Zum Niederknien schön – mein Märchenwald

Vielleicht wird Thomas Michler, Umweltpädagoge im Nationalpark Bayerischer Wald, nun schmunzeln oder vielleicht auch die Nase rümpfen, wenn ich von „Märchenwald spreche. Denn er schreibt:1zusammen mit Co-Autor Erik Aschenbrand

„Auch vom Wald existieren stereotype Vorstellungen. Weit verbreitet ist die Vorstellung vom grünen Märchenwald mit uralten Baumriesen, die als Symbole der Weisheit und der Dauerhaftigkeit der Natur interpretiert werden (Schama 1996). Diese stereotype Vorstellung vom Wald ist nicht nur aus Märchen und Filmen bekannt, sie wird derzeit z. B. auch erfolgreich von „Deutschlands berühmtestem Förster“ (Bild Zeitung 2017) Peter Wohlleben in seinen Büchern bedient.“2Erik Aschenbrand und Thomas Michler, Gestörte Heimat – Nationalparks zwischen Naturschutz, Tourismus und lokaler Akzeptanz, Naturschutz und Landschaftsplanung 04/2019, Hervorhebungen von mir

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Käfer – nicht im Buch, sondern im Wald

Ich habe in der Vergangenheit viel über Käfer geschrieben, z. B. hier, hier oder hier oder hier. Unzählige Nächte habe ich mir mit dem Studium von Fachpublikationen um die Ohren geschlagen, die häufig in einem völlig unverständlichen Fachchinesisch geschrieben waren. Ich habe viel gelesen über Käfer. Gesehen hatte ich sie nie. Eine Exkursion mit Jörg Müller und Simon Thorn war die Ausnahme von der Regel. Nun ändert sich das. Ich sehe Käfer live und in Farbe.

Gefleckter Blütenbock

Dafür danke ich Hans-Joachim Grunwald vom Verein Coleo. Er hat mich mitgenommen in die Naturwaldzelle Hellerberg im Sauerland und stundenlang mit mir Käfer gesucht.

Das Ergebnis ist der folgende Artikel: Käferexkursion im Sommer 2024

1. Weihnachtstag

Frohe Weihnachten!

Herr Striepen vom Landesbetrieb Wald-und-Holz NRW hat mir ein sehr schönes Weihnachtsgeschenk gemacht und meinen offenen Brief beantwortet. Seine detaillierten Antworten lassen – fast – keine Fragen zur Naturwaldzelle Rosenberg offen. Das ist wirklich eine schöne Bescherung – und das schreibe ich ohne jede Ironie.

Lesen Sie hier die ausführliche Antwort von Herrn Striepen: Geschichte der Naturwaldzelle Rosenberg.

Besuch in der Naturwaldzelle Kluß

Mitte Oktober habe ich die Naturwaldzelle Kluß in der Nähe von Paderborn besucht. Ich habe dort die „Waldstruktur und Bodenvegetation“ nicht „aufgenommen“. Auch „Stichprobenflächen“  und „Dauerbeobachtungsflächen“ haben mich nicht interessiert. Ich habe keine Ahnung, ob dort „besondere Fragestellungen oder Aspekte untersucht werden“ sollten. Es macht vermutlich keinen Sinn, „das Monitoring auf diesen Flächen intensiver“ fortzuführen. Eine „Buchen-Fichten-Konkurrenz“ wie in Hunau gibt es dort jedenfalls nicht. Der „Aspekt“ Fichten hat sich auf der Paderborner Hochfläche erledigt. (Sämtliche Zitate aus Schützen – Forschen – Lernen, Konzept für die Naturwaldzellen in Nordrhein-Westfalen, S. 36 f.)

Der Landesbetrieb Wald-und-Holz-NRW hat die Naturwaldzelle Kluß nicht „für die Öffentlichkeitsarbeit ausgewählt“. Denn sie wird nicht „von vielen Erholungssuchenden genutzt“ und ist auch nicht „durch Wanderwege erschlossen oder gut einsehbar“. Es macht hier keinen Sinn, „Erholungssuchende zu informieren und zur Schonung der Naturwaldzelle zu lenken“.

Wenn Sie zu der kleinen Minderheit gehören, die sich trotzdem für die Naturwaldzelle Kluß interessieren und ausgerechnet dort Erholung suchen, dann finden Sie hier meinen Artikel: Kluß bei Paderborn.

35 ha Prozessschutz – die Naturwaldzelle Rosenberg im Eggegebirge

Nach meinem Offenen Brief folgt nun der ausführliche Artikel zur Naturwaldzelle Nr. 70 – inklusive den ersten jemals veröffentlichten Bestandesbeschreibungen: Rosenberg im Eggegebirge.

