Stellungnahme des Umweltministeriums NRW zum Kahlschlag im FFH-Gebiet

“Das alles klingt bitter und ist bitter.”
Wolf Jobst Siedler1Tagesspiegel im Oktober 1961, zit. n. Wir waren noch einmal davongekommen – Erinnerungen, München 2004, S. 247

Anfang Februar d. J. hatte ich das Umweltministerium NRW um eine Stellungnahme zum Kahlschlag im FFH-Gebiet “Wälder bei Porta Westfalica” gebeten: Brief an MR Dr. Kiel, Leiter des Referats III-3 im Ministerium für Umwelt, Naturschutz und Verkehr des Landes NRW. Die Antwort habe ich Ende April erhalten. Ich habe lange gewartet mit der Veröffentlichung. Denn das Schreiben hat mir die Sprache verschlagen. Es lässt mich buchstäblich sprachlos zurück.

Umweltministerium_Verkehrssicherung_FFH-Gebiet

 

 

“Kern-Gefährdungsfläche” im FFH-Gebiet Porta Westfalica

Aktuelle Fotos von der sogenannten “Kern-Gefährdungsfläche” 5 Monate nach der “vollständig abgeschlossenen Maßnahme” im November 2023:

Offenbar sind nur stehende Bäume eine “Gefahr” für die Bundesstraße am Fuß des “extremen Steilhangs”. Sind die Bäume dagegen gefällt, ist der Verkehr “sicher” und die Lage nicht mehr “dringlich”. Nur ein liegender Baum ist ein sicherer Baum. Weiterlesen

Der sogenannte “Dominoeffekt”

Dass man 30 m links und rechts einer Bundesstraße bruchgefährdete Bäume fällen muss, bestreitet niemand. Aber darum geht es auch gar nicht. Es geht darum, dass Bürgermeisterin Grotejohann auch jenseits dieser “Kern-Gefährdungsfläche” alle Bäume hat fällen lassen – in einer Entfernung von bis zu 100 m von der Straße entfernt. Bürgermeisterin Grotejohann begründet diesen Kahlhieb so:1siehe Antwort von Bürgermeisterin Anke Grotjohann

“Deshalb wurden im Hinblick auf die am Fuß des Jakobsbergs verlaufenden Bundesstraße auch oberhalb der Kern-Gefährdungsfläche Fällungen durchgeführt. Um einem sogenannten Dominoeffekt vorzubeugen, hat man hier den Sicherheitsbereich erweitert.”

Die 12 Fotos dieses Beitrags zeigen jeweils Baumstämme “oberhalb der Kern-Gefährdungsfläche”. Sie liegen dort seit November 2023. Trotz Stürmen. Trotz Dauerregen. Sie sind nicht auf die Straße gerollt. Weiterlesen

Keine Nachricht von Roland Schockemöhle (Regionalforstamt Hochstift)

Roland Schockemöhle muss meinen Brief bekommen haben. Laut Sendungsverfolgung der Deutschen Post wurde mein Einschreiben am 7.2.2024 zugestellt. Aber der Leiter des Regionalforstamts Hochstift hat auch nach 2 Monaten nicht geantwortet. Ganz überraschend ist das freilich nicht. Ich hatte bereits Anfang November letzten Jahres, als der Kahlschlag im FFH-Gebiet begann, versucht, mit ihm Kontakt aufzunehmen. Ich ging damals noch davon aus, dass sein Regionalforstamt zuständig wäre. Mehrmals rief ich an und landete immer bei seiner Sekretärin. Die mich immer abwimmelte: “nicht im Haus”, “in einer Besprechung”, “ruft zurück”. Mit Herrn Büscher vom Forstbetriebsbezirk Porta Westfalica genau dieselbe Erfahrung. Telefonisch nicht erreichbar. E-Mails werden nicht beantwortet.

