Sauerland – Eine Beschimpfung

Hinweis: Der folgende Text spiegelt die ganz persönlichen Erfahrungen des Autors nach einer Wanderung bei Schmallenberg im Sauerland wieder. Der Text ist also eine individuelle Meinungsäußerung, keine forstwissenschaftliche Untersuchung. Wenn Sie, verehrte Leserin oder verehrter Leser, andere Erfahrungen gemacht haben, dann seien Sie froh! Aber bitte haben Sie Verständnis für den Wutausbruch des Autors, der nach seiner Wanderung aus Frustration eine große Packung Negerküsse essen musste und in der darauffolgenden Nacht vor Wut und Empörung nicht schlafen konnte. Und Kopfschmerzen hatte er auch noch! Bitte werten Sie den folgenden Text also als den hilflosen Versuch des Autors, seine Gefühle zu verarbeiten, und verurteilen Sie ihn nicht vorschnell!

„Hässlich! Widerlich! Ekelhaft! Nie wieder! Umkehren hätte ich sollen. Sofort umkehren! Nur weg! Ganz schnell weg! Nur raus da!

Ein Mist! Ein Dreck! Ein Truppenübungsplatz! Nie wieder fahre ich ins Sauerland! Eine Plantage! Ein Holzacker! Ein einziger Alptraum! Der Schlag soll mich treffen, wenn ich es mir noch einmal anders überlege! Tot umfallen möge ich, wenn ich noch einmal auf die Idee komme, dass es im Sauerland irgendwo irgendwie doch einen hübschen Wald geben muss. Verflucht soll ich sein! Weiterlesen

Vergrasung auf dem Niekopf im Sauerland

Der Niekopf ist ein Berg im Sauerland südlich von Warstein. Von der B55 kann man den großen Sanitärhieb dort gut sehen und von weitem sieht es gar nicht so schlimm aus, denn im Sauerland ist man so einiges gewohnt:

Auch ich bin nach mehreren Wanderungen im Sauerland abgestumpft und frustrationstolerant. Aber aus der Nähe hat mich der Niekopf dann doch ein ganz kleines bisschen aus der Fassung gebracht. Lesen Sie hier meinen neuen Artikel: Reise ans Ende der Nacht.

Das rosarote Wunder im Warsteiner Stadtwald

Die Tourismusindustrie ist verzaubert vom lila Wunder der Heideblüte in der Lüneburger Heide. Ich dagegen bin verzaubert vom rosaroten Wunder der Weidenröschenblüte im Warsteiner Stadtwald.

Und in Deutschland ist die Blüte des Weidenröschens auf ganzer Fläche wirklich fast schon ein Wunder; für gewöhnlich blüht es nur vereinzelt oder in kleinen Gruppen. Grund: Wildverbiss. Dafür dominiert dann der verbissresistente Fingerhut wie im Tänntal. Aber im Warsteiner Stadtwald nimmt Forstamtsleiterin Lena Arens die Jagd offenbar wirklich ernst: sie bestimmt, nicht das Wild.

Lesen Sie hier meinen neuen Artikel: Die Weidenröschenblüte im Warsteiner Stadtwald.

Förster Roland Wiese und der „Brotbaum“ Fichte im Sauerland

„Die Fichte bleibe der ‚Brotbaum‘ im Sauerland – auch im Stadtforst.“ Wer das sagt, ist Förster Roland Wiese und er sagt das im Oktober 2017 vor Mitgliedern des Stadtrats von Meschede. Der Zeitungsartikel in der Westfalenpost trägt den Titel „Wie sich der Wald in Meschede durch den Klimawandel ändert“. Und nein – ich habe das nicht erfunden. Diesen Artikel und diesen Satz von Wiese gibt es wirklich. 3 Monate vor Friederike.

Wiese war über 3 Jahrzehnte Förster im Forstamt von Meschede im Sauerland. Von 2013 bis zu seiner Pensionierung im Jahr 2023 war er dessen Leiter.1siehe Meschede: Neuer Stadtförster im Amt, radio sauerland vom 18.12.2023 Allein für diese 10 Jahre habe ich im Archiv der Westfalenpost 30 Artikel über Wiese und den Stadtforst gefunden. Er hat ihm „seinen eigenen Stempel“ aufgedrückt: „So ein Revier bekommt einen ganz anderen Touch, wenn man das über viele Jahre macht.“2Lebensaufgabe im Stadtwald gefunden, Westfalenpost vom 12.6.2013 Und nein – das sage nicht ich, das sagt Wiese selbst.