Hinweis: Mein nächster Artikel erscheint am Freitiag, den 27.10. zum Thema: Naturgemäße Forstwirtschaft und Jagd – Exkursion mit Lucas von Fürstenberg durch den Forstbetrieb Brabecke.

Offener Brief an Herrn Striepen (Naturwaldzellen NRW)

Sehr geehrter Herr Striepen!

In Ihrer letzten E-Mail baten Sie mich, Fragen zur Naturwaldzelle Rosenberg (i. F. abgek. NWZ) direkt an Sie zu stellen und nicht etwa an Revierbeamte des Regionalforstamts Hochstift. Ich komme dieser Bitte gerne nach! Allerdings schreibe ich diese E-Mail dieses Mal als Offenen Brief, weil ich der Ansicht bin, dass der Inhalt Ihrer Antwort zum einen für eine breitere Öffentlichkeit interessant sein könnte und zum anderen sicherlich keinen Geheimhaltungsvorschriften unterliegt.

Vorab eine kleine Anekdote: Ich war gestern zu Besuch bei Lukas von Fürstenberg, der mich gut eine Stunde in seinem Revier im Sauerland herumfuhr. Ich war geradezu sprachlos, wie viel er über seinen Wald wusste: hier hatte sein Großvater dies gemacht, hier sein Vater jenes und er habe hier vor kurzem usw. etc. pp. Er wusste genau, wo was wächst, was wann warum gepflanzt worden war, wie hier der Boden, dort das Licht und da drüben die Temperatur am Boden Anfang April sei. Warum erzähle ich Ihnen das? Nun – Sie müssen mir nicht gleich die Temperatur am Boden der Steinbeke Anfang April mitteilen, aber die eine oder andere Information über die Naturwaldzelle Rosenberg wäre schon interessant. Zumal diese explizit zu den NWZ für „Öffentlichkeitsarbeit und Umweltbildung“ gehört.

Quelle: Wildnis in Nordrhein-Westfalen

1. Frage Weiterlesen

Muffelwild in Naturwaldzelle

Am Montag wanderte ich den Buchen-Wildnis-Pfad rund um die Naturwaldzelle Rosenberg. Kurze Zeit, nachdem ich das folgende Video gedreht hatte, begegnete ich einem Mann, der mit seinem Hund dort Gassi ging. Wir kamen ins Gespräch und ich fragte ihn, ob er den Wildverbiss direkt neben uns bemerken würde. „Ja natürlich! Aber das ist ja eine Naturwaldzelle. So steht es da drüben auf dem Schild. Und ich denke mir, Rehe1Es sind nicht Rehe, sondern Mufflons, die hier ihren Schabernack treiben. gehören eben auch zur Natur!“ Darauf ich: „Wölfe und Bären auch!“

Bärlauchblüte am Hohenstein

2013 veröffentlichte ich gleich neun Artikel über die skandalöse Forstwirtschaft am Hohenstein. Ich las damals gerade das Buch „Wald ohne Hüter – Im Würgegriff von Jagdinteressen und Forstwirtschaft“ von Peter Wohlleben und mir kam es so vor, als wolle das Forstamt Oldendorf der Niedersächsischen Landesforsten zum Buch die passenden Bilder liefern: der Wald im Würgegriff der Forstwirtschaft! Hinzu kamen Verwüstungen durch Rückegassen, sodass der Wald aussah wie ein Panzerübungsplatz.

10 Jahre später kommt mir das alles wie ein böser Traum vor und die Landesforsten sind vom Saulus zum Paulus geworden: am Hohenstein wurden rd. 1.300 ha Forst aus der Bewirtschaftung genommen und unter strengsten Naturschutz gestellt. Nur wenn man genau hinschaut, sieht man noch die Würgemale der Vergangenheit.

Im Mai 2022 hatten die beste Ehefrau von allen und ich allerdings nur Augen für die Bärlauchblüte am Hohenstein.

Lesen Sie hier meinen reich bebilderten Artikel über Niedersachsens neuen Mini-Nationalpark: Bärlauchblüte am Hohenstein.