Die Behauptung, die Bürgermeisterin Frau Anke Grotjohann über Schockemöhle und sein Forstamt macht, steht im Raum: Es hat zugestimmt. Oder was soll “Handlungsbedarf bestätigt” anderes bedeuten? Weiterlesen

Der verstummte Stadtwald von Ilsenburg

Peter Hille

Waldstimme

Wie deine grüngoldenen Augen funkeln,
Wald, du moosiger Träumer,
Wie so versonnen deine Gedanken dunkeln,
Saftstrotzender Tagesversäumer,
Einsiedel, schwer von Leben!

Über der Wipfel Hin- und Wiederschweben:
Wie′s Atem holt
und näher kommt
und braust,

Und weiter zieht
und stille wird
und saust!

Über der Wipfel Hin- und Wiederschweben,
Hochoben steht ein ernster Ton,

Dem lauschten tausend Jahre schon
Und werden tausend Jahre lauschen.
Und immer dieses starke, donnerdunkle Rauschen.

An der Moosklippe im Stadtwald von Ilsenburg ist der Wald verstummt: kein Funkeln, kein Träumen, kein Rauschen. Als Ergänzung zum gestern veröffentlichten Artikel über den Riesenkahlschlag an der Moosklippe können sich Abonnenten 50 Fotos in 4K ansehen.

Der Riesenkahlschlag im Stadtwald Ilsenburg

Es gibt auf YouTube unzählige Videos über Wanderungen und MTB-Touren rund um Ilsenburg. Ich habe nicht ein einziges Video gefunden, das die riesigen Kahlschläge dort zum Thema macht. Nicht ein einziges. Die Kahlschläge spielen einfach überhaupt keine Rolle. Es ist völlig normal. Es ist so, wie es ist. Das macht man so. Borkenkäfer. Klimawandel. Schulterzucken. Gleichgültigkeit.

Etiam si omnes, ego non.

Lesen Sie hier meinen neuen Artikel: Der Riesenkahlschlag rund um die Moosklippe.

Ich muss 174,60 Euro an die Stadt Ilsenburg zahlen

Die Beantwortung meiner Fragen zu den Fichtenkahlschlägen und Wiederaufforstungen der Stadt Ilsenburg war nicht kostenlos.

“Gebühren und Auslagen” der Stadtverwaltung müssen bezahlt werden: § 10, § 3, §§ 4-7, § 10, § 1, §§ 12-14, IZG LSA, VwKostG LSA, IZG LSA KostVO, AllGo LSA, Abs., Satz, Anlage, i. V. m. Teil A und Teil B. Der folgende Brief erklärt es ganz genau: Weiterlesen

Neue Antwort von Ilsenburgs Bürgermeister Denis Loeffke

Denis Loeffke, Bürgermeister von Ilsenburg im Harz, hat zum dritten Mal auf meine Fragen zum Stadtwald geantwortet. Anfang März schreibt mir Frau Katrin Filipski vom Ilsenburger Bauamt folgende E-Mail:

Betreff: Anfrage nach IZG vom 29.01.2024
Datum: Fri, 1 Mar 2024 12:15:11
Von: Filipski, Katrin
An:   Adrian, Franz-Josef

Sehr geehrter Herr Adrian,
im Anhang das Schreiben zur Beantwortung Ihrer o.g. Anfrage.
Gleiches wurde heute ebenfalls per Post an Sie versandt.
Ich wünsche ein angenehmes Wochenende.

Mit freundlichen Grüßen
Im Auftrag
Katrin Filipski

Stadt Ilsenburg (Harz)
Amt für Bauen – Team Liegenschaften
Harzburger Str. 24
38871 Ilsenburg (Harz)
(039452 / 84-136  || 6039452 / 84-25136

Der Anhang ist umfangreich und besteht aus insgesamt 10 Seiten: Anfragen zum Kommunalwald – Ihre Anfrage vom 29.1.2024. Weiterlesen