Lesen Sie hier meinen neuen Artikel: Stadtförster Roland Wiese und die Westfalenpost.

Hinweise: Am Dienstag, den 6.2.24, veröffentliche ich den nächsten offenen Brief an Denis Loeffke, Bürgermeister von Ilsenburg im Harz.

Naturverjüngung als Alternative zur Wiederaufforstung

Wenn man zu der immer kleiner werdenden Minderheit gehört, die noch die Westfalenpost liest, so könnte man auf den Gedanken kommen, dass es zur Wiederaufforstung im Sauerland keine Alternative gibt: Der „Wald der Zukunft“ muss selbstverständlich künstlich gepflanzt werden! Der Wald der Gegenwart sieht so aus:

Stadtforst Meschede südlich des Lörmecketurms

Ein Thema, über das im Sauerland scheinbar wenig gesprochen wird, ist die Naturverjüngung. Deshalb habe ich viele Informationen dazu zusammengetragen und einen Artikel geschrieben: Naturverjüngung auf Kahlschlägen.

Hinweis: Mein nächster Artikel erscheint am Freitag, dem 2. Februar. Dann zu Zeitungsartikeln über den Stadtforst Meschede.

Die Leiterin des Forstamts Warstein zu den Kahlschlägen am Lörmecke-Turm

Wenn ich früher über Kahlschläge berichtet habe, war es immer ganz einfach, den Verantwortlichen zu finden. In Nationalparks beispielsweise gibt es eine Nationalparkverwaltung mit Fachabteilungen und Revierleitern. Und es gibt eine offizielle Homepage, hübsch mit Karten und mit Pressemitteilungen. Ganz schnell hatte man den ausgemacht, der die Kahlschläge angeordnet hatte. Außerhalb der Nationalparkgrenzen aber, da wird es ganz schnell ganz unübersichtlich.

Für die Kahlflächen rund um den Lörmecke-Turm im Sauerland sind offiziell gleich zwei Regionalforstämter von Wald-und-Holz NRW zuständig: für die Flächen im Norden das RFA Soest-Sauerland, für die im Süden das RFA Oberes Sauerland. Allerdings sind die Regionalforstämter nur hoheitlich zuständig, d. h. sie betreuen die Flächen im Auftrag von Eigentümern, und es sind die Eigentümer, die sagen, wo es lang geht. Und wenn die Eigentümer Städte sind, dann haben sie sogar ein eigenes Forstamt mit eigenen Förstern.

So auch am Lörmecke-Turm: die nördlichen Flächen beförstert das Forstamt der Stadt Warstein. Leiterin ist Lena Arens und sie hat mir erklärt, was die Stadt Warstein da so macht: Forstamtsleiterin Lena Arens zu den Kalamitätsflächen am Lörmecke-Turm.

Was tun mit abgestorbenen Fichten im Wald?

Die riesigen Flächen mit abgestorbenen Fichten am Plackweg im Sauerland wurden vollständig geräumt. Entstanden sind quadratkilometergroße Freiflächen.

Screenshot Waldrodung am Lörmecke Turm Warstein.

Hoheitlich zuständig sind zwar die Förster des Landesbetriebs Wald-und-Holz NRW. Aber dem Landesbetrieb gehören die Flächen nicht; Eigentümer sind Privatleute, Städte, Gemeinden und auch Kirchen. Und der Eigentümer entscheidet, was passiert. Die Förster können lediglich Vorschläge machen und beratend zur Seite stehen. Weiterlesen

Die Kalamitätsflächen am Lörmecke-Turm im Sauerland

Ich war nicht auf dem Lörmecke-Turm, denn ich habe Höhenangst und eine Aussichtsplattform in 35 m Höhe und eine Wendeltreppe immer mit freiem Blick nach unten sind nichts für mich. Aber ich war am Lörmecke-Turm.

