Waldsteppe am Rachel – Offener Brief an die Pressestelle des Nationalparks Bayerischer Wald

Sehr geehrte Damen und Herren von der Pressestelle,
ich schreibe seit vielen Jahren auf meiner Webseite ausführlich über den Nationalpark Bayerischer Wald. Zurzeit arbeite ich an einem Artikel über den Großen Rachel – genauer gesagt über die dortigen „waldsteppenartigen Totholzflächen“ (Jörg Müller, LBV-Vogelschutz Heft 1, 2011).

Leider finde ich auf der Webseite des Nationalparks nichts über diese „waldsteppenartigen Totholzflächen“ am Rachel. Nichts. Gar nichts. Auf der Seite „Lebensräume“ kommt das überhaupt nicht vor.

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Auf halbem Wege

„Die Überlegungen blieben auf halbem Wege stecken und füllten seinen Kopf mit einem unklärbaren Gemisch merkwürdiger, ihn selbst beunruhigender Bruchstücke. Gelegentlich erschien ihm ein Ansatz hoffnungsvoll, und er klammerte sich energisch an ihn, aber sei es, weil er sich täuschte, sei es, weil er sich allzu heftig an ihn klammerte, oder weil er inzwischen die Fähigkeit, logisch und sorgsam etwas zu einem  brauchbaren Ende zu denken, verloren hatte, er fand sich bald in seiner anfänglichen Aussichtslosigkeit wieder.“1Christoph Hein, Der Tangospieler, Frankfurt a. M. 1989, S. 22

Der Klimawandel und der Nationalpark Harz

Wenn in einem Stadtwald die Fichtenwälder absterben, dann hat ein städtisches Forstamt wie z. B. das der Stadt Warburg damit kein Problem: Denn es ist ja für den Schaden nicht verantwortlich. Es hat nichts falsch gemacht. Der Klimawandel ist schuld. Man holzt den abgestorbenen Fichtenwald ab, pflanzt einen klimastabilen Mischwald und fertig. Alle sind zufrieden.

Wenn in einem Nationalpark die Fichtenwälder absterben, ist es nicht ganz so einfach. Ein Nationalparkamt wie z. B. das im Harz hat dann sehr wohl ein Problem. Zwar hat auch das Nationalparkamt selbstverständlich nichts falsch gemacht und auch hier ist der Klimawandel schuld. Aber man kann den Fichtenwald nicht einfach abholzen und kann auch keinen klimastabilen Mischwald pflanzen. Denn in einem Nationalpark gilt: Natur Natur sein lassen! Wenn das Nationalparkamt genauso handeln würde wie ein städtisches Forstamt, dann könnte man den Nationalpark Harz auch gleich dicht machen. Also hat man ein Problem:

  • Auf der einen Seite ist der Klimawandel. Und der ist selbstverständlich ganz schrecklich und die Zukunft ist grauenvoll!
  • Auf der anderen Seite ist die Natur. Und die soll man einfach machen lassen. Die hilft sich selber. Also ist es doch nicht so schlimm. Weil die Natur ja immer eine Lösung findet. So jedenfalls hat man es jahrelang erzählt. Wildnis! Urwald! Das verträgt sich schlecht mit Kahlschlägen und künstlich gepflanztem Mischwald. Esskastanien und Douglasien im Brockenurwald? Das geht gar nicht!

Also muss sich das Nationalparkamt etwas einfallen lassen. Das Ergebnis ist ein Spagat:

  • Auf der einen Seite: „Hitze! Dürre! Alarm! Der Wald stirbt! Panik! Hitzetote!“
  • Auf der anderen Seite: „Alles schon mal dagewesen! Ruhe bewahren! Geduld! Die Natur findet immer einen Weg!“

Die einen sagen dies, die anderen das. Und manchmal reden sie bunt durcheinander. Genau dies habe ich gefunden bei der Analyse der Informationsschilder, die das Nationalparkamt in den Jahren des großen Fichtensterbens im Park aufgestellt hat. Lesen Sie hier meinen neuen Artikel: Der Klimawandel und die Informationsschilder im Nationalpark Harz.

Nationalpark Harz – Fehlende Tätigkeitsberichte 2023 und 2024

Die beste Ehefrau von allen meint, ich sei der Einzige, der die Tätigkeitsberichte des NLP Harz liest. Also nicht, dass sie immer recht hätte, das nicht. Aber manchmal drängt sich schon der Eindruck auf, dass niemand sonst die liest.

