Sabines Fotos Teil 2 – Buchenvoranbau am Wüstebach

Sabine hat nicht nur den ehemaligen Kahlschlag am Wüstebach im Nationalpark Eifel fotografiert. Sie hat auch Fotos vom Buchenvoranbau dort gemacht.

Das Nationalparkforstamt ahnt nicht, wie berechtigt seine Frage ist: Was ist denn hier los? Denn diese Frage kann ja auch bedeuten: Was ist das denn hier für ein Unsinn? Peter Wohlleben hat vermutlich recht: „Ein gepflanzter Wald ist eine grüne Kolonne von Rollstuhlfahrern.“

Lesen Sie hier den zweiten, mithilfe von Sabine erstellten Artikel: Nationalpark Eifel – Umstrittener Buchenvoranbau.

Zum Niederknien schön – mein Märchenwald

Vielleicht wird Thomas Michler, Umweltpädagoge im Nationalpark Bayerischer Wald, nun schmunzeln oder vielleicht auch die Nase rümpfen, wenn ich von „Märchenwald spreche. Denn er schreibt:1zusammen mit Co-Autor Erik Aschenbrand

„Auch vom Wald existieren stereotype Vorstellungen. Weit verbreitet ist die Vorstellung vom grünen Märchenwald mit uralten Baumriesen, die als Symbole der Weisheit und der Dauerhaftigkeit der Natur interpretiert werden (Schama 1996). Diese stereotype Vorstellung vom Wald ist nicht nur aus Märchen und Filmen bekannt, sie wird derzeit z. B. auch erfolgreich von „Deutschlands berühmtestem Förster“ (Bild Zeitung 2017) Peter Wohlleben in seinen Büchern bedient.“2Erik Aschenbrand und Thomas Michler, Gestörte Heimat – Nationalparks zwischen Naturschutz, Tourismus und lokaler Akzeptanz, Naturschutz und Landschaftsplanung 04/2019, Hervorhebungen von mir

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Das letzte Wort zur Verkehrssicherung in Porta Westfalica

Zur Verkehrssicherung im FFH-Gebiet bei Porta Westfalica sind viele Worte gewechselt worden. Das letzte Wort hat die Forstbehörde in Düsseldorf, genauer gesagt das Referat III.3 Forsthoheit, Planung und Waldnaturschutz im Landwirtschaftsministerium (MLV). Das letzte Wort hat Ministerialrat (MR) Herr Hueck.

Der in meinen Augen entscheidende Abschnitt lautet:

„Ein Abrutschen von umgestürzten Bäumen oder abgebrochenen Baumteilen in Hangbereichen über eine Distanz größer 30 m hangabwärts wird in Einzelfällen als realistisches Szenario eingeschätzt. […] Aus forstbehördlicher Sicht sehe ich keinen Anlass, die Maßnahme vor Ort zu prüfen.“

Sie finden die Stellungnahme von MR Hueck hier.

Stellungnahme des Umweltministeriums NRW zum Kahlschlag im FFH-Gebiet

„Das alles klingt bitter und ist bitter.“
Wolf Jobst Siedler1Tagesspiegel im Oktober 1961, zit. n. Wir waren noch einmal davongekommen – Erinnerungen, München 2004, S. 247

Anfang Februar d. J. hatte ich das Umweltministerium NRW um eine Stellungnahme zum Kahlschlag im FFH-Gebiet „Wälder bei Porta Westfalica“ gebeten: Brief an MR Dr. Kiel, Leiter des Referats III-3 im Ministerium für Umwelt, Naturschutz und Verkehr des Landes NRW. Die Antwort habe ich Ende April erhalten:

Umweltministerium_Verkehrssicherung_FFH-Gebiet

 

 

Keine Nachricht von Roland Schockemöhle (Regionalforstamt Hochstift)

Roland Schockemöhle muss meinen Brief bekommen haben. Laut Sendungsverfolgung der Deutschen Post wurde mein Einschreiben am 7.2.2024 zugestellt. Aber der Leiter des Regionalforstamts Hochstift hat auch nach 2 Monaten nicht geantwortet. Ganz überraschend ist das freilich nicht. Ich hatte bereits Anfang November letzten Jahres, als der Kahlschlag im FFH-Gebiet begann, versucht, mit ihm Kontakt aufzunehmen. Ich ging damals noch davon aus, dass sein Regionalforstamt zuständig wäre. Mehrmals rief ich an und landete immer bei seiner Sekretärin. Die mich immer abwimmelte: „nicht im Haus“, „in einer Besprechung“, „ruft zurück“. Mit Herrn Büscher vom Forstbetriebsbezirk Porta Westfalica genau dieselbe Erfahrung. Telefonisch nicht erreichbar. E-Mails werden nicht beantwortet.

