Dystopie – Die Kontrolle der Vergangenheit im Nationalpark Bayerischer Wald

In 1984 lautet die Maxime der herrschenden Partei:

„Wer die Vergangenheit kontrolliert, kontrolliert die Zukunft. Wer die Gegenwart kontrolliert, kontrolliert die Vergangenheit.“

Die beste Ehefrau von allen hat mich gewarnt, diese Behauptung zu veröffentlichen – „Die werden Dich für verrückt halten!“ – aber ich behaupte es hier trotzdem: Die Nationalparkverwaltung versucht, die Vergangenheit zu kontrollieren. Sie manipuliert. Sie löscht aus.

Es waren viele Kleinigkeiten, die mich zum Nachdenken gebracht haben. Da waren diese komischen Informationsschilder. Da waren diese Besucher des Falkenstein-Schutzhauses, die auf mich so wirkten, als habe man deren Erinnerungen ausgelöscht. Das Fass zum Überlaufen brachte dann mein Besuch am Hirschgespreng. Ich war zunächst völlig fassungslos: Die Straße war weg!

Zu allem Unglück stand auch noch ein Dienstwagen der Nationalparkverwaltung direkt vor der verschwundenen Straße und ich rechnete jeden Moment damit, dass gleich ein freundlicher Mitarbeiter aus dem Auto steigen und mich höflich, aber bestimmt bitten würde, doch auf dem ausgeschilderten Wanderweg zur Hirschbachschwelle weiterzugehen:

„Gehen Sie weiter! Es gibt hier nichts zu sehen. Bleiben Sie ruhig! Schreien Sie mich nicht an! Was haben Sie denn? Nein, hier war keine Forststraße! Wo wollten Sie denn überhaupt da hin? Da ist doch nichts!“

Aber das Auto war leer. Niemand stieg aus. Niemand hat mich gehindert. Aus meiner Bestürzung ist ein sehr langer Artikel geworden mit sehr vielen Fotos. Es wird um Besucherlenkung im Nationalpark, um Rückbau von Forststraßen und um die Geschichte des Nationalparks gehen, die die Nationalparkverwaltung meiner Meinung nach kontrollieren will. Der Artikel wird schrittweise veröffentlicht und er wird nicht hinter einer Bezahlschranke sein. Wenn die Nationalparkverwaltung das Hirschgespreng verstecken will, dann kann ich ihr dabei nicht auch noch behilflich sein.

Lesen Sie hier den ersten Teil meines Artikels: Besucherlenkung am Hirschgespreng – Wie man eine baumlose Grassteppe versteckt

Nationalpark Bayerischer Wald

Nationalpark Bayerischer Wald

Hirschgespreng im August 2026 – 16 Jahre nach Räumung des Buchdruckerbefalls

Karl-Friedrich Sinner wurde lange vor dem Kahlhieb des Hirschgesprengs im Jahr 2010 kritisiert. Schon im Oktober 1998 verlieh ihm die Zeitschrift „natur“ den „Hammer des Monats“.Im Zentrum der Kritik stand damals die kernige Borkenkäferbekämpfung in der Managementzone zum Schutz der angrenzenden Privatwälder. Sinner reagierte auf seine Kritiker einen Monat später in einem Vortrag auf einer Fachtagung:

„Die Infragestellung des Nationalparks Bayerischer Wald aufgrund der notwendigen und durch die internationalen Richtlinien abgedeckte Borkenkäferbekämpfung zum Schutz des Privatwaldes und damit zum sichersten Schutz des „Natur Natur sein lassen“ in der Naturzone des Nationalparks stellt für mich einen nur schwer nachzuvollziehenden Vorgang dar.
In einer Zeit, in der die Nationalparkidee bundesweit auf dem Prüfstand steht, werden rd. 120 ha (rd. 0,8% des Altnationalparks) Borkenkäferkahlfläche zum Maßstab seiner internationalen Anerkennung gemacht und als ein zu hoher Preis für 10.000 ha unberührte Natur gesehen.“1Hervorhebungen von mir

Man ersetze „zum Schutz des Privatwaldes“ durch „zum Schutz des Hochlagenwaldes“ und hat die Begründung für die „Borkenkäferkahlfläche“ am Hirschgespreng, die ebenfalls „rd. 120 ha“ groß ist.

Nationalpark Bayerischer Wald

Nationalpark Bayerischer Wald

Hirschgespreng im August 2026 – 16 Jahre nach Räumung des Buchdruckerbefalls

Christoph Süß in der Sendung „quer“ am 19.11.2009

„Was denken Sie, wenn Sie diese Landschaft sehen?
Kein Borkenkäfer?
Richtig! Früher war da mal Wald, aber jetzt ist es schädlingsfrei!
Sie meinen, nach dieser Logik kann man doch den Wald nicht retten? Dennoch wird genau das gerade in Bayern versucht.“

Nationalpark Bayerischer Wald

Hirschgespreng im August 2026 – 16 Jahre nach Räumung des Buchdruckerbefalls

Karl-Friedrich Sinner, Leiter des Nationalparks (1998 – 2011):

„Wir haben eine zwingende Rechtsvorschrift, hier im Falkensteingebiet den Borkenkäfer bis 2027 zu bekämpfen.“1siehe Riesenkahlschlag am Hirschgespreng – Schluss