Samstag, den 11.11.2023
Am Samstagmorgen fahre ich nach Hausberge, parke und gehe zu Fuß zur B482. Die ist tatsächlich wie angekündigt fachmännisch abgesperrt. Weiterlesen
Am Samstagmorgen fahre ich nach Hausberge, parke und gehe zu Fuß zur B482. Die ist tatsächlich wie angekündigt fachmännisch abgesperrt. Weiterlesen
Um 13 Uhr rufe ich Herrn Schockemöhle an. Nein, der sei nicht im Hause. Der Termin dauere länger. Um was gehe es denn? Ich klage ihr mein Leid und sie hört mir zu: offenbar sei eine Verkehrssicherung völlig aus dem Ruder gelaufen. FFH-Gebiet! Kahlschlag! Die Bäume seien gesund. Da stimme etwas nicht! Sie notiert sich meine Nummer. Herr Schockemöhle rufe zurück. Er ruft nicht zurück. In meinem Hinterkopf höre ich eine böse Stimme: Natürlich ruft er nicht zurück! Was hast du Idiot denn erwartet?
Ich lese mir noch einmal den Zeitungsartikel durch: Die machen morgen weiter! Und da steht „wie die Stadtverwaltung mitteilt“. Also suche ich die Nummer des Umweltamts in Porta Westfalica heraus. Aber natürlich ist niemand mehr zu erreichen. Erst jetzt fällt mir auf: Wieso ist überhaupt die Stadtverwaltung zuständig? Es ist doch gar kein Stadtwald! Warum hat Schockemöhle nicht zurückgerufen? Gut, es ist Freitag-Nachmittag, aber es geht um ein FFH-Gebiet und um einen Kahlschlag. Da sollte man doch wenigstens kurz mal durchklingeln! Ich werde misstrauisch. Was, wenn er sich zweimal hat verleugnen lassen?
Abends rufe ich noch einmal die Webseite des Mindener Tageblatts auf. Vielleicht habe ich etwas überlesen. Vielleicht gibt es irgendwo noch einen klitzekleinen Hinweis! Und da entdecke ich – hinter der Paywall – einen ganz neuen Artikel von heute. Ich bezahle 1,90 € für ein Probe-Abo und lese den ganzen Artikel – es ist ein Alptraum: Großflächiger Pilzbefall: Mehr Bäume als geplant an der B482 in Porta gefällt.
Am Vormittag fahre ich trotz Regenwetter zum Parkplatz am leer stehenden ehemaligen „Hotel Porta Westfalica“. Von dort gehe ich zur Kirche und dann wage ich mich über den Wanderweg Falkenschlenke Richtung Portakanzel. Er ist mit X 11 markiert und zusätzlich ist es der Beginn des Weserberglandwegs. Jedes Mal ärgere ich mich, wenn ich diesen unsäglichen Weg gehe. Heute ist es besonders gefährlich: es ist nass, es ist rutschig, das Geröll ist locker und die mit Holz notdürftig befestigten Stufen sind glitschig. Bei starkem Regen wird aus dem Weg ein kleiner Bach, die Stufen sind unterspült und viele viel zu hoch. Um das Maß voll zu machen, haben Wildschweine Teile des Wegs aufgebuddelt. Und das Geländer am Weg ist sowieso seit Jahren an vielen Stellen kaputt. Ich bin wütend und fluche: wenn ich Angst habe, dann nicht von einem verpilzten Baum erschlagen zu werden, sondern auf dem steilen Weg auszurutschen. Am Pionierweg angekommen gehe ich ein Stück links und bin mitten im Kahlschlag.
Auch hier ist der Weg sehr rutschig und ich halte mich weit vom Abhang entfernt. Weiterlesen
Bei der Rückfahrt vom Reha-Training in Barkhausen fahre ich über die Weserbrücke. An der großen Kreuzung Portastraße – B482 steht die Ampel auf Rot und ich schaue gelangweilt Richtung Bahnhof. Und da sehe ich den großen Kahlschlag direkt gegenüber dem Bahnhof. Den ganzen Hang unterhalb der Portakanzel haben sie abgehackt.
