Angst um den Tourismus im Nationalpark Harz

Der Präsident des Harzklubs – „Der Harz geht nicht ohne uns!“ – und der Leiter des Nationalparks Harz sind ziemlich beste Freunde. 2018 traten beide Seite an Seite auf einer gemeinsamen Informationsveranstaltung auf. Ein Foto zeigt Dr. Oliver Junk und Andreas Pusch, wie sie fröhlich in die Pressekameras strahlen.

Der Ehrenvorsitzende des Harzklubs ist Dr. Albrecht von Kortzfleisch und er ist kein Freund von Herrn Pusch.

Ein halbes Jahr vor der Informationsveranstaltung sorgte ein Zeitungsartikel im Harz-Kurier für Aufsehen, in dem der Ehrenvorsitzende den NLP heftig kritisiert und wegen des Fichtensterbens Schäden für den Tourismus befürchtet. Politiker und Tourismusfachleute waren verunsichert. Eine vom Ehrenvorsitzenden geforderte Meinungsumfrage wurde prompt durchgeführt. Die NLP-Verwaltung reagierte mit einer PR-Kampagne. Eine zweite PR-Kampagne startete der Harzer Tourismusverband. Noch boomt der Tourismus im Harz. Aber kommen die Urlauber auch wieder? Lesen Sie hier meinen Artikel: Der Zorn des alten Mannes.

Offener Brief an den Nationalpark Harz

Kahlschlag im Borkenkäfer-Sicherungstreifen am Naturmythenpfad

Angeblich baut die Natur im Nationalpark (NLP) Harz eine neue Wildnis. Das behauptet zumindest die PR-Kampagne „Baustelle Natur!“. Der Holzeinschlag des NLP wird nur noch am Rande erwähnt. Die Tätigkeitsberichte verzichten seit 2015 ganz auf Zahlen. Deshalb habe ich am 17.8. einen Brief an den NLP geschrieben: Weiterlesen

Wieder Fichten und keine neue Wildnis – der NLP Harz scheitert

Vor 5 Jahren schrieb mir der Pressesprecher des Nationalparks Harz, Dr. F. Knolle, zu einem Großkahlschlag in der Nähe des Oderteichs:

„Die Fläche wurde im Anschluss an den Windwurf [Kyrill 2007] geräumt und mit Buchen bepflanzt, um der dort in der Vergangenheit vom Menschen zurückgedrängten Baumart die Chance zur Wiederbesiedlung der umliegenden Wälder zu geben. […] Die Buchen haben sich befriedigend entwickelt.“

5 Jahre später ist genau das eingetreten, was ich schon damals befürchtet habe: Wiederverfichtung, Vergrasung und Wildverbiss. Und was die umliegenden Wälder angeht: sie sind mittlerweile alle vom Borkenkäfer gefressen worden. Die Räumung hätte man sich sparen können. Der NLP hat gegen den Käfer keine Chance. Und gegen die Hirsche auch nicht.

Ich starte heute eine Serie von Artikeln zur aktuellen Entwicklung im NLP Harz. Lesen Sie hier den ersten Artikel: Der Großkahlschlag am Oderteich im Jahr 2020.

Kennen Sie Quedius plagiatus?

Nein? Quedius plagiatus ist ein prominentes Opfer von Sanitärhieben, also Kahlschlägen zur Borkenkäferbekämpfung. Er kommt nur auf nicht geräumten Flächen vor, auf geräumten Flächen dagegen überhaupt nicht. Und er steht auf der Roten Liste, Gefährdungskategorie 3, also gefährdet. Und das wussten Sie nicht?

Quedius plagiatus (Quelle: Lech Borowiec)1

Trösten Sie sich! In Deutschland ist dieser Sachverhalt nur einer sehr kleinen Gruppe wissenschaftlicher Experten bekannt. Laien wie ich haben nicht nur große Mühe, überhaupt an die Namen der durch Sanitärhiebe geschädigten Arten zu kommen. Hinzu kommt, dass Laien mit den Namen nichts anfangen können, selbst wenn sie sie nach langem Suchen gefunden haben. Denn es gibt keine Bücher über sie. Oder haben Sie je einen Artikel in der SÜDDEUTSCHEN ZEITUNG oder im SPIEGEL über Quedius plagiatus gelesen oder eine Dokumentation in LESCHS KOSMOS über ihn gesehen?

In meinem neuen Artikel schreibe ich über meine mühevolle Suche nach den Opfern von Sanitärhieben und warum mir ein Kinderbuch Hoffnung macht: Die unbekannten Kollateralschäden der Borkenkäferbekämpfung.

