Der Eckerlochstieg von Schierke zum Brocken ist der kürzeste und am häufigsten gegangene Weg zum Brocken. Er führt fast nur durch riesige abgestorbene Fichtenwälder – Fichten, die der Borkenkäfer gefressen hat. Wer das zum ersten Mal sieht – tote Fichten so weit das Auge reicht, live und in Farbe und nicht im Fernsehen -, ist vermutlich ziemlich schockiert.
Ich bin den schwierigen, im oberen Teil auch sehr anstrengenden Steig im Mai 2025 gegangen. Ein Schüler – der Weg gehört bei Schulklassen offenbar zum Standardprogramm – rief oben angelangt seinen Mitschülern zu: „Ich bin oben! Gleich habt ihr die Sch… auch geschafft.“ So weit entfernt von meiner Verärgerung, meinen Verwünschungen und Flüchen war das nicht … Sportler haben natürlich keine Probleme mit dem Steig: Es wimmelt von durchtrainierten jungen Menschen, die da fast hochjoggen. Nur die Mountainbiker fehlen – für die ist der Steig definitiv nicht geeignet.
Im Film mache ich mir Gedanken, wie man den Wald am besten nennt: Wildnis? Urwald? Baustelle Natur? Naturnaher Berg-Fichtenwald? – Das Nationalparkamt ist da sehr erfinderisch … – Am besten gefallen hat mir am Ende Borkenkäferland. Es ist das Land des Borkenkäfers. Es ist sein Land.
Geht das? Häufig entstehen durch Sanitärhiebe kahle, baumlose Flächen. Und wenn die Sanitärhiebe frisch sind, sehen die Flächen zusätzlich verwüstet und hässlich aus. Aber das muss nicht zwangsläufig so sein. Die Förster Roland Wirtz und Urban Backes von SaarForst haben mir im Revier Eppelborn nahe Saarbrücken gezeigt, dass Sanitärhiebe auch ganz anders aussehen können, nämlich dann, wenn unter den abgestorbenen Fichten schon junge Bäume wuchsen und wenn diese Verjüngung beim Fällen der Fichten mit der Motorsäge geschont wurden von Waldarbeitern mit einem Gefühl für den Wald.
Lesen Sie hier meinen dritten Artikel über meine Exkursion durch das Revier Eppelborn mit den Förstern Roland Wirtz und Urban Backes: Sanitärhiebe ohne Verwüstung und Kahlflächen.
In früheren Artikeln zum Schneelochweg hatte ich vor den großen Gefahren des Schneelochwegs gewarnt, z. B. hier: 10 Sicherheitshinweise für den Schneelochweg. Ich bin mir nicht mehr so sicher, ob die Gefahr, sich zu verirren und von Granitblöcken zu stürzen oder im Moor zu versinken, wirklich so groß ist. Denn offensichtlich ist der Weg irgendwann in den letzten Jahren freigeschnitten und mit roten Punkten markiert worden.
Sie können sich selbst ein Bild davon machen. Schauen Sie sich die Fotos an und überprüfen Sie, ob Sie den Weg erkennen: Wie gut sichtbar ist der Schneelochweg?
Von einem gewissen Jens wurden mir Filmaufnahmen vom Schneelochweg zugespielt. Einige Aufnahmen zeigen den sog. Brockenurwald im oberen Teil des Wegs, der verboten und gesperrt ist. Wie natürlich dieser Urwald tatsächlich ist, kann niemand sagen – vermutlich nicht einmal Insider in der Nationalparkverwaltung. Denn was die Hirsche vom Urwald übrig lassen, weiß niemand. Auffällig ist, dass hier oben keine Vogelbeeren, keine Birken, kein Bergahorn, keine Weiden und auch sonst keine Pionierbäume wachsen. Vielleicht ist das natürlich, vielleicht nicht.
Wie auch immer: Meiner Meinung nach kommt man nirgendwo im Park so nahe an den Urwald heran wie auf diesem Schneelochweg. Zumindest suggerieren das die Filmaufnahmen. Aber natürlich muss man lebensmüde und todesmutig wie dieser Jens sein, um sich in unmittelbare Nähe der toten Fichten zu wagen. Denn diese können jederzeit und ohne Vorwarnung umfallen.1siehe auch Soll man abgestorbene Fichten stehen lassen? Auf dem nicht einmal 100 m langen sog. Urwaldstieg des Nationalparks kann das selbstverständlich nicht passieren; dieser ist absolut verkehrssicher. So sagt man.