Zu Hause spreche ich kurz mit meiner Frau darüber. Sie weiß das schon. Sie fährt häufiger dort lang und am Wochenende war die B482 gesperrt. Ich nehme mir vor, das Ganze einmal in den nächsten Tagen zu fotografieren. Ich versuche, mich zu beruhigen: Es wird einen vernünftigen Grund geben. Es muss einen vernünftigen Grund geben.
Ich selbst gehe den Wolfsschluchtweg bei Porta Westfalica nicht mehr. Zum einen ist es verboten. Zum anderen ist der Weg voller umgestürzter Bäume, die quer über dem Weg liegen. Und da kommt man mit einem frisch operierten künstlichen Knie- und Hüftgelenk nicht so gut drüber. Aber kürzlich lag ein USB-Stick mit Videos in meinem Briefkasten. Absender unbekannt. Vielleicht von einer Mitarbeiterin von Wald-und-Holz. Oder einer Mitarbeiterin des Umweltamts in Minden.
Hinweis: Das Video ist privat und nur für Abonnenten sichtbar.
Wie der Wolfsschluchtweg heute aussehen würde, wenn sich die Gegner der Sperrung wie z. B. die Redakteure des Mindener Tageblatts oder Stadtheimatpfleger Herbert Wiese durchgesetzt hätten, kann man seit Oktober 2023 direkt gegenüber am Jakobsberg auf der anderen Seite der Weser sehen. Weiterlesen
Nach meinem Offenen Brief folgt nun der ausführliche Artikel zur Naturwaldzelle Nr. 70 – inklusive den ersten jemals veröffentlichten Bestandesbeschreibungen: Rosenberg im Eggegebirge.
Hinweis: Mein nächster Artikel erscheint am Freitiag, den 27.10. zum Thema: Naturgemäße Forstwirtschaft und Jagd – Exkursion mit Lucas von Fürstenberg durch den Forstbetrieb Brabecke.
Sehr geehrter Herr Striepen!
In Ihrer letzten E-Mail baten Sie mich, Fragen zur Naturwaldzelle Rosenberg (i. F. abgek. NWZ) direkt an Sie zu stellen und nicht etwa an Revierbeamte des Regionalforstamts Hochstift. Ich komme dieser Bitte gerne nach! Allerdings schreibe ich diese E-Mail dieses Mal als Offenen Brief, weil ich der Ansicht bin, dass der Inhalt Ihrer Antwort zum einen für eine breitere Öffentlichkeit interessant sein könnte und zum anderen sicherlich keinen Geheimhaltungsvorschriften unterliegt.
Vorab eine kleine Anekdote: Ich war gestern zu Besuch bei Lukas von Fürstenberg, der mich gut eine Stunde in seinem Revier im Sauerland herumfuhr. Ich war geradezu sprachlos, wie viel er über seinen Wald wusste: hier hatte sein Großvater dies gemacht, hier sein Vater jenes und er habe hier vor kurzem usw. etc. pp. Er wusste genau, wo was wächst, was wann warum gepflanzt worden war, wie hier der Boden, dort das Licht und da drüben die Temperatur am Boden Anfang April sei. Warum erzähle ich Ihnen das? Nun – Sie müssen mir nicht gleich die Temperatur am Boden der Steinbeke Anfang April mitteilen, aber die eine oder andere Information über die Naturwaldzelle Rosenberg wäre schon interessant. Zumal diese explizit zu den NWZ für „Öffentlichkeitsarbeit und Umweltbildung“ gehört.