Die Behauptung, die Bürgermeisterin Frau Anke Grotjohann über Schockemöhle und sein Forstamt macht, steht im Raum: Es hat zugestimmt. Oder was soll „Handlungsbedarf bestätigt“ anderes bedeuten? Weiterlesen

1. Weihnachtstag

Frohe Weihnachten!

Herr Striepen vom Landesbetrieb Wald-und-Holz NRW hat mir ein sehr schönes Weihnachtsgeschenk gemacht und meinen offenen Brief beantwortet. Seine detaillierten Antworten lassen – fast – keine Fragen zur Naturwaldzelle Rosenberg offen. Das ist wirklich eine schöne Bescherung – und das schreibe ich ohne jede Ironie.

Lesen Sie hier die ausführliche Antwort von Herrn Striepen: Geschichte der Naturwaldzelle Rosenberg.

Besuch in der Naturwaldzelle Kluß

Mitte Oktober habe ich die Naturwaldzelle Kluß in der Nähe von Paderborn besucht. Ich habe dort die „Waldstruktur und Bodenvegetation“ nicht „aufgenommen“. Auch „Stichprobenflächen“  und „Dauerbeobachtungsflächen“ haben mich nicht interessiert. Ich habe keine Ahnung, ob dort „besondere Fragestellungen oder Aspekte untersucht werden“ sollten. Es macht vermutlich keinen Sinn, „das Monitoring auf diesen Flächen intensiver“ fortzuführen. Eine „Buchen-Fichten-Konkurrenz“ wie in Hunau gibt es dort jedenfalls nicht. Der „Aspekt“ Fichten hat sich auf der Paderborner Hochfläche erledigt. (Sämtliche Zitate aus Schützen – Forschen – Lernen, Konzept für die Naturwaldzellen in Nordrhein-Westfalen, S. 36 f.)

Der Landesbetrieb Wald-und-Holz-NRW hat die Naturwaldzelle Kluß nicht „für die Öffentlichkeitsarbeit ausgewählt“. Denn sie wird nicht „von vielen Erholungssuchenden genutzt“ und ist auch nicht „durch Wanderwege erschlossen oder gut einsehbar“. Es macht hier keinen Sinn, „Erholungssuchende zu informieren und zur Schonung der Naturwaldzelle zu lenken“.

Wenn Sie zu der kleinen Minderheit gehören, die sich trotzdem für die Naturwaldzelle Kluß interessieren und ausgerechnet dort Erholung suchen, dann finden Sie hier meinen Artikel: Kluß bei Paderborn.

25-minütiges Video über den Kahlschlag in Porta Westfalica

Hinweis: Mein nächster Artikel erscheint am kommenden Freitag, den 1. Dezember – dann über die Naturwaldzelle Kluß. Über diese gibt es – im Gegensatz zur Naturwaldzelle Rosenberg1siehe dazu Offener Brief an Herrn Striepen (Naturwaldzellen NRW) – dank der Landesanstalt für Ökologie, Landschaftsentwicklung und Forstplanung Nordrhein-Westfalen (LÖLF) sehr viele hilfreiche Informationen.

Offener Brief an die Bürgermeisterin von Porta Westfalica

Ich habe Anke Grotjohann, Bürgermeisterin von Porta Westfalica, heute per Einschreiben einen Offenen Brief geschickt:

Schriftliche Anfrage zur Verkehrssicherung an der B482 im November 2023 mit Berufung auf das Informationsfreiheitsgesetz Nordrhein-Westfalen (IFG NRW)

Auszüge:

„Ich bitte um die Dokumente mit den Kontrollergebnissen des Waldes an der B482, der im November 2023 von der Verkehrssicherung betroffen war. Ich bitte um die Dokumente der Jahre 2021, 2022 und 2023.“

„Für die umfangreichen Fällungen benötigte die Stadt deshalb die Genehmigung der Unteren Naturschutzbehörde. Ich bitte um das Dokument mit dem Antrag auf Genehmigung und das Dokument mit der erteilten Genehmigung.“

„Aber östlich des Pionierwegs standen die gefällten Buchen viel – zum Teil sehr viel – weiter von der Straße entfernt als 30 m. Sie wurden sogar in einem Abstand von bis zu 100 m von der Straße gefällt. Warum?“

„Welchen konkreten Präzedenzfall kennt die Stadt Porta Westfalica, wo Buchen 100 m einen Hang hinuntergerutscht sind?

