umwelt, Naturschutz und Verkehr des Landes NRW
Abteilung III Naturschutz1siehe Organisationsplan des MULNV
Claudia Bönnighausen
Landesforstchefin
40190 Düsseldorf

2 Fragen zum mangelhaften Monitoring in der Naturwaldzelle Nammer Berg

Sehr geehrte Frau Bönnighausen!
Ich wende mich aus zwei Gründen an Sie: Zum einen sind Sie als Landesforstchefin und Leiterin der Abteilung Naturschutz offiziell und von Amts wegen zuständig für die Naturwaldzellen. Weiterlesen