Als der Turm im Juni 2008 eingeweiht wurde, war die Welt im Sauerland noch in Ordnung. Damals war der Wald noch „zauberhaft mystisch“. Weiterlesen

Wildverbiss im Sauerland

Im Mittelpunkt meines Adventskalenders standen die riesigen Kahlschläge nördlich von Bestwig im Sauerland. Dass es dort viel zu viele Rehe gibt, kann man mit den Fotos schlecht beweisen: bestenfalls die Abwesenheit von Naturverjüngung zeigt indirekt, dass die Jagd dort völlig versagt. Auch Weisergatter gibt es keine. Nichtsdestotrotz gibt es deutliche Hinweise, dass das hier kein Wald, sondern ein Wildpark ist. Keine 100 m westlich des Parkplatzes Hirschpuff sieht es so aus:

Fichtenverjüngung unter Buchen.

Adventskalender – 23. Dezember

Lörmecke-Tal nahe Bestwig im Sauerland

Wenn Sie irgendeinen beliebigen Förster fragen, warum die Fichten im Sauerland abgestorben sind, dann wird er Ihnen 4 Gründe nennen: Stürme, Hitze, Trockenheit und Borkenkäfer. Oder in den Worten von NRW-Landwirtschaftsministerin Silke Gorißen: „Grund dafür ist in großem Maße der Klimawandel.1Waldzustand NRW 2023

Wie aber ist es dann möglich, dass in Nordrhein-Westfalen prozentual gesehen 5-mal mehr Fichten abgestorben sind als in Bayern?2siehe Tabelle unten War die Hitze in NRW etwa schlimmer als in Bayern? Hat es in Bayern vielleicht mehr geregnet? Oder haben Frank Thonfeld3Thonfeld, F.; Gessner, U.; Holzwarth, S.; Kriese, J.; da Ponte, E.; Huth, J.; Kuenzer, C. A First Assessment of Canopy Cover Loss in Germany’s Forests after the 2018–2020 Drought Years. Remote Sens. 2022, 14, 562. https://doi.org/10.3390/rs14030562, CC BY 4.0 Deed und sein Team vielleicht die Satellitenbilder falsch ausgewertet und das sind in Bayern gar keine Nadelwälder mehr, sondern bereits die „klimaangepassten Mischwälder“, die in NRW erst noch gepflanzt werden?4Waldzustand NRW 2023

Dieselben Fragen drängen sich auf, wenn man Hessen mit Baden-Württemberg oder Sachsen-Anhalt mit Schleswig-Holstein vergleicht. In der Mitte Deutschlands sterben die Nadelwälder. Im Norden und Süden aber traten Verluste von über 6 % wie in Hessen oder NRW überhaupt nicht auf – schon gar nicht zwei Jahre hintereinander. Und Spitzenwerte wie der Verlust von 12 % in NRW für 2019 sind geradezu astronomisch hoch und außerhalb von NRW völlig unbekannt.5siehe unten

Seit wann ist der Klimawandel auf die Mitte Deutschlands beschränkt? Weiterlesen

Adventskalender – 22. Dezember

Die vier Fotos oben sind – anders als die übrigen Fotos dieses Adventskalenders – nicht von mir. Sie stammen von Frank Thonfeld und wurden in dem folgenden Artikel veröffentlicht:

Thonfeld, F.; Gessner, U.; Holzwarth, S.; Kriese, J.; da Ponte, E.; Huth, J.; Kuenzer, C. A First Assessment of Canopy Cover Loss in Germany’s Forests after the 2018–2020 Drought Years. Remote Sens. 2022, 14, 562. https://doi.org/10.3390/rs14030562, CC BY 4.0 Deed

Leitmedien und Spitzenfunktionäre aus Umweltpolitik und Forstwirtschaft behaupten seit Jahren: „Der Wald in Deutschland stirbt!“ Der Artikel von Thonfeld und seinem Team widerlegt diese Behauptung.

1. Fehler: „Der Wald in Deutschland stirbt!“
Der Wald stirbt nicht überall in Deutschland, sondern komischerweise v. a. in ganz bestimmten Bundesländern. Betroffen sind hauptsächlich die Länder in der Mitte: Nordrhein-Westfalen, Hessen und Sachsen-Anhalt.1siehe Abbildung 10, a. a. O.

