Wetter und Klimawandel in den Tätigkeitsberichten des Nationalparks Harz

„Ich habe eine kleine Sammlung von Zeitungsbeiträgen der letzten 30 Jahre und weiß gar nicht, wie viele ‚letzte Chancen‘, ‚Fristen‘ und ‚Kipppunkte‘ ich inzwischen munter überlebt habe. Mein Favorit ist ‚Bild‘ vom 3. Februar 2007 mit der Überschrift ‚Unser Planet stirbt!‘ und der Zusatzzeile: ‚Jetzt amtlich.'“
Dirk Maxeiner

Vorwort

Man stelle sich einmal folgende Geschichte vor: Die Schüler von Fridays For Future verlegen ihren Streik von Goslar nach Bad Harzburg. Dort versammeln sie sich mitten auf der B 4 und blockieren die Weiterfahrt Richtung Nationalpark. „Autos zerstören unsere Zukunft!“, „Klimaschutz für die Fichten!“, „Wir sind jung und brauchen die Fichten!“, „Sitzstreik für das Klima!“, „Das ist unsere letzte Chance!“, „Grüner ist besser!“ steht auf den Plakaten. Sie fordern die Sperrung der B 4 für normale Autos. In den Touristenzentren  des Nationalparks sollen nur noch Elektroautos fahren dürfen. Die Zeitungen berichten und bitten Andreas Pusch, Leiter des Nationalparks Harz, um eine Stellungnahme. Was würde er sagen?

Henning Schlottmann (User: H-stt), CC BY-SA 4.0 <https://creativecommons.org/licenses/by-sa/4.0>, via Wikimedia Commons

Man stelle sich eine zweite Geschichte vor: Es ist Samstag Vormittag am Bahnhof der Brockenbahn in Wernigerode. Der Bahnhof ist voll. An den Kassen bilden sich lange Schlangen. Familien mit Kindern drängeln sich auf dem Bahnsteig. Die Kinder freuen sich auf die Dampflok. Auf einmal Tumult! Klima-Aktivisten von Extinction Rebellion drängeln in den Bahnhof. Auf Plakaten steht: „Unsere Zeit läuft ab!“, „Klima retten!“, „Fichtensterben stippen!, „Handelt jetzt!“, „Burn Capitalism, Not Coal!“ Sie besetzen die Gleise, rufen zum „Aufstand gegen die Kohle!“ auf und fordern „Stoppt die Brokenbahn!“ Die Zeitungen berichten und bitten Andreas Pusch, Leiter des Nationalparks Harz, um eine Stellungnahme. Was würde er sagen?

Man stelle sich eine dritte Geschichte vor: Der Stadtrat von Wernigerode tagt. Und Oberbürgermeister Peter Gaffert ruft den Klimanotstand aus:

„Wir stehen vor einer globalen Katastrophe. Der Klimawandel ist eine existentielle Herausforderung für menschliches Leben auf diesem Planeten. Wir befinden uns in einer echten Notlage, die sich fundamental von allen anderen politischen Herausforderungen unterscheidet. Heute rufen wir eine Klimanotlage aus, weil unsere Welt in Flammen steht und unsere bisherigen politischen Mittel nicht ausreichen, um das Feuer zu bekämpfen.“ (siehe Philipp Bruck, Bündnis 90/Die Grünen Bremen, in „Gefährlicher Fehlalarm – Die Ausrufung des Klimanotstands in Bremen“)

Die Zeitungen bitten Andreas Pusch um eine Stellungnahme. Was würde er sagen?

Einleitung

Wenn man wissen will, wie Andreas Pusch und seine Mitarbeiter über den Klimawandel denken, muss man die Tätigkeitsberichte lesen. Alljährlich gibt der Nationalpark (NLP) einen Bericht heraus und informiert über die Tätigkeiten des Vorjahres. Will man wissen, wie die NLP-Leitung tickt, muss man diese Berichte lesen. 2019 war der Klimawandel das beherrschende Thema. Aber das war nicht immer so. Die Lektüre der Berichte von 2012 – 2014 führt zu einem überraschenden Ergebnis: der Klimawandel spielte damals noch gar keine Rolle. In diesen drei Jahren taucht der Klimawandel jeweils nur ein einziges Mal im Bericht auf: als ein Thema der Presse- und Medienarbeit neben unzähligen anderen.