Und so fällt auch niemandem auf, dass die Tätigkeitsberichte der letzten beiden Jahre fehlen. Da es auch keine Pressemitteilung gibt, die das erklärt, um Verständnis bittet oder sich dafür entschuldigt, habe ich beim NLP nachgefragt:

An: Poststelle@npharz.de

Sehr geehrte Damen und Herren,
ich vermisse die Tätigkeitsberichte der letzten beiden Jahre. Zumindest der für 2023 sollte doch nun so langsam fertig sein!
Ich bin beunruhigt. Fehlt es nun auch schon im NLP an geeignetem Fachpersonal? Das kann doch nicht sein! Krankheitsstand? Überlastung? Kapazitätsengpässe bei so einer wichtigen Veröffentlichung?
Wann ist mit dem Erscheinen zu rechnen?
Mit freundlichen Grüßen
gez. Franz-Josef Adrian

Frau … von der Nationalparkverwaltung hat umgehend geantwortet: Weiterlesen

Kahle Hardt – 13 Jahre später

Der allererste Artikel, den ich geschrieben habe, war der über die Kahle Hardt. Das war am 24. Oktober 2012. Die Kahle Hardt war damals noch ein einfaches Naturschutzgebiet in der Nähe von Orten, von denen ich noch nie gehört hatte. Der Grund, dass ich ausgerechnet zur Kahlen Hardt irgendwo im nirgendwo gefahren bin, hatte einen Namen: Norbert Panek. Der hatte einen Wanderführer über den Urwaldsteig geschrieben. Die Kahle Hardt sei „absolut unbeeinflusst – ein echter Urwald“. Das war es! Das wollte ich sehen! Darüber wollte ich schreiben! Mein zweiter Artikel folgte vier Monate später: über den Hagenstein, ebenfalls ein Urwald im Kellerwald, ebenfalls von Panek beschrieben im Wanderführer Urwaldsteig.

Meine Liebe zum Urwaldsteig dauerte ein Jahr. Dann ist etwas passiert und ich bin nicht mehr dort hingefahren. Erst 13 Jahre später war ich wieder in der Kahlen Hardt. Lesen Sie hier meinen neuen Artikel. Kahle Hardt – Die hässlichen Eichen vom Edersee. Einige werden sagen: „Da rechnet einer ab!“

Geschichtsklitterung im Nationalpark Harz

Meiner Meinung nach betreibt die Verwaltung des Nationalparks Harz Geschichtsklitterung. Mir wurde das deutlich, als ich die Informationsschilder am Eckerlochstieg gelesen habe. Als Leser gewinnt man fast den Eindruck, als habe die Leitung des Parks den Borkenkäfer freudig begrüßt und ihm hochzufrieden beim Waldumbau zugeschaut. Borkenkäferbekämpfung? Entfernung von Totholz? Sanitärhiebe? Aber doch nicht im Nationalpark! Oder doch?

Lesen Sie hier meinen neuen Artikel: Nationalpark Harz – Die dunkle Vergangenheit.

Der Brockenurwald im Nationalpark Harz – April 2025

Von einem gewissen Jens wurden mir Filmaufnahmen vom Schneelochweg zugespielt. Einige Aufnahmen zeigen den sog. Brockenurwald im oberen Teil des Wegs, der verboten und gesperrt ist. Wie natürlich dieser Urwald tatsächlich ist, kann niemand sagen – vermutlich nicht einmal Insider in der Nationalparkverwaltung. Denn was die Hirsche vom Urwald übrig lassen, weiß niemand. Auffällig ist, dass hier oben keine Vogelbeeren, keine Birken, kein Bergahorn, keine Weiden und auch sonst keine Pionierbäume wachsen. Vielleicht ist das natürlich, vielleicht nicht.

Wie auch immer: Meiner Meinung nach kommt man nirgendwo im Park so nahe an den Urwald heran wie auf diesem Schneelochweg. Zumindest suggerieren das die Filmaufnahmen. Aber natürlich muss man lebensmüde und todesmutig wie dieser Jens sein, um sich in unmittelbare Nähe der toten Fichten zu wagen. Denn diese können jederzeit und ohne Vorwarnung umfallen.1siehe auch Soll man abgestorbene Fichten stehen lassen? Auf dem nicht einmal 100 m langen sog. Urwaldstieg des Nationalparks kann das selbstverständlich nicht passieren; dieser ist absolut verkehrssicher. So sagt man.