Abb. 8: Waldveränderungen (prozentualer Verlust der Waldfläche pro Sechseck) für alle Waldtypen und den Zeitraum Januar 2018–April 2021 (linkes Bild), 2018, 2019, 2020 und Januar–April 2021. Jedes Sechseck hat eine Fläche von ca. 87 km2. Weiterlesen

Adventskalender – 21. Dezember

Forstschutz im Sauerland

Das Adjektiv „forstschutzrelevant“ wird im Nachhaltigkeitsbericht 2020/21 von Wald-und-Holz-NRW 17-mal verwendet. Es ist offenbar so wichtig, dass es eigens erklärt wird – im Gegensatz zu vielen anderen forstwirtschaftlichen Fachbegriffen, die im Bericht wie selbstverständlich und ohne jede Erklärung benutzt werden:

„Forstschutzrelevante Hölzer sind im Zusammenhang mit der aktuellen Borkenkäferkalamität Fichten, die akut vom Borkenkäfer befallen sind und unter deren Baumrinde der Käfer in verschiedenen Entwicklungsstadien aktiv ist. Von diesen Fichten geht bei Ausfliegen der Käfer eine Gefahr für die noch intakten sowie noch nicht befallenen Fichtenbestände aus – weshalb sie möglichst umgehend aus dem gefährdeten Wald gebracht werden müssen.“1Nachhaltigkeitsbericht 2020/21, S. 29

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Adventskalender – 20. Dezember

Welche Baumarten und Stückzahlen würde man auf der Nuttlarer Höhe im Sauerland zählen, wenn man dort Weisergatter errichten würde? Aber niemand errichtet dort Weisergatter. Und niemand zählt. 

Im Forschungsrevier Eilper Berg errichtete das Team von Frank Christian Heute1Vorsitzender des Ökologischen Jagdvereins (ÖJV) NRW drei Weisergatter (siehe Karte A3). Ziel war es, den Einfluss des Rehwildes auf die Vegetationsentwicklung zu bestimmen und sich ein Bild von der Entmischung zu machen. Unter Entmischung versteht man die Verarmung der naturnahen Waldgesellschaften durch den selektiven Verbiss des Rehwilds. Gibt es zu viele Rehe, dann fehlen bestimmte, besonders verbissempfindliche Baumarten komplett. Die Tabelle zeigt Arten und Stückzahlen aller drei Weisergatter im Vergleich zu den nicht gezäunten Referenzflächen.

 WeisergatterReferenzflächen
Birke437
Fichte5312
Eberesche146
Eiche2738
Buche15670
Bergahorn41
Esche1 
Kirsche3 
Douglasie3 
Hemlocktanne2 
Salweide10 
Aspe4 
Lärche1 
Hainbuche1 
Summe322134

 

Adventskalender – 19. Dezember

Die meisten Förster im Sauerland sagen: „Nun müssen wir aufforsten!“ D. h. sie befürworten künstliche Verjüngung und wollen in Baumschulen vorgezogene Setzlinge pflanzen. Sie sagen: Naturverjüngung funktioniert nicht!“ Als Beweis dafür zeigen sie auf die geräumten Kalamitätsflächen, auf denen nur Gräser und Kräuter wachsen:

Was die meisten Förster nicht sagen: Naturverjüngung würde sehr wohl funktionieren, wenn die Rehe die Sämlinge nicht alle auffressen würden. Weisergatter würden das auch beweisen. Aber auf meiner mehrstündigen Wanderung habe ich kein einziges Weisergatter gesehen.

„Weisergatter müssen unmittelbar nach dem ‚Auflichtungsereignis‘ (forstlicher Eingriff, Windwurf, Kalamität) und vor Beginn des nächsten Vegetationsbeginns errichtet werden. Nur so kann sich im Gatter das ’schlummernde‘ Samenreservoir des Bodens entfalten. Und nur so kann das große Potential von Naturverjüngung sichtbar gemacht werden. Wird ein Gatter erst spät gebaut, sind oft bereits sämtliche Keimlinge  – teils von Samen, die seit vielen Jahren im Boden ’schlummern‘ – abgeäst. Der Beobachter meint dann, der pflanzenfreie Waldboden sei ’normal‘.“1Frank Christian Heute, Auswirkungen veränderter Bejagungsstrategien auf Rehwild, Ökojagd 2 -2002, S. 18, Hervorhebungen von F.-J. A.