„Wichtige Themen waren im Berichtsjahr: […] Klimawandel und seine Auswirkungen im Nationalpark Harz […].“

Wohlgemerkt: in diesen Jahren ist der Klimawandel ein Thema in einer nicht enden wollenden Liste von Themen. Das ändert sich dramatisch im Jahr 2019: Die Anzahl der Nennungen vervierfacht sich im Vergleich zu 2017. Waren es 2017 nur 5, so sind es 2019 20. Etwas ähnliches spielte sich schon von 2006 – 2009 ab. Damals verdoppelten sich die Nennungen, nur um dann wieder deutlich zu sinken.

JahresberichtAnzahl der Nennungen
2006/20074
20088
20098
20104
20114
20121
20131
20141
20152
20165
20175
20188
201920

Tabelle: Anzahl der Nennungen des Wortes „Klimawandel“ in den Jahresberichten 2006/2007 – 2019

Ich habe sämtliche Tätigkeitsberichte seit der Vereinigung des westlichen und östlichen Teils im Jahr 2006 nach Zitaten durchsucht, die sich um das Wetter und das Klima drehen. Diese Zitate werde ich in den folgenden Kapiteln vorstellen und kommentieren, wo mir das nötig erscheint. Dazwischen geschoben sind Exkurse zu langfristigen Klimatrends in Deutschland. Diese sind nötig, weil die Angaben zum Klima in den Tätigkeitsberichten einseitig, verkürzt und lückenhaft sind. Sie tragen damit – gewollt oder ungewollt – zur Angstpropaganda und Panikmache durch Medien und Klimaaktivisten bei.

Die Seite ist gegliedert in folgende Abschnitte:

  1. Tätigkeitsberichte 2006/7, 2008 und 2009
  2. Tätigkeitsberichte 2010 und 2011
  3. Tätigkeitsberichte 2012 und 2013
    1. Exkurs: Mittelalterliche Wärmeperiode und Kleine Eiszeit
  4. Tätigkeitsberichte 2014 und 2015
  5. Tätigkeitsberichte 2016 und 2017
    1. Exkurs – Starkregenfälle in Sachsen-Anhalt und Niedersachsen 1951 – 2019
  6. Tätigkeitsberichte 2018
    1. Exkurs: Stürme und Waldbrände in Deutschland
  7. Vergleich der Tätigkeitsberichte 2017, 2018  und 2019
  8. Tätigkeitsberichte 2019
    1. Exkurs:Temperatur und Niederschläge in Sachsen-Anhalt 1881 – 2019
  9. Schluss – Der NLP und die freiheitliche Demokratie
  10. Anhang – Drei Videos gegen die Panik vor der Klimakatastrophe

Anmerkung zu den Fotos in diesem Artikel

Ich werde in diesem Artikel u. a. die These vertreten, dass die NLP-Verwaltung den Klimawandel vereinfacht, übertreibt und zuspitzt und eine diffuse Angst davor schürt. Dazu passt, dass Spitzenfunktionäre des BUND und NABU zusammen mit NLP-Leiter Pusch bei einem Pressetermin öffentlich die Dringlichkeit von Klimaschutzmaßnahmen bekräftigt haben. (siehe Klimawandel beeinflusst Wildnisentwicklung, Aktuelles vom 25.6.2019) An dieser Angstpropaganda möchte ich mich nicht mit sensationslüsternen Fotos vom Sterben der Fichten im NLP beteiligen. Stattdessen zeige ich Fotos von einer Wanderung durch das Bodetal. Es liegt 30 km westlich des NLPs und ist Teil des fast 6.000 ha großen FFH-Gebiets Bodetal und Laubwälder des Harzrandes bei Thale. Hier und nicht am Brocken hätte ein NLP eingerichtet werden müssen.

Buchhinweis

Viele Hinweise und Zitate verdanke ich dem Buch Unerwünschte Wahrheiten – Was Sie über den Klimawandel wissen sollten von Sebastian Lüning und Fritz Vahrenholt. Auch ihrem Blog Kalte Sonne und ihrem Video-Kanal Klimawandel Crashkurs habe ich viele wertvolle Informationen und Anregungen entnommen.

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