Zur Vorgeschichte des Kahlschlags im FFH-Gebiet – die Waldkontrolle April 2020

Zu dem Kahlschlag im FFH-Gebiet “Wälder von Porta Westfalica” habe ich bislang zwei wichtige und aufschlussreiche Dokumente veröffentlich:

Nun kommt ein drittes Dokument hinzu:

Von diesem Dokument hatte ich mir Hinweise auf die Vorgeschichte des Kahlschlags erhofft. Denn die “erheblichen Schäden an Buchen und Eschen im gesamten Bestand unterhalb der Pinselburg”1Stellungnahme der Bürgermeisterin konnten ja nicht plötzlich und unerwartet entstanden sein. Ein Baum wird nicht über Nacht zu einer “Megagefahr”2Landesbetrieb Wald-und-Holz NRW, FAQ – Verkehrssicherung bei Waldbäumen, S. 2. Zumindest einzelne Bäume mit “Anzeichen auf Defektsymptome”3a. a. O., S. 3 hätten auch schon im Jahr 2020 auffallen müssen.

Nach langem Hin und Her hielt ich endlich das vom damaligen Umweltschutzbeauftragten Dr. von Lochow verfasste Dokument in den Händen. Ich überflog es kurz und legte es dann mit spitzen Fingern zu den Akten. Nein, damit würde ich mich nicht beschäftigen! Ich würde es auch nicht veröffentlichen. Nicht so etwas! Es hat drei Monate gedauert, bis ich mich umentschieden habe.

Lesen Sie hier meinen neuen Artikel: Kritische Auswertung der dokumentierten Waldkontrolle

Stellungnahme des Umweltministeriums NRW zum Kahlschlag im FFH-Gebiet

“Das alles klingt bitter und ist bitter.”
Wolf Jobst Siedler1Tagesspiegel im Oktober 1961, zit. n. Wir waren noch einmal davongekommen – Erinnerungen, München 2004, S. 247

Anfang Februar d. J. hatte ich das Umweltministerium NRW um eine Stellungnahme zum Kahlschlag im FFH-Gebiet “Wälder bei Porta Westfalica” gebeten: Brief an MR Dr. Kiel, Leiter des Referats III-3 im Ministerium für Umwelt, Naturschutz und Verkehr des Landes NRW. Die Antwort habe ich Ende April erhalten:

Umweltministerium_Verkehrssicherung_FFH-Gebiet

 

 

“Kern-Gefährdungsfläche” im FFH-Gebiet Porta Westfalica

Aktuelle Fotos von der sogenannten “Kern-Gefährdungsfläche” 5 Monate nach der “vollständig abgeschlossenen Maßnahme” im November 2023:

Offenbar sind nur stehende Bäume eine “Gefahr” für die Bundesstraße am Fuß des “extremen Steilhangs”. Sind die Bäume dagegen gefällt, ist der Verkehr “sicher” und die Lage nicht mehr “dringlich”. Nur ein liegender Baum ist ein sicherer Baum. Weiterlesen

Der sogenannte “Dominoeffekt”

Dass man 30 m links und rechts einer Bundesstraße bruchgefährdete Bäume fällen muss, bestreitet niemand. Aber darum geht es auch gar nicht. Es geht darum, dass Bürgermeisterin Grotejohann auch jenseits dieser “Kern-Gefährdungsfläche” alle Bäume hat fällen lassen – in einer Entfernung von bis zu 100 m von der Straße entfernt. Bürgermeisterin Grotejohann begründet diesen Kahlhieb so:1siehe Antwort von Bürgermeisterin Anke Grotjohann

“Deshalb wurden im Hinblick auf die am Fuß des Jakobsbergs verlaufenden Bundesstraße auch oberhalb der Kern-Gefährdungsfläche Fällungen durchgeführt. Um einem sogenannten Dominoeffekt vorzubeugen, hat man hier den Sicherheitsbereich erweitert.”