Den ganzen Brief finden Sie hier.

Kahlschlag im FFH-Gebiet – Tagebuch 19.11.2023

„Du spinnst!“ Die beste Ehefrau von allen hält mich für verrückt. Gestern Abend sahen wir den israelischen Spielfilm Lemon-Tree (2008). Und ich behauptete, es gäbe einen Zusammenhang zwischen dem Film und der Verkehrssicherung an der B482. „Jetzt dreht mein Mann endgültig durch! Das hat doch überhaupt nichts miteinander zu tun! Im Film geht es um einen Zitronenhain in Palästina und bei Dir geht es um einen Buchenwald in Deutschland. Das ist doch etwas völlig anderes!“

Wenn Sie der besten Ehefrau von allen recht geben, dann brauchen Sie jetzt nicht weiterzulesen. Weiterlesen

Kahlschlag im FFH-Gebiet – Tagebuch 18.11.2013

„Aber im Zweifel: Baum ab!“
Landesbetrieb Wald-und-Holz NRW1FAQ – Verkehrssicherung bei Waldbäumen, S. 3

Am Samstag Vormittag parke ich am Bahnhof Porta Westfalica und gehe zum Bahnhofsvorplatz. Es ist das dritte Wochenende, an dem die B482 in beiden Richtungen gesperrt ist. Heute werden mit einem Kran die Baumstämme aus dem Hang geholt. Es gibt auf dem Hang keine Forststraße und auch keine Rückegassen. Und mit einem Seil kann man die Stämme auch nicht herausziehen: Das verhindert die viele Meter hohe Mauer, mit der der Hang zur Straße abschließt.

Vom Bahnhofsvorplatz kann man die Arbeiten gut beobachten. Ich stehe keine Minute dort, da kommen Herr Maier und Frau Müller vom Bauamt, um mich zu begrüßen. Sie freuen sich, mich zu sehen und laden mich zu einem Kaffee in ihren Bauwagen ein. Weiterlesen

Kahlschlag im FFH-Gebiet – Tagebuch 17.11.2023

Bürgermeisterin Anke Grotjohann antwortet nicht

Ich spreche mit einem Bekannten über den Kahlschlag.

Hinweis: Die ersten zwei Fotos dieses Tagebucheintrags haben eine Auflösung von 4K (Format 16 : 9, 3.840 x 2.160 Pixel) und sind rd. 5 MB groß. Je nach Internetgeschwindigkeit kann das Laden also etwas dauern.

Ich spreche auch über meine Ratlosigkeit, was nun zu tun sei. Er hat eine Idee: Ich solle doch einmal mit der Bürgermeisterin von Porta Westfalica sprechen. Wie bitte? Ich kann doch nicht einfach zur Bürgermeisterin gehen! Doch! Die habe eine Bürgersprechstunde und ich könne mir einfach einen Termin geben lassen. Da könne ich mich beschweren! Dafür sei diese Sprechstunde da!
Am Mittwoch rufe ich bei der Stadt an und werde mit dem Vorzimmer verbunden. Um was es denn gehe? Verkehrssicherung. B482. Aha! Soso! Nun, da müsse sie erst einmal Rücksprache halten. Sie rufe zurück. Weiterlesen

Kahlschlag im FFH-Gebiet – Tagebuch 16.11.2023

Im Dezember 2019 habe ich das folgende Foto vom Westhang des Jakobsbergs gemacht. Das Foto ist mit 4K13840 x 2880 Pixel, 4,4 MB sehr hoch auflösend; fast kann man die einzelnen Bäume zählen.