Offener Brief an die Landesforstchefin NRW, Claudia Bönnighausen

Wer Claudia Bönnighausen ist, das erklärt Ihnen Michael Blaschke, Pressesprecher von Wald und Holz NRW:

Heute habe ich den folgenden Brief an sie geschrieben:

Ministerium für Umwelt, Naturschutz und Verkehr des Landes NRW
Abteilung III Naturschutz1siehe Organisationsplan des MULNV
Claudia Bönnighausen
Landesforstchefin
40190 Düsseldorf

2 Fragen zum mangelhaften Monitoring in der Naturwaldzelle Nammer Berg

Sehr geehrte Frau Bönnighausen!
Ich wende mich aus zwei Gründen an Sie: Zum einen sind Sie als Landesforstchefin und Leiterin der Abteilung Naturschutz offiziell und von Amts wegen zuständig für die Naturwaldzellen. Weiterlesen

Der geheime Urwald von Porta Westfalica in 4K

Gut – ich gebe es zu: das neue Video zur Naturwaldzelle Nammer Berg ist eine technische Spielerei – 4K muss nicht sein, wenn man einen Film über einen Wald dreht. Und ich habe nicht einmal einen Monitor, der 4K unterstützt! Auch mein Computer war mit der Herstellung des Videos völlig überfordert, Genauso überfordert wie ich bei der Benutzung des Gimbals – es sollte ja nicht verwackelt sein! Verwackelt ist es jetzt nicht unbedingt – aber viele Schwenks sind viel zu schnell und zu ruckartig. Ich übe noch. Ich gebe das alles zu! Aber 4K ist nun einmal das neue Ding und wenn auch nur ein paar Leute mehr sich das Video anschauen und sich für diesen Wald interessieren, dann hat der ganze Aufwand sich gelohnt. Man rümpfe hier nicht hochmütig die Nase: „Blödsinn!“, „Schnickschnack!“, „Überflüssig!“ Smartphones waren auch mal das neue Ding …

Noch ein Wort zum Titel „Der geheime Urwald …“ Das ist nicht übertrieben: Geheim ist dieser Wald nun wirklich – nicht ausgeschildert, keine Informationen in den Medien – und Urwald – nun ja: nicht in dem Sinn, dass dort überhaupt noch nie Forstwirtschaft betrieben wurde. Aber 50 Jahre unbewirtschaftet – das ist für Deutschland schon sehr viel und das hat Folgen: die vielen umgestürzten Buchen, die da so schon seit Jahren, viele seit Jahrzehnten liegen, habe ich so ganz ganz selten gesehen. Und ich freue mich schon auf die Pilzsaison! Da wird noch viel viel mehr zu entdecken sein als „nur“ der Ästige Stachelbart. NIcht, dass ich Pilze sammeln würde – das ist in der NWZ ohnehin verboten – aber der Film dürfte sensationell werden! In 4K.

Auf der Suche nach dem ultimativen Foto mit einer Roten-Liste-Art

Neulich war ich wieder in meinem Urwald vor der Haustüre unterwegs: in der Naturwaldzelle Nammer Berg – diesmal nicht im Schnee auf der Suche nach dem ultimativen Urwald-im-Schnee-Foto. Nein – diesmal auf der Suche nach dem ultimativen Frühblüher-im-Urwald-Foto. Es sollte so ein Foto wie im Kosmos-Waldführer werden – eine Wiese voller Buschwindröschen und Lerchensporne, am besten noch mit ein paar dicken alten Baumstämmen im Hintergrund.

Es sollte das ultimative Frühblüher-Naturwaldzellen-Foto werden. Oder noch besser: das ultimative Rote-Liste-Frühblüher-Naturwaldzellen-Foto. Ich also auf zum Nammer Berg! Frühmorgens, Sonnenschein, blauer Himmel. Und dann? Weiterlesen

Update zur Naturwaldzelle Nammer Berg

In der Nacht zum 11. März hatte es in Ostwestfalen geschneit. Ganz kurzentschlossen bin ich frühmorgens die 5 km zur Naturwaldzelle (NWZ) Nammer Berg gewandert, zu meinem Urwald vor den Toren der Stadt. Es war sensationell. Punkt.

Die neuen Fotos habe ich meinem alten Artikel über die NWZ hinzugefügt: NWZ im Winter 2023. Überhaupt konnte der Artikel ein kleines Update vertragen; der neue Abschnitt Informationen zur NWZ dreht sich v. a. um die Geschichte des dortigen Waldes, die bis in die Mitte des 19 Jahrhunderts sehr genau zurückverfolgt werden kann. Die Informationen stammen aus einem 40 Jahre alten Buch, das längst vergriffen ist und manchmal in Antiquariaten verramscht wird. Autor war damals ein gewisser Dr. H. Wachter, den heute niemand mehr kennt und der vermutlich seit langem tot ist. Es ist interessant, was er schreibt, und ebenso das, was er gerade nicht schreibt. Auch zum Wildverbiss gibt es neue Informationen. Den Abschluss des Updates bildet ein Abschnitt über Mikrohabitate der NWZ. Mikrohabitate sind ein sehr aktuelles Modethema – auch die Tagung zum 50jährigen Jubiläum der NWZ in NRW im Mai 2022 widmete ihm einen Vortrag.