Die 12 Fotos dieses Beitrags zeigen jeweils Baumstämme “oberhalb der Kern-Gefährdungsfläche”. Sie liegen dort seit November 2023. Trotz Stürmen. Trotz Dauerregen. Sie sind nicht auf die Straße gerollt. Weiterlesen

Keine Nachricht von Roland Schockemöhle (Regionalforstamt Hochstift)

Roland Schockemöhle muss meinen Brief bekommen haben. Laut Sendungsverfolgung der Deutschen Post wurde mein Einschreiben am 7.2.2024 zugestellt. Aber der Leiter des Regionalforstamts Hochstift hat auch nach 2 Monaten nicht geantwortet. Ganz überraschend ist das freilich nicht. Ich hatte bereits Anfang November letzten Jahres, als der Kahlschlag im FFH-Gebiet begann, versucht, mit ihm Kontakt aufzunehmen. Ich ging damals noch davon aus, dass sein Regionalforstamt zuständig wäre. Mehrmals rief ich an und landete immer bei seiner Sekretärin. Die mich immer abwimmelte: “nicht im Haus”, “in einer Besprechung”, “ruft zurück”. Mit Herrn Büscher vom Forstbetriebsbezirk Porta Westfalica genau dieselbe Erfahrung. Telefonisch nicht erreichbar. E-Mails werden nicht beantwortet.

Die Behauptung, die Bürgermeisterin Frau Anke Grotjohann über Schockemöhle und sein Forstamt macht, steht im Raum: Es hat zugestimmt. Oder was soll “Handlungsbedarf bestätigt” anderes bedeuten? Weiterlesen

Antwort von Bürgermeisterin Anke Grotjohann

Mitte Januar hat Bürgermeisterin Anke Grotjohann mir dann doch noch geantwortet und Stellung bezogen zu der in meinen Augen völlig maßlosen Verkehrssicherung im FFH-Gebiet “Wälder von Porta Westfalica”. Ihre Begründungen dafür, dass auch noch in 100 m Abstand von der Straße alle Bäume gefällt wurden, überzeugen mich nicht und ich bezweifele auch, dass dafür eine Genehmigung vorlag. Deshalb habe ich zwei weitere Briefe geschrieben: einen an das Umweltministerium und einen an das Regionalforstamt.

Lesen Sie hier die Fortsetzung meines Artikels mit Grotjohanns Antwort und den 2 neuen Briefen: Kahlschlag im FFH-Gebiet “Wälder bei Porta Westfalica”.

25-minütiges Video über den Kahlschlag in Porta Westfalica

Hinweis: Mein nächster Artikel erscheint am kommenden Freitag, den 1. Dezember – dann über die Naturwaldzelle Kluß. Über diese gibt es – im Gegensatz zur Naturwaldzelle Rosenberg1siehe dazu Offener Brief an Herrn Striepen (Naturwaldzellen NRW) – dank der Landesanstalt für Ökologie, Landschaftsentwicklung und Forstplanung Nordrhein-Westfalen (LÖLF) sehr viele hilfreiche Informationen.

Offener Brief an die Bürgermeisterin von Porta Westfalica

Ich habe Anke Grotjohann, Bürgermeisterin von Porta Westfalica, heute per Einschreiben einen Offenen Brief geschickt:

Schriftliche Anfrage zur Verkehrssicherung an der B482 im November 2023 mit Berufung auf das Informationsfreiheitsgesetz Nordrhein-Westfalen (IFG NRW)

Auszüge:

“Ich bitte um die Dokumente mit den Kontrollergebnissen des Waldes an der B482, der im November 2023 von der Verkehrssicherung betroffen war. Ich bitte um die Dokumente der Jahre 2021, 2022 und 2023.”

“Für die umfangreichen Fällungen benötigte die Stadt deshalb die Genehmigung der Unteren Naturschutzbehörde. Ich bitte um das Dokument mit dem Antrag auf Genehmigung und das Dokument mit der erteilten Genehmigung.”

“Aber östlich des Pionierwegs standen die gefällten Buchen viel – zum Teil sehr viel – weiter von der Straße entfernt als 30 m. Sie wurden sogar in einem Abstand von bis zu 100 m von der Straße gefällt. Warum?”

“Welchen konkreten Präzedenzfall kennt die Stadt Porta Westfalica, wo Buchen 100 m einen Hang hinuntergerutscht sind?

Den ganzen Brief finden Sie hier.