Quelle: Wildnis in Nordrhein-Westfalen
1. Frage Weiterlesen
Am Montag wanderte ich den Buchen-Wildnis-Pfad rund um die Naturwaldzelle Rosenberg. Kurze Zeit, nachdem ich das folgende Video gedreht hatte, begegnete ich einem Mann, der mit seinem Hund dort Gassi ging. Wir kamen ins Gespräch und ich fragte ihn, ob er den Wildverbiss direkt neben uns bemerken würde. „Ja natürlich! Aber das ist ja eine Naturwaldzelle. So steht es da drüben auf dem Schild. Und ich denke mir, Rehe1Es sind nicht Rehe, sondern Mufflons, die hier ihren Schabernack treiben. gehören eben auch zur Natur!“ Darauf ich: „Wölfe und Bären auch!“
Gefragt hatte ich nach Strukturpflegemaßnahmen auf der geräumten Fläche an der B4 nahe Braunlage.
Aber mehr als auf dem Schild steht, das damals noch dort stand, habe ich eigentlich nicht erfahren. Lesen Sie hier das neue Kapitel des Artikels über das Scheitern der Waldentwicklung im NLP Harz: Antwort auf die 1. Frage.
Das Motto des Nationalparks Harz lautet: „Natur Natur sein lassen!“ Die Nationalparkverwaltung wirbt damit, dass der „Wald im Wandel zur neuen Wildnis“ sei. Im Nationalpark könne man „der Wildnis beim Wachsen zuschauen„. Umso erstaunter waren meine Frau und ich, als wir 2020 beim Wandern auf einen riesigen Kahlschlag stießen:
Sperrung des Kaiserwegs bei Braunlage im Jahr 2020Ich wollte es genauer wissen und schrieb der Verwaltung einen offenen Brief. Simone Bauling, stellvertretende Leiterin des Nationalparks, antwortete mir ausführlich. In meinem neuen Artikel dokumentiere ich ihre Antwort und zeige viele aktuelle Fotos der geräumten Fläche. Ich bin anderer Meinung als Frau Bauling und begründe dies ausführlich: Dort entsteht keine neue Wildnis.
Hier geht es zu meinem neuen Artikel: Das Scheitern des Waldumbaus im NLP Harz.
Hinweis: In den nächsten Tagen werde ich den Artikel schrittweise erweitern und ergänzen – z. B. mit zusätzlichen Informationen, Satellitenfotos und auch eigenen Videos.
Mitte Januar schreibe ich eine E-Mail an die Naturwald Akademie.
Sehr geehrter Herr N.!
Ich suche etwas Schriftliches zur Buchenwaldbewirtschaftung in Lübeck. Und zwar etwas möglichst konkretes – so etwas, wie die Bayerischen Staatsforsten zu ihrer Buchenwaldbewirtschaftung veröffentlicht haben: Waldbauhandbuch Bayerische Staatsforsten – Grundsätze für die Bewirtschaftung von Buchen- und Buchenmischbeständen im Bayerischen Staatswald.
Gibt es etwas Vergleichbares für Lübeck?
Das fände ich spannend!
Mit freundlichen Grüßen
Franz-Josef Adrian
14 Tage später erhalte ich Antwort. Weiterlesen
Aufregung um die Holzernte herrschte im Dezember nicht nur bei YouTube, sondern auch in der Presse. Die Main-Post und die Süddeutsche berichteten über die Holzernte bei Hummelmarter im Steigerwald.
Ich stelle zwei Zeitungsartikel vor und analysiere, wie die Mainstream-Medien mit dem Thema umgehen. Forstbetriebsleiter Mergner ist nicht zu beneiden: Wie erklärt man einer Klima-Aktivistin wie Lisa Badum von den Grünen, was integrativer Naturschutz ist?
Lesen Sie hier die Fortsetzung meines Artikels: Aufregung um die Holzernte bei Hummelmarter.
Hinweis: In Kürze berichte ich über weitere Artikel der Main-Post, in dem Hummelmarter eine Rolle spielt. Außerdem stelle ich die ausführliche Presseerklärung des Forstbetriebs vor und diskutiere die Probleme, die ein solcher Betrieb bekommt, wenn Aktivisten von Extinction Rebellion sich einschalten.