Der Schnee war übrigens schon am Abend wieder geschmolzen. Die Erinnerung aber bleibt. Wie oben gesagt: Sensationell. Punkt.

Maiglöckchen in Naturwaldzelle Nammer Berg

Seit dem Wochenende blühen die Maiglöckchen in der Naturwaldzelle Nammer Berg. Sie wachsen dort nur an einer einzigen Stelle und das auch nur auf einer Fläche von höchstens 25 m2. In den umliegenden privaten Wirtschaftswäldern habe ich sie noch nicht entdeckt – und das, obwohl diese teilweise herrlich verwahrlost und ungepflegt sind und schöne alte Buchenbestände aufweisen.

Naturwaldreservat Lösershag in Unterfranken

Der Lösershag ist ein Naturwaldreservat in Unterfranken. Georg Sperber lobt es in seinem Buch „Urwälder Deutschlands“ so überschwänglich, dass ich auf der Rückfahrt aus dem Steigerwald dort im März letzten Jahres Zwischenstation gemacht habe. Das Wetter war eine Katastrophe: Es war dunkel und trüb und diesig und es nieselte. Zu allem Unglück führte der Urwald-Lehrpfad direkt an einem frischen Lichtungshieb in einem Buchenaltbestand vorbei. Vielleicht fällt mein Bericht auch deshalb zwiespältiger aus als der von Sperber: Mir reichen 61,8 ha einfach nicht. In NRW heißen die Naturwaldreservate nicht umsonst Naturwaldzellen. Ich bekomme da Platzangst. Hier geht es zu meinem Bericht: Lösershag.

 

Panoramafoto von der Brunnstube im Steigerwald

Ich experimentiere mit PTGui, einer Software zum Erstellen von Panoramabildern.

Hier ein Panoramabild der Brunnstube, einem berühmten Naturwaldreservat aus dem Steigerwald. „Die Kernfläche … bildet ein nur weniger Hektar großer, 210 Jahre alter Buchenbestand.  Daneben sind hier etliche über 300-jährige Buchen .. zu finden.“ (Naturwanderführer – Unterwegs zum Steigerwald, S. 9) Das Foto zeigt die riesige Windwurffläche der Kernfläche; die größte, die ich bislang in einem Buchenwald gesehen habe.

 

 

Sie können die Ansicht des Panoramas ganz einfach vergrößern, indem Sie in die Webseite mit der Tastenkombination „STRG +“ hineinzoomen. Oder Sie öffnen sich die folgende Webseite mit dem Panorama: Panorama-Vollbild. Wenn Sie dann „F11“ drücken, haben Sie eine Vollbildansicht und können das Panorama mit der Maus steuern.

Naturwaldzelle Schäferheld – ein 170 Jahre alter Buchenwald

Ich habe einen Bericht über den 170 Jahre alten Buchenwald in der Naturwaldzelle Schäferheld geschrieben. Der Buchenwald, der zu den Juwelen des Nationalparks Eifel zählt, wird seit 40 Jahren nicht mehr bewirtschaftet und steht unter Prozessschutz. Neben Hinweisen zur Geschichte des Waldes und zu seinen Besonderheiten zeige ich Ihnen hochauflösende Panoramafotos und beschreibe mit Hilfe einer Arbeit von Klaus Striepen ausführlich das Problem, dass zu hohe Wildbestände die natürliche Verjüngung des Walds verhindern: Schäferheld in der Eifel

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Gleichzeitig veröffentliche ich eine Arbeit über Totholzkäfer in der Naturwaldzelle Schäferheld. Ich zeige Ihnen Bilder der etwas bekannteren Totholzkäferarten und beschreibe kurz ihre Lebensweise. Außerdem stelle ich Ihnen die absoluten Raritäten vor, die Frank Köhler, einer der führenden Käferexperten Deutschlands, dort gefunden hat. Ich bedanke mich bei den vielen vielen Hobbyfotografen, die so freundlich waren, mir ihre Fotos zur Verfügung zu stellen. Ein herzliches Dankeschön geht an Boris Loboda, Kirill Makarov und Maxim Smirnov aus Russland!

Mycetophagus multipuncta_msMycetophagus multipunctatus, Foto: Maxim Smirnov, Ivánovo, Russland