Kahle Hardt – Die hässlichen Eichen vom Edersee

„Die schärfsten Kritiker der Elche waren früher selber welche.“
F. W. Bernstein

Einleitung

Die Kahle Hardt gilt offiziell als ein Juwel des Nationalparks Kellerwald-Edersee. Selbst ehemalige Gegner des Parks oder Skeptiker streiten das nicht ab. Das Nationalparkamt spricht von einem Urwaldrelikt“:

„An den steilen, teils schwer zugänglichen Felshängen des Eder-Durchbruchtals sind Relikte urwaldähnlicher Waldinseln versteckt. Diese besonderen und seltenen Lebensräume können nur dort existieren, wo der Mensch nie eingegriffen hat. Sie bilden letzte Rückzugsorte hoch seltener und spezialisierter Insekten – den sogenannten Urwaldreliktarten.“

Nach einem ersten Besuch der Kahlen Hardt im Oktober 2012 war ich erst im Juni 2025 wieder in diesem sogenannten „Urwaldrelikt“. „Extrem trocken“, „sonnig“ und „warm“ ist es beide Male nicht gewesen. Im Spätherbst 2012 schneite es, im Frühsommer 2025 regnete es. Seit Tagen. 2012 habe ich die Sonne gar nicht gesehen, 2025 nur kurz. Es lag nicht unbedingt am schlechten Wetter, dass ich über 10 Jahre lang nicht dort war. Über die Gründe wird zu reden sein.

Gliederung

Die Seite ist gegliedert in folgende Abschnitte:

  1. Anfahrt und Wanderweg
  2. Der „Knorreichenstieg“ in der Naturschutz-Literatur
  3. Das Narrativ „Knorrige Eichen“
  4. Das Narrativ „Urwald“
  5. Ausblick – Anfrage wegen fehlender Eichenverjüngung
  6. Fotos in 4K

Anfahrt und Wanderweg


OpenStreetMap

Leider gibt es in Scheid keine Wanderparkplätze in direkter Nähe des Kahlehaardtwegs.11 km nördlich liegt der Parkplatz Europahain. Deshalb hat mich die beste Ehefrau von allen direkt am Kahlehaardtweg abgesetzt (lila Pfeil).2Es gibt 2 Schreibweisen: Kahle Haardt und Kahle Hardt. Ich bin den Kahlehaardtweg dann Richtung Basdorf gegangen.

Urwaldsteig, Knorreichensteig, Kellerwaldsteig

Der Weg ist Teil des Urwaldsteigs-Edersee und des Kellerwaldsteigs. Er wird auch „Knorreichenstieg“ genannt (gelber Pfeil). Ein richtiger „Steig“ bzw. „Stieg“ ist es eigentlich nicht, denn er bleibt stets auf gleicher Höhe und ist recht bequem zu gehen. 

Der Kahlehaardtweg endet auf einem Fahrweg. Kurz davor zweigt ein Nebenweg des Urwaldsteigs rechts ab. Er ist mit einem blauen Punkt markiert. Diese Abkürzung nun ist schon eher ein „Stieg“. Man kann oder muss sich an einem Seil festhalten, um die ersten sehr steilen und rutschigen Meter hinaufzuklettern (roter Pfeil). Verkehrssicherheit sieht anders aus. Dieser Nebenweg hat zwar den Nachteil, in abschüssigem Gelände sehr schmal und bei nassem Wetter auch rutschig zu sein. Er hat aber den Vorteil, direkt durch den Wald zu führen und Einblicke zu liefern, die nicht durch die dichten Sträucher am Rand des Fahrwegs behindert werden. Wer aber nicht klettern und bequemer gehen möchte, wählt besser den Fahrweg. Zurück geht es über die „Schöne Aussicht“ (blauer Pfeil). Auch dieser Weg ist als Nebenweg des Urwaldsteigs mit einem blauen Punkt ausgeschildert.

Eine andere Möglichkeit wäre, den Wanderparkplatz am Sportplatz Vöhl-Basdorf zu nutzen und in umgekehrter Richtung zu gehen.

Obwohl der Urwald- und Kellerwaldsteig von der Tourismusindustrie intensiv beworben wird, war ich auf der Wanderung fast ganz allein. Obwohl ich drei Stunden lang unterwegs war, begegneten mir nur zwei weitere Wanderer und ein MTB-Fahrer. Die Schöne Aussicht hatte ich ganz für mich alleine. An einem Freitag-Nachmittag vor den Pfingstfeiertagen hatte ich mit mehr Andrang gerechnet, zumal für diesen Nachmittag ausnahmsweise kein Regen, sondern sogar ein kleines bisschen Sonne angesagt worden war.

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