Kahlschlag im FFH-Gebiet – Tagebuch 7. und 8.11.2023

Dienstag, den 7.11.2023

Das Wetter ist furchtbar. Der Himmel grau. Immer wieder regnet es. Kein Wetter, um zu fotografieren. Ich bleibe zu Hause.

Mittwoch, den 8.11.2023

Wieder kein Fotowetter. Mir fällt ein, ich könnte doch einmal googlen, ob im Internet irgendetwas über den Kahlschlag steht. Ich suche lange, probiere immer neue Wortkombinationen bei der Suche. Endlich finde ich etwas: Baumfällarbeiten: B 482 in Porta am Wochenende voll gesperrt.1Der Originalartikel stammt vom 3.11.2023, siehe Wayback Machine Ich überfliege den kurzen Artikel: „mehrere Bäume … durch Pilzbefall abgestorben“. Offenbar geht es also um Verkehrssicherung. Ich versuche, ruhig und distanziert zu bleiben: Rege dich nicht auf! Wenn die Bäume abgestorben sind und wenn sie auf die B482 zu fallen drohten, dann musste man sie fällen. Die Ungereimtheiten im Artikel fallen mir am Mittwoch noch gar nicht auf.

Kritik des Jagdprogramms des Forstbetriebs Oberharz

In meinem letzten Artikel habe ich das Interview zusammengefasst, das ich mit dem Leiter des Forstbetriebs Oberharz, Forstdirektor Eberhard Reckleben, geführt habe. Einen Schwerpunkt bildete die Jagd im Forstbetrieb. Ich habe die Aussagen von FD Reckleben nur zusammengefasst und mich danach vergewissert, dass er mit der Zusammenfassung einverstanden ist.

Vielleicht haben sich einige Leser gewundert, wo denn meine Analyse oder mein Kommentar bleibt. Nun – das kommt jetzt. Wobei …. ich bin kein Fachmann für Jagd und deswegen habe ich Bekannte aus dem Ökologischen Jagdverband um ihre Stellungnahmen gebeten. Und so ist der folgende Artikel entstanden: Kritik am Jagdkonzept des Forstbetriebs Oberharz.

Der ganze Harz ist besessen vom Rothirsch

Von Ilsenburg hatte ich die Nase voll. Nicht nur wegen der Kahlschläge. Gerne hätte ich mir ja auch einmal die Kultur dort angeschaut: immerhin liegt Ilsenburg ja an der Straße der Romanik und es gibt dort ein Benediktinerkloster zu besichtigen. Aber das scheint zur Zeit eine einzige Baustelle zu sein. „Entkernung“ eines Klosters? „Tiefbauarbeiten“? Der Wald kaputt, das Kloster eine Baustelle. „Läuft alles nach Plan“, aber ohne mich!

Also dachte ich mir, es könnte eine gute Idee sein, einmal abseits des Nationalparks zu suchen und einen wirklich schönen Ort im Harz für den Urlaub zu finden. Weiterlesen

Deutsche Bahn und deutscher Wald

Es gibt da Ähnlichkeiten: Ähnlichkeiten zwischen der Deutschen Bahn und dem deutschen Wald. Mir sind drei aufgefallen:

1. Schlechte Erfahrungen

Eine erste Ähnlichkeit: Sowohl mit der Bahn als auch mit dem Wald kann man schlechte Erfahrungen machen. Sehr schlechte. Beides kann geradezu zum Alptraum werden.
AnzeigetafelDuesseldorfHBF06112006
Nichtsahnend hat man den Bahnhof betreten. Und das Chaos beginnt. Weiterlesen

Lockdown der Nationalparks

Ich veröffentliche eine kurze E-Mail, die ich vergangenes Wochenende an einen Mitarbeiter des Nationalparks Kalkalpen geschrieben habe:

Lieber Herr …!

Sie schreiben, ein Highlight Ihres Nationalparks sei die älteste bekannte Buche in Europa. Diese werde ich leider dieses Jahr nicht sehen. Gestern studierte ich die Regelungen für den Lockdown in Österreich und war … entsetzt. Meine Frau und ich hätten im August Zeit und Geld gehabt – aber es ist verboten.

