Vor- und Nachgeschichte des Kahlschlags am Wurmberg 2019

Einleitung

In die regionalen und überregionalen Schlagzeilen gerieten die Kahlschläge am Wurmberg im Jahr 2019. Aber es gibt eine Vorgeschichte: Schon in den Jahren zuvor berichteten die  regionalen Zeitungen über die Borkenkäferplage am Wurmberg. Und schon früher kam es zu Kahlschlägen, die allerdings noch viel kleiner waren. Aber im Nachhinein erkennt man die Vorboten des nahenden Unheils.

Wurmberg im Jahr 2020

Es gibt auch eine Nachgeschichte; denn die Kahlschläge hörten 2019 nicht auf. Im Gegenteil: sie gingen 2020 mit noch größerer Wucht weiter. Auf den folgenden Seiten habe ich Zeitungsnachrichten aus den Jahren 2012 – 2020 zusammengestellt. Sie stammen aus dem Archiv des Harz-Kuriers (HK), einer der großen regionalen Zeitungen mit einer verkauften Auflage von rd. 12.000 Exemplaren.

Die Seite ist gegliedert in folgende Abschnitte:

  1. HK am 29.8.2012 – 6.000 Fichten gefällt
  2. HK am 4.8.2015 – 340 Fichten gefällt
  3. HK am 9.6.2017 – 500 Fichten gefällt
  4. HK am 9.7.2020 – mehr als 100.000 Fichten gefällt
  5. HK am 17.8.2020 – 170.000 Fichten gefällt
  6. Überfliegungsbilder des Wurmbergs 2000 – 2018

HK am 29.8.2012 – 6000 Fichten gefällt

Der erste Artikel über den Wurmberg, der hier vorgestellt wird, datiert vom 29.8.2012. Er berichtet zwar auch über einen Kahlschlag. Dieser hat aber ausnahmsweise nichts mit dem Borkenkäfer zu tun: Naturschützer warnen – Harz ist zu warm für Kunstschnee.

Der Wurmberg soll zu einem modernen Skigebiet werden:

„Die Ski- und Rodeltouristen bleiben aus, weil der Wurmberg seine Schneesicherheit verloren hat. Abhilfe sollen nun unter anderem eine Beschneiungsanlage, verbreiterte Pisten, eine neue Abfahrtsstrecke, eine Flutlichtanlage, eine zusätzliche Seilbahn sowie eine Skihüttengastronomie schaffen.“

Dafür werden 6.000 Fichten gerodet und 16 ha Wald abgeholzt. Die Kreisgruppe Goslar des BUND protestierte. Ihr Sprecher war damals niemand anderes als Friedhart Knolle. Er meint:

„Das ist die größte Harzer Fehlplanung aller Zeiten.“

Die Zeitung kennt Knolle nur als Mitglied der BUND-Kreisgruppe. Wikipedia weiß mehr:

„Seit 1992 war er Pressesprecher der Nationalpark-Planungsgruppe des Niedersächsischen Umweltministeriums und ab 1994 Dezernent für Öffentlichkeitsarbeit, Bildung und Erholung der Nationalparkverwaltung Harz mit Dienstsitz in Sankt Andreasberg-Oderhaus.“

Aber es geht an dieser Stelle nicht um den modernen Skizirkus.1Ich selbst habe ihn schon kritisiert; siehe Naturzerstörung durch den Neubau der Jennerbahn. Mittlerweile bin ich unsicher. Die Kritik am Skizirkus ist vielleicht nur eine Spielart der Verachtung des Massentourismus. Es geht auch nicht um die Frage, ob nicht vielleicht der Nationalpark Harz die größte Harzer Fehlplanung aller Zeiten war. Es geht um die Zahlen:

  • 2012 werden 6.000 Fichten gefällt und 16 ha2Förster Laubner spricht in der GZ vom 28.6.2019 nur von 6 ha. kahlgeschlagen.
  • 2019 werden es zehntausende Fichten und 80 ha sein.3siehe Die Deutsche Presse-Agentur
  • 2020 werden es dann 170.000 und 300 ha sein.4siehe Harz-Kurier am 17.8.2020

Ein Zyniker würde vielleicht sagen, dass Borkenkäfer die Fichten wesentlich effektiver abräumen als Skitouristen. 2012 sorgen schon 6.000 Fichten für Schlagzeilen. Nur 8 Jahre später werden es rd. 30mal mehr sein. Aber 8 Jahre später wird niemand dagegen protestieren. Die Wurmbergseilbahngesellschaft Braunlage kann man kritisieren, den Borkenkäfer nicht.

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