  1. Lech Borowiec ist Professor an der Abteilung für Biodiversität und Evolutionäre Taxonomie der Universität Warschau, Das Foto ist von ihm und stammt von der polnischen Datenbank Iconographia Coleopterorum Poloniae. []

45-minütiger Film zur Borkenkäferbekämpfung im Nationalpark Harz

Wenn im Kampf gegen den Borkenkäfer wieder einmal mehrere Hektar Fichtenwälder im Nationalpark1 Harz kahlgeschlagen werden, dann löst das kein großes „Schlagzeilengetöse“2 aus. Fernsehen und Tageszeitungen schweigen. Nachrichten über Kahlschläge im NLP Harz steigern nicht die Quote oder die Auflage. Auch die sozialen Netzwerke schweigen: Auf Facebook, Instagram und Twitter bringen Kahlschläge im NLP Harz keine „Klicks, Likes und Shares.3

„Was wir […] über die Welt, in der wir leben, wissen, wissen wir durch die Massenmedien.“4

Wenn der Satz von Luhmann stimmt, wissen wir über die Kahlschläge im NLP Harz nichts.

Fast nichts. Denn manchmal gibt es Ausnahmen. Im Sommerloch erschien in meiner Tageszeitung, dem Mindener Tageblatt, ein großer ganzseitiger Artikel von Sabrina Gorges über die „aufwendige[n] Schlachten gegen den Käfer“ im NLP: Erst die Stürme, jetzt der Käfer. 5 Der Artikel erschien am 22. August – genau einen Tag, nachdem ich im NLP ein ehemaliges Schlachtfeld besucht hatte. Zufälle gibt es.

Der Artikel war der Auslöser für einen langen Film: Im ersten Teil diskutiere ich die 5 Widersprüche, in die sich die NLP-Verwaltung bei der Borkenkäferbekämpfung verwickelt. Im zweiten Teil zeige ich eigene Filmaufnahmen vom Meineckenberg, wo vor 10 Jahren eine große Fläche kahlgeschlagen wurde. Am Schluss stelle ich neue wissenschaftliche Studien vor, die die Bekämpfung des Borkenkäfers in Nationalparks ablehnen.

Eine übersichtliche Gliederung der einzelnen Filmkapitel, die Links zu allen im Film besprochenen Quellen, weitere Hintergrundinformationen und einen Leserbrief von mir finden Sie hier: Kritik der Borkenkäferbekämpfung im Nationalpark Harz.

  1. im Folgenden abgekürzt mit NLP []
  2. Michael Meyen, Breaking News: Die Welt im Ausnahmezustand – Wie uns die Medien regieren, Frankfurt a. M. 2018, S. 8 []
  3. a. a. O., S. 14 []
  4. Niklas Luhmann, Die Realität der Massenmedien, Opladen 21986, S. 8; zit. n. Michael Meyen []
  5. Der Artikel war von der Deutschen Presse Agentur und erschien wortgleich in mehreren Tageszeitungen. Beim Weser-Kurier kann der Artikel kostenlos gelesen werden. []

Meineckenberg – 10 Jahre nach dem Kahlschlag

Vor 4 Jahren hatte ich zum ersten Mal ausführlich über die Borkenkäferbekämpfung am Meineckenberg im Nationalpark Harz berichtet:

Jetzt habe ich den Meineckenberg erneut besucht und ich war erschüttert. Aus dem Kahlschlag ist eine Grassteppe geworden, auf der vereinzelt Birken wachsen. Alle gepflanzten Buchen sind von Hirschen verbissen und verkrüppelt. Ich habe ein 12-minütiges Video produziert, in dem ich auch selbst auftrete. Ich kommentiere das dort aufgestellte Informationsschild und zeige den Wildverbiss:

Ich habe vor Wut laut geschrien

Nationalpark Harz. Da stand ich nun auf dem riesigen Kahlschlag und war fassungslos. Ich schreibe das nicht nur so dahin, sondern ich habe wirklich die Fassung verloren. Ich stand da inmitten der ganzen Zerstörung und habe Sätze gestammelt wie „Das gibt es doch gar nicht!“, „Das kann doch nicht wahr sein!“ oder einfach nur „Jesusfuckingchrist!“ Und in all dieser Verwüstung habe ich vor Wut laut geschrien.

Lesen Sie hier meinen neuen Artikel: Großkahlschlag in der Nähe der Plessenburg.

Umweltminister Aeikens zu den Kahlschlägen im NLP Harz

Großkahlschlag im NLP Harz

Meine Briefe an Umweltminister Wenzel in Niedersachsen und Umweltminister Aeikens in Sachsen-Anhalt wegen der Kahlschläge im NLP Harz waren ebenso wie meine Briefe an die Vorsitzenden und Mitglieder der Umweltausschüsse völlig sinnlos. Das beweist noch einmal die zweite Antwort von Aeikens, die er vom Leiter der Abteilung „Forsten und Naturschutz“, Ministerialdirigent Jörg Martell, hat schreiben lassen: Im Ministerium gibt es die Kahlschläge schlicht nicht und Zahlen dazu hat man schon gleich gar nicht.

Lesen Sie hier den zweiten Brief von Aeikens, gefolgt von einem kurzen Kommentar und einem Schlusswort von Yanis Varoufakis: Antwort von Aeikens auf Rückfragen vom 9.6.2015