La Fossiata – der schönste Wald der Sila Grande

Einleitung

Eine Wanderung durch den Wald Fossiata war nicht vorgesehen. Anschauen wollte ich mir Santa Severina und San Giovanni in Fiore: Kathedralen, Kastelle, Baptisterien und Museen. Der Wald Fossiata stand nicht auf dem Programm.

Der schönste Wald der Sila Grande

Die Idee zu einer Wanderung durch den Fossiata Wald kam mir beim Lesen meines Reiseführers:

„An das östliche Ufer des Lago Cecita grenzt der Nationalpark der Sila Grande. In den Gebäuden des Corpo Forestale befindet sich eine informative Ausstellung rund um den auch hier heimischen Wolf. […] Über die Straße (282 Longobucco) gelangt man mitten in den Wald Fossiata in 1400 m Höhe. Er ist einer der größten Süditaliens und gilt zugleich als der schönste Wald der Sila Grande.“1Ilona Witten, Kalabrien – DuMont Reise-Taschenbuch, Köln 22001, Hervorhebungen von mir

Der Wald Fossiata liegt also in der Sila Grande, dem mittleren Teil der Sila, einem Gebirge in Kalabrien. Aber wo genau? Die Gebäude des Corpo Forestale am Ostufer des Lago Cecita habe ich auf Google-Maps schnell gefunden:

Östlich davon liegt der Parco la fossiata:

Dieser Park liegt aber nicht an der „Straße 282“ nach Longobucco, sondern an der Strada Provinciale 255. War dieser „Parco“ der gesuchte „schönste Wald“, auch wenn er nicht an der „Straße 282“ lag? Aber offenbar hatte der Reiseführer ganz generell Schwierigkeiten mit den Nummern der Straßen. Denn Longobucco liegt genauso wenig wie der Wald Fossiata an der „Straße 282“; Longobucco liegt an der Strada Statale 177.  Nach Longobucco wollte ich aber ohnehin nicht. Ich wollte ja in den „schönste[n] Wald der Sila Grande“ und vertraute darauf, dass die Informationen des Reiseführers über den Wald zutreffender waren als die über die Straßen:

„Die überwiegend vorkommenden Bäume sind die Pinien Larici.2zur babylonischen Verwirrung um die verschiedenen Namen für die Kiefern der Sila Grande siehe Die Giganten der Sila Hoch oben, zwischen 1000-1400 m allein vertreten, mischt sich die Pinie in niedrigen Gefilden mit Eichen und Kastanien, in höheren Lagen mit der Buche.“

Anfahrt und Wanderweg

Google-Maps war eine Sackgasse: Weiter als zum Parco la fossiata kam ich bei der Recherche nach einem Wanderweg nicht. Weiter half mir Openstreetmap: Ungefähr dort, wo bei Google-Maps die Markierung des Parco la fossiata ist, begann ein Rundweg und dort schien auch ein Parkplatz zu sein. Das war mein Ziel.


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Ich hatte Glück. Dort war tatsächlich ein Parkplatz und der auf Openstreetmap eingezeichnete Wanderweg war nicht nur ein Trampelpfad. Denn der Fossiata Wald gehört zum Nationalpark Parco Nazionale della Silla. Und der hat hervorragend markierte Wanderwege und auch Wanderparkplätze.

Der Nationalparkweg Nr. 29 „del Lupo“

Der Wanderparkplatz liegt also an der SP 255, die vom Lago Cecita nach Bocchigliero führt. Dort steht ein großes Informationsschild und dort beginnt auch der Weg Nr. 29, der rund um den 1.491 m hohen Col del Lupo (übers. Wolfshügel) führt.

Der PNS (Parco Nazionale Sentiero, übers. Nationapark-Wanderweg) 29 überwindet rd. 300 Höhenmeter und ist knapp 6,5 km lang.

Als offizieller Wanderweg des Nationalparks war der PNS sehr gut ausgeschildert und ich musste mich nicht – zumindest nicht nur – auf die App OsmAnd verlassen. Beim Schreiben dieses Artikels fand ich dann auch genau dieses Informationsschild auf der Webseite des Nationalparks Sila über die Wanderwege im Norden des Parks.

Fotos vom schönsten Wald der Sila Grande

Fotografiert wurde im Oktober 2024 mit einem HONOR Magic5 Pro. Die Reihenfolge der Fotos unten ist strikt chronologisch, d. h., die ersten Fotos entstanden am Anfang, die letzten am Ende des Rundwegs.

Die Hinweisschilder verdeutlichen, bis wohin ich jeweils schon auf dem Rundweg gekommen und in welcher Höhe ich war:

Die Zeitangaben auf den Schildern gelten selbstverständlich nur, wenn man zügig und ohne Pausen unterwegs ist.

Streng biologisch bzw. naturschutzfachlich gesehen handelt es sich bei dem Fossiata Wald um einen Lebensraumtyp, den es natürlich in Deutschland nicht gibt: Es ist ein (sub-) mediterraner Kiefernwald mit endemischen Schwarzkiefern (Code 9530). In der offiziellen Beschreibung der European Environment Agency (EEA) steht, dass die Schwarzkiefer „dominiert“ und „oft dichte Strukturen“ bildet. Aber was genau „dominieren“ und „oft“ im Einzelfall heißt, ist ein weites Feld. Auf dem Rundweg habe ich jedenfalls sehr viele Buchen gesehen.

Fossiata 1305 m

1415 m

1475 m

1550 m

Nördlich des Col des Lupo überquert der Weg zwei kleine Bäche, die jetzt im Oktober zu meinem Glück nur wenig Wasser führten. Der Matsch war trotzdem tief und man musste genau aufpassen, wohin man trat.

1510 m

1380 m

Tief unten im Tal verläuft ein hier noch schmaler Bach: Je weiter man nach Süden kommt, umso breiter wird der Bach, weil seitlich immer neue Bäche in ihn münden. Der Bach hat denselben Namen wie der Wald: Fossiata.

Rechts im Vordergrund wachsen 2 junge Weißtannen.

Links und rechts des Bachs dominiert nun nicht die Schwarzkiefer, sondern die Buche.

1290 m Cava dell’Orso

Hier beginnt der Sentiero del Brigante (übers. Weg der Räuber), der PNS 30 von Cava dell’Orso (übers. Bärenhöhle) zum winzigen Örtchen Cava di Melis.

Die beiden Hinweisschilder auf das FFH-Gebiet Bosco di Gallopane (übers. Wald von Gallopane) stehen an dieser Stelle etwas zu früh. Es beginnt erst ungefähr 1 km westlich.

Lago Cecita

Zum Schluss noch Fotos vom Lago Cecita. Im Reiseführer steht:

„Der Lago Cecita, auch Lago Mucone genannt, befindet sich unweit nordöstlich des Städtchens Camigiiatello in 1230 m Höhe. Mit einer Oberfläche von 13 km2 ist er der größte der künstlich angelegten Seen der Sila und wurde in den 50er Jahren zur Stromerzeugung angelegt.“3Ilona Witten, Kalabrien – DuMont Reise-Taschenbuch, Köln 22001

Die Fotos wurden von der Brücke der SS177 über den See aufgenommen.

Der Zufluss des Sees war fast ganz ausgetrocknet (Blick von der Brücke nach Osten):

Auf Wassermangel, Trockenheit oder gar Dürre zu schließen, scheint unbegründet zu sein. Die Bäume zeigen keine Anzeichen von Trockenschäden.