Nicht nur Bibelriether löscht in seinem Buch Geschichte. Nicht nur er betreibt Geschichtsklitterung. Nicht nur er lässt unbequeme Episoden der Nationalparkgeschichte einfach weg. Auch der Sammelband „Urwald der Bayern“ macht dies. Zum 50-jährigen Jubiläum des Parks machen die 21 Autoren ihm ein hübsches Geschenk: In ihrer auf Hochglanz polierten Geschichte des Parks fehlt der Orkan Kyrill mitsamt der anschließenden Borkenkäferbekämpfung.
Im letzten Kapitel habe ich beschrieben, wie die Verwaltung des Nationalparks Bayerischer Wald unbequeme Teile der Geschichte des Nationalparks mithilfe von Informationsschildern löscht. Im neuen Kapitel beschreibe ich, wie man Geschichte mit Büchern löscht.
Das erste Buch stammt von einem Autor, der viele Jahre lang einer meiner Helden war. Der Autor ist Hans Bibelriether. Sein Buch „Natur Natur sein lassen“löscht Geschichte. Er verschweigt die dunklen Seiten des Nationalparks. Er lässt die Fehler seiner Nachfolger einfach weg. Die Borkenkäferbekämpfung nach Kyrill mit den riesigen Kahlschlägen kommt im Buch nicht vor.
Nun beschreibe ich das Gegenteil, eine Dystopie. In dieser düsteren Welt wird die Vergangenheit kontrolliert wie im Roman 1984 von George Orwell: Unbequeme geschichtliche Ereignisse werden gelöscht.
Der amerikanische Standup-Comedian Tim Dillon hielt in seiner Show vom 22.8.26 eine knapp zweiminütige Rede, in der er die Schließung der Strände in den USA forderte. Ich habe diesen Teil übersetzt und auf das Kerngebiet des Nationalparks Bayerischer Wald übertragen:
„Hier ist mein Standpunkt zu der ganzen Sache – und ich habe es schon einmal gesagt: Ich bin dafür, das Kerngebiet des Nationalparks Bayerischer Wald zu schließen. Dauerhaft. So ähnlich wie bei Covid das Hans-Eisenmann-Haus, das Haus zur Wildnis, das Waldgeschichtliche Museum, das Jugendwaldheim, das Wildniscamp, die Tier-Freigelände und das Waldspielgelände.
Ich bin für die Schließung des Kerngebiets. Ich bin dafür, das Kerngebiet zu schließen, weil es dort viele Auerhühner und Haselhühner gibt, wegen der Störungen, der Kükenaufzucht und all solchen Dingen.
Leute, wisst ihr was? Ich glaube, es ist an der Zeit, dass wir das ganze Kerngebiet im Nationalpark schließen. Das ist eine Ansicht, die ich mittlerweile vertrete – früher habe ich das nicht so gesehen. Ich war diesen Sommer einmal im Kerngebiet. Es war in Ordnung.
Aber wissen Sie, ich glaube, jetzt ist der Zeitpunkt für eine Schließung gekommen. Wir sollten ein Moratorium einführen. Lassen Sie uns ein fünfjähriges Moratorium beschließen: Man darf nicht mehr ins Kerngebiet gehen. Schluss damit, Kerngebiet zu! In fünf Jahren sehen wir uns die Sache noch einmal an.“