Der Großkahlschlag am Oderteich im Jahr 2020

Einleitung

2014 habe ich den Nationalpark (NLP) Harz zum ersten Mal besucht und bin bei meiner ersten Wanderung zum Brocken auf den Großkahlschlag am Heinrich-Heine-Weg gestoßen. Es war der Beginn einer Vielzahl von Artikeln zu den Kahlschlägen im NLP Harz.1siehe Ödland 2018 habe ich den Großkahlschlag am Heinrich-Heine-Weg wieder aufgesucht und einen Film darüber gedreht.

Diesen Kahlschlag habe ich damals ganz bewusst wieder aufgesucht. Es war der Kahlschlag, mit dem meine Beschäftigung mit dem NLP Harz begann und der für mich persönlich am wichtigsten war. Die vielen anderen Kahlschläge, die ich 2014 und 2015 im NLP entdeckte und über die ich berichtete, gerieten in Vergessenheit.

Auf den Großkahlschlag am Oderteich, über den ich 2015 geschrieben hatte2siehe Großkahlschlag am Oderteich, bin ich zufällig wieder gestoßen. Es war nicht geplant. Überhaupt nicht. Im Sommer 2020 machten die beste Ehefrau von allen und ich einen Tagesausflug in den NLP. Wir parkten das Auto an der Gaststätte Königskrug, wanderten über den Oderteich zum Torfhaus und fuhren mit dem Bus wieder zurück zum Königskrug. Kurz vor dem Oderteich fielen mir angepflanzte Buchen auf. Bonsaibuchen. Von den Hirschen total verbissen. Drumherum überall Baumstümpfe. Und weihnachtsbaumgroße Fichten. Moment! Das kam mir irgendwie bekannt vor. Und dann dämmerte es mir. Über genau diese Fläche hatte ich berichtet.

Wieder zu Hause las ich meinen Bericht aus dem Jahr 2015. Es ist komisch, alte Arbeiten von mir zu lesen. Arbeiten, die vor meinem Unfall entstanden sind. Das hatte ich geschrieben? Da hatte ich mir aber richtig Arbeit gemacht! Sogar ein Briefwechsel mit Dr. Knolle! Und nicht er, der Experte des NLPs, hatte Recht behalten, sondern ich. Ich behalte nicht gerne Recht – nicht in diesem Fall. Wenn man eine Katastrophe voraussagt und die Katastrophe tritt dann tatsächlich ein, ist man nicht gerne der Schlaumeier. Als ich 2015 über den Großkahlschlag schrieb, befürchtete ich 3 Dinge:

  1. die Wiederverfichtung,
  2. die Vergrasung und
  3. den Wildverbiss.

Alle Befürchtungen sind wahr geworden. Nur eine Sache gibt es, die ich damals nicht befürchtete:

4. den Borkenkäfer.

Hätte mir 2015 jemand prophezeit, dass nur 5 Jahre später alle Fichten im Odertal tot sein würden, ich hätte ihn für verrückt erklärt. Ich war damals in guter Gesellschaft. Die Gründungsväter des NLPs konnten es sich auch nicht vorstellen, dass der Käfer aus ihrem ganzen schönen Park Kleinholz machen würde. Wohlgemerkt: aus dem ganzen Park, nicht nur aus einem Teil.

In den ersten drei Kapiteln zeige ich, inwiefern meine Befürchtungen wahr geworden sind. Im vierten Kapitel dokumentiere ich, was der Borkenkäfer aus dem Odertal gemacht hat. Nach einem Kommentar zum Schluss beschreibe ich im Anhang die Wanderung vom Königskrug zum Torfhaus.

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