Ausgerechnet Österreich, das Tourismusland! In Deutschland war ein, wenn nicht das Hauptargument für die Einrichtung von Nationalparks immer die Förderung des Tourismus. Immer! Ein Nationalpark ist wichtig für … den Tourismus! Millionen von Besuchern! Und ich schätze, bei Ihnen war es ähnlich … Naturschutz, ja sicher! Auch! Aber viel wichtiger: Arbeitsplätze! Umweltpädagogen! Ökologen! Ranger! Gastronomie! Hoteliers! Hilfe für strukturschwache Regionen! Die Bauindustrie! Die riesigen neuen Besucherzentren! Neue Straßen! Neue Bahnhöfe! Neue Buslinien! Weiterlesen

Online-Abstimmung über den nächsten Artikel

Im Zentrum meines letzten Artikels standen zwei Online-Umfragen. An der ersten Umfrage beteiligten sich immerhin noch neun, an der zweiten nur noch zwei Leser. Offenbar hat der Artikel nur ganz wenige interessiert. Deshalb möchte ich die Abonnenten meiner Webseite über den nächsten Artikel abstimmen lassen. Drei Alternativen stehen zur Abstimmung. Weiterlesen

Online-Umfrage: Wie finden Sie diesen Wald?

Ursprünglich hatte ich folgendes vor: Ich wollte Ihnen Fotos eines Waldes zeigen und dann sagen, wie ich persönlich diesen Wald finde. Das wollte ich dann vergleichen mit der offiziellen Meinung, die professionelle Naturschutzexperten über diesen Wald haben. Ich, ich, ich. Und die Profis.

Und dann fiel mir auf, dass das für Sie als Leser vielleicht gar nicht so spannend ist: der Adrian hat diese Meinung, die Experten jene. Adrian hat diese Gründe, die Experten jene. Sie sind sich einig. Sie sind sich nicht einig. Ja und?

Das ist  für Sie als Leser vielleicht sogar ziemlich langweilig! Spannender ist es vielleicht, wenn zunächst Sie sich Ihre persönliche Meinung zu dem Wald bilden und diese dann hier mitteilen. Mögen Sie diesen Wald? Oder lässt er Sie kalt? Ist Ihnen so ein Wald vielleicht egal? Und vielleicht ist es auch viel spannender, wenn Sie miteinander ins Gespräch kommen und sich über Ihre Meinungen austauschen. Und erst ganz am Ende kommen die Experten, die Naturschutzprofis, ins Spiel mit ihrer Meinung. Und Sie können sich dann bestätigt oder widerlegt fühlen – je nachdem – und daraus Ihre Schlüsse ziehen. Und ganz am Ende sage ich auch noch etwas. Und das können Sie dann auch wieder kommentieren.

Damit die Sache nicht sofort in eine ganz bestimmte Richtung verläuft, verrate ich Ihnen am Anfang ganz bewusst nicht, wo der Wald liegt. Denn stellen Sie sich vor, ich würde Ihnen z. B. sofort sagen, der Wald sei UNESCO-Weltnaturerbe. Dann würden die meisten sofort eine bestimmte – vermutlich sehr positive – Meinung haben und es würde wahrscheinlich gar keine Diskussion aufkommen. Aber keine Sorge: Der Wald ist kein Weltnaturerbe!

Also: Wie finden Sie diesen Wald? Vielleicht verteilen Sie Noten? Vielleicht nennen Sie Ihre Gründe? Und wie beurteilen Sie seinen Wert für den Naturschutz? Note? Was glauben Sie, was das für ein Wald ist? Privatwald? Landeswald? Naturschutzgebiet? Wirtschaftswald? Was würden Förster wohl sagen? Was wohl die Naturschutzexperten? Was sagen Sie?

Auf der nächsten Seite geht es zu den Fotos – insgesamt 20 – und danach können Sie Ihren Kommentar schreiben. Weiterlesen

Die Flops des Jahres 2018

Flop Nr. 5 – E-Mail an Dr. Hennenberg

Dr. Klaus Hennenberg arbeitet am Freiburger Öko-Institut und war zusammen mit Dr. Böttcher und Christian Winger Verfasser der Studie Waldvision Deutschland. Am 4.6.2018 habe ich Hennenberg eine offene E-Mail geschrieben, die dieser nie beantwortet hat. Ich war daran gescheitert, die Studie Waldvision zu verstehen, und hatte zuvor Dr. Böttcher einen Brief geschrieben. Dessen Antwort hatte ich auch nicht verstanden und mich deshalb an seinen Kollegen Hennenberg gewandt, wie Böttcher es vorgeschlagen hatte. Eine Antwort habe ich nie erhalten.