Das nächste Foto ist genau dasselbe Foto, nur habe ich mit einem gelben Strich den Pionierweg markiert. Weiterlesen

Kahlschlag im FFH-Gebiet – Tagebuch 15.11.2023

Mittwoch, den 15.11.2023

„Die Rotbuche wächst als sommergrüner Baum und kann Wuchshöhen von bis zu 30 m, im dichten Wald auch bis zu 50 m erreichen. Der Stammdurchmesser kann im Freistand bis 2 m betragen. Sie kann bis zu 300 Jahre alt werden […].“ (Wikipedia – Rotbuche)

Die Buchen oberhalb der B482 waren nicht 300 Jahre alt. Auch 2 m dick waren sie nicht. Und auch nicht 50 m hoch. Rechnen wir also mit einer Höhe von 30 m. Betrachten wir die Bäume ganz oben am Hang – direkt unterhalb der Klippe am Haus Jakobsberg Nr. 1. Diese Bäume wurden gefällt, weil sie angeblich eine akute Gefahr für die B482 waren. Die Entfernung von der Straße zur Klippe beträgt 100 m. Wir stellen uns den worst case vor: einen schweren Sturm mit Starkregen. Der Sturm bricht den Baumstamm ab oder reißt den Baum samt Wurzelteller aus dem Boden. Es gibt dann zwei Möglichkeiten:

  1. Der Baum fällt zum Hang hin. Dann hätte er 100 m tief rutschen müssen – vorneweg entweder mit dem abgebrochenen Stamm oder dem aus der Erde herausgerissenen Wurzelteller. Im Schlepptau die Krone des Baums.
  2. Der Baum fällt zur Straße hin. Dann hätte er 70 m tief rutschen müssen – mit der Krone vorneweg und dem abgebrochenen Stamm im Schlepptau oder mit dem ganzen Stamm und Wurzelteller im Schlepptau.

Beide Möglichkeiten widersprechen den Gesetzen der Physik. Hinzu kommt, dass nicht alle Bäume gleichzeitig abbrechen. Die stehenden Bäume versperren den Weg der abgebrochenen Bäume. Letztere sind mit ihrer Krone alles andere als stromlinienförmig. Sie rollen auch nicht. Abbrechende und oder entwurzelte Bäume schlagen manchmal nicht einmal auf dem Boden auf, sondern verfangen sich mit ihrer Krone im Nachbarbaum und bleiben dann schief stehen.

Wären nur Bäume im Abstand von bis zu 30 m von der B482 gefällt worden – dieses Tagebuch wäre überflüssig gewesen. So überflüssig wie das Fällen der Bäume oben an der Klippe.

Kahlschlag im FFH-Gebiet – Tagebuch 14.11.2023

Dienstag, den 14.11.2023

Der Tagebucheintrag vom Sonntag, den 12.11, war unvollständig: diskutiert hatte ich den Biotoptyp mit der Abkürzung „Bt-3719-0051-2012“ – also die detaillierte Beschreibung der unteren Hälfte des Hanges durch das LANUV. Es fehlt noch dessen obere Hälfte:

Natura 2000-Gebiete in Nordrhein-Westfalen – Landesamt für Natur-, Umwelt- und Verbraucherschutz NRW (LANUV NRW) Weiterlesen

Kahlschlag im FFH-Gebiet – Tagebuch 13.11.2023

Montag, den 13.11.2023

Kurz nach 9 Uhr rufe ich Jan Blomenkamp an, den Sachgebietsleiter des Baubetriebshofs von Porta Westfalica. Im Gegensatz zu vielen anderen Sachgebietsleitern geht er sofort ans Telefon und hat auch Zeit für mich. Ja, von der Geschichte am Samstagvormittag hat er schon gehört. Sie waren das also. Soso. Mmh.

Nein, da kann ich Ihnen leider nicht weiterhelfen. Weiterlesen

Kahlschlag im FFH-Gebiet – Tagebuch 12.11.2023

Sonntag, den 12.11.2023

Sonntagmorgen um 10 Uhr fahre ich wieder zur B482. Diesmal parke ich auf dem großen Parkplatz am Bahnhof. Niemand ist zu sehen: kein Arbeiter vom Bauhof, keine Waldarbeiter und auch keine Absperrungen. Nichts. Dabei sollte doch heute folgendes passieren:

„An diesem Wochenende werden die schweren Holzstämme aus dem Hang gezogen und an die dafür vorgesehenen Stellen verräumt.“

So hatte es das Mindener Tageblatt bzw. „die Stadt Porta Westfalica“ bzw. „die Verwaltung“ noch am 10.11. angekündigt.1Großflächiger Pilzbefall: Mehr Bäume als geplant an der B482 in Porta gefällt.

Und so bleiben „die schweren Holzstämme“ auf dem Hang liegen. Von ihnen geht offensichtlich keine Gefahr aus. Sie rutschen nicht den Hang hinunter. Gefährlich sind Bäume offenbar immer nur dann aus, wenn sie stehen. Liegen sie dagegen am Boden, ist alles gut. Weiterlesen