Waldsteppe am Rachel – Antwort der Pressestelle des Nationalparks Bayerischer Wald

Im November 2025 hatte ich einen offenen Brief an die Pressestelle des Nationalparks Bayerischer Wald geschrieben. Es ging um die verstörend langsame Wiederbewaldung am Rachel. Dazu hatte ich bislang nur einen einzigen Aufsatz gefunden: Wenn der Borkenkäfer geht, kommt der Gartenrotschwanz. 2011 hatten Dr. Jörg Müller und Rainer Simonis in diesem Aufsatz die Behauptung aufgestellt, dass die „waldsteppenartigen Totholzflächen“ am Rachel „nur eine vermeintliche Wüste“ seien.

Der Rachel aber sieht ganz anders aus als der Lusen:

„Dort klappt die Wiederbewaldung ja ganz gut und der Lusen wird gerne als Modell vorgeführt (siehe auch Erik Aschenbrand und Thomas Michler, Gestörte Heimat, Naturschutz und Landschaftsplanung 04/2019).“

Meine Frage an die Pressestelle lautete:

„Gibt es neue Aufsätze zum Thema ‚waldsteppenartige Totholzflächen‘ am Rachel? Oder ist mit den o.g. Aufsätzen von Müller und Michler alles gesagt?“

Gregor Wolf von der Pressestelle antwortete damals noch am selben Tag:

Sehr geehrter Herr Adrian,
vielen Dank für Ihre Anfrage und Ihr Interesse an der Entwicklung der Wälder im Nationalpark.

Zu Ihrer Anfrage kann ich Ihnen mitteilen, dass es leider keine aktuelleren Artikel gibt, die sich mit der Waldentwicklung speziell im Gebiet des Rachels beschäftigen. Wir werten derzeit die Ergebnisse unserer umfassenden Inventur der Nationalparkwälder aus und werden diese voraussichtlich im Laufe des nächsten Jahres veröffentlichen. Bereits jetzt können wir aber sagen, dass die von Ihnen zitierte Aussage aus dem Artikel von Jörg Müller weiterhin zutrifft und die Wälder am Rachel sich im Vergleich zum Lusen zeitlich verzögert, aber dennoch stetig weiter verjüngen.

Auch die in diesem Artikel getroffene Aussage, dass waldfreie Flächen und Lückenstrukturen ein wichtiges Merkmal von Naturwäldern sind und hohe Bedeutung für die Biodiversität haben, trifft weiterhin zu.

Wir hoffen, wir konnten Ihnen damit weiterhelfen.
Hinweis: Diese Antwort dürfen Sie gern in ungekürzter Form auf Ihrer Homepage veröffentlichen.

Mit freundlichen Grüßen
Gregor Wolf
Stabsstelle Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Datenschutzbeauftragter
Nationalparkverwaltung Bayerischer Wald
Freyunger Straße 2
94481 Grafenau

Es gibt also keine aktuelleren Artikel des Nationalparks zur Waldentwicklung am Rachel. Auch die Ergebnisse der Waldinventur sind noch nicht veröffentlicht.1siehe Pressemitteilung Nr. 33/2026 vom 30.04.2026 Aber es gibt nun neue Fotos und einen neuen Artikel von mir dazu, denn im August d. J. bin ich vor Ort gewesen. Lesen Sie hier: Klimawandel und Rachel – Was ein Nationalparkmitarbeiter nicht sagen darf.

Schließt das Kerngebiet!

Der amerikanische Standup-Comedian Tim Dillon hielt in seiner Show vom 22.8.26  eine knapp zweiminütige Rede, in der er die Schließung der Strände in den USA forderte. Ich habe diesen Teil übersetzt und auf das Kerngebiet des Nationalparks Bayerischer Wald übertragen:

„Hier ist mein Standpunkt zu der ganzen Sache – und ich habe es schon einmal gesagt: Ich bin dafür, das Kerngebiet des Nationalparks Bayerischer Wald zu schließen. Dauerhaft. So ähnlich wie bei Covid das Hans-Eisenmann-Haus, das Haus zur Wildnis, das Waldgeschichtliche Museum, das Jugendwaldheim, das Wildniscamp, die Tier-Freigelände und das Waldspielgelände.

Ich bin für die Schließung des Kerngebiets. Ich bin dafür, das Kerngebiet zu schließen, weil es dort viele Auerhühner und Haselhühner gibt, wegen der Störungen, der Kükenaufzucht und all solchen Dingen.

Leute, wisst ihr was? Ich glaube, es ist an der Zeit, dass wir das ganze Kerngebiet im Nationalpark schließen. Das ist eine Ansicht, die ich mittlerweile vertrete – früher habe ich das nicht so gesehen. Ich war diesen Sommer einmal im Kerngebiet. Es war in Ordnung.

Aber wissen Sie, ich glaube, jetzt ist der Zeitpunkt für eine Schließung gekommen. Wir sollten ein Moratorium einführen. Lassen Sie uns ein fünfjähriges Moratorium beschließen: Man darf nicht mehr ins Kerngebiet gehen. Schluss damit, Kerngebiet zu! In fünf Jahren sehen wir uns die Sache noch einmal an.“

Weiterführende Links:

Erklärung für die Fichtenentnahme im Naturwald

Iran-Krieg Tag 155, Super-E10 2,10€

Ich benutze in der Überschrift nicht das böse Wort vom „Kahlschlag“, sondern das neutrale Wort der „Fichtenentnahme“. Denn die ausführlichen Erklärungen der Forstamtsleiterin Dr. Christine Knust und Dr. Meyer von der NW-FVA haben mich beruhigt. 

Lesen Sie hier ohne Paywall den zweiten Teil meines Artikels über den Naturwald Katzenbau: Die Erklärung der Verantwortlichen.

Wildnisgebiet Solling

Iran-Krieg Tag 148, Super E10 2,30€.

Im Juli bin ich zweimal im Wildnisgebiet Solling gewesen. Über 1.000 ha, die die Niedersächsischen Landesforsten 2021 aus der Nutzung genommen haben. Zweimal bin ich dort mehrere Stunden herumgewandert. Nach der NDR-Reportage über das Wildnisgebiet war ich auf einiges gefasst und hatte mit vielem gerechnet. Damit nicht.

Extraktive Maßnahmen im Wildnisgebiet

Wenn ich in der Vergangenheit fürchterliche Dinge gesehen habe, habe ich sie mit Worten wie „Ödland“ oder „Ultraviolence“ beschrieben. Dieses Mal benutze ich andere Vokabeln. Mein schlimmster Wutausbruch bisher war der über das Sauerland. Dieses Mal bin ich wütender.

Lesen Sie hier meinen ausführlichen Artikel – ausnahmsweise ganz ohne Paywall: Shithole Wildnisgebiet Solling.