Flop Nr. 4 – Brief an Petra Wegener

Petra Wegener ist Geschäftsführerin des Weserbergland-Tourismus. Am 5.6.2018 hatte ich ihr einen offenen Brief geschrieben, in dem es um die monatelange Sperrung von 7 Etappen des Weserbergland-Wegs wegen Sturmschäden ging. Eine Antwort habe ich nie erhalten. Weiterlesen

Der Pilzkäfer Triplax rufipes im Steigerwald

Mitte Oktober zeigte mir Dr. Simon Thorn in der Nähe der Ökologischen Station Fabrikschleichach im Steigerwald den Pilzkäfer Triplax rufipes. Er lebt in Seitlingen wie z. B. dem Austern-Seitling (Pleurotus ostreatus) und gehört zur Familie der Schwamm-, Pilz- und Faulholzkäfer (Erotylidae).

Er steht auf der Roten Liste für Deutschland (RLD)1Binot, M., Bless, R., Boye, P., Gruttke, H., & Pretscher, P. (1998): Rote Liste gefährdeter Tiere Deutschlands, Bonn-Bad Godesberg (Bundesamt für Naturschutz) 1998 und ist vom Aussterben bedroht (Gefährdungskategorie 1). Weil er so selten ist, wird er in den beiden deutschen Standardwerken für Käfer, dem Fauna Käferführer I – Käfer im und am Wald und dem Kosmos Käferführer, leider nicht erwähnt. Auch einen deutschen Namen hat der kleine Krabbler nicht: ich nenne ihn den Rotbeinigen (= rufipes) Pilzkäfer. Die mit ihm eng verwandten Urwaldreliktarten 2siehe J. Müller, H. Bussler u. a., Urwaldrelikt-Arten – Xylobionte Käfer als Indikatoren für Strukturqualität und Habitattradition, waldökologie online 2 (2005), S. 106 -113 heißen T. collaris (RLD 1), T. elongata (RLD 0 = ausgestorben, verschollen), T. melanocephala (RLD 1).

Der ebenfalls im Pilz gefundene Tetratoma fungorum stammt aus der Familie mit dem unheimlichen Namen der Keulendüsterkäfer (Tetratomidae). Im Gegensatz zu seinen beiden Verwandten T. ancora (RLD 3 = gefährdet) und T. desmaresti (RLD 1) steht er nicht auf der Roten Liste Deutschland.

Białowieża – Doppelmoral der EU

Wenn die Tagesschau zur besten Sendezeit über Proteste gegen die Bekämpfung des Borkenkäfers berichtet, ((siehe z. B. #reportage – Polens Urwald in Gefahr)) dann kann etwas nicht stimmen: Die Tagesschau berichtet sonst nie über Proteste gegen die Borkenkäferbekämpfung. Aber das „Flaggschiff der ARD“ (siehe Die Macht um Acht) berichtete auch nicht über Deutschland, sondern über Polen: über den Urwald von Białowieża. Das Vorgehen der EU-Kommission und des Europäischen Gerichtshofs gegen Polen war immer wieder „eine der wichtigsten Nachrichten des Tages“ in der Tagesschau.


wPolityce.pl (= In der Politik) vom 16. August 2018

Worüber sie und auch die anderen deutschen Medien nie berichtet haben, war die große Empörung in Polen, als durch einen Zeitungsartikel in der WELT bekannt wurde, wie das Bundesland Bayern den Borkenkäfer bekämpft. Der EU wurden „doppelte Standards“ und „Doppelmoral“ vorgeworfen.

In meinem neuen Artikel habe ich vier Artikel aus den polnischen Medien übersetzt. Ich halte die Vorwürfe für berechtigt: Die Borkenkäferbekämpfung in deutschen Natura 2000-Gebieten unterscheidet sich nicht von der in polnischen Natura 2000-Gebieten. Lesen Sie hier meinen neuen Artikel: Białowieża – Doppelmoral der EU.