Kahlschlag im FFH-Gebiet – Tagebuch 9.11.2023

Donnerstag, den 9.11.2023

Am Vormittag fahre ich trotz Regenwetter zum Parkplatz am leer stehenden ehemaligen „Hotel Porta Westfalica“. Von dort gehe ich zur Kirche und dann wage ich mich über den Wanderweg Falkenschlenke Richtung Portakanzel. Er ist mit X 11 markiert und zusätzlich ist es der Beginn des Weserberglandwegs. Jedes Mal ärgere ich mich, wenn ich diesen unsäglichen Weg gehe. Heute ist es besonders gefährlich: es ist nass, es ist rutschig, das Geröll ist locker und die mit Holz notdürftig befestigten Stufen sind glitschig. Bei starkem Regen wird aus dem Weg ein kleiner Bach, die Stufen sind unterspült und viele viel zu hoch. Um das Maß voll zu machen, haben Wildschweine Teile des Wegs aufgebuddelt. Und das Geländer am Weg ist sowieso seit Jahren an vielen Stellen kaputt. Ich bin wütend und fluche: wenn ich Angst habe, dann nicht von einem verpilzten Baum erschlagen zu werden, sondern auf dem steilen Weg auszurutschen. Am Pionierweg angekommen gehe ich ein Stück links und bin mitten im Kahlschlag.

Auch hier ist der Weg sehr rutschig und ich halte mich weit vom Abhang entfernt. Weiterlesen

Kahlschlag im FFH-Gebiet – Tagebuch 7. und 8.11.2023

Dienstag, den 7.11.2023

Das Wetter ist furchtbar. Der Himmel grau. Immer wieder regnet es. Kein Wetter, um zu fotografieren. Ich bleibe zu Hause.

Mittwoch, den 8.11.2023

Wieder kein Fotowetter. Mir fällt ein, ich könnte doch einmal googlen, ob im Internet irgendetwas über den Kahlschlag steht. Ich suche lange, probiere immer neue Wortkombinationen bei der Suche. Endlich finde ich etwas: Baumfällarbeiten: B 482 in Porta am Wochenende voll gesperrt.1Der Originalartikel stammt vom 3.11.2023, siehe Wayback Machine Ich überfliege den kurzen Artikel: „mehrere Bäume … durch Pilzbefall abgestorben“. Offenbar geht es also um Verkehrssicherung. Ich versuche, ruhig und distanziert zu bleiben: Rege dich nicht auf! Wenn die Bäume abgestorben sind und wenn sie auf die B482 zu fallen drohten, dann musste man sie fällen. Die Ungereimtheiten im Artikel fallen mir am Mittwoch noch gar nicht auf.

Kahlschlag im FFH-Gebiet – Tagebuch einer Verkehrssicherung

Montag, den 6.11.2023

Bei der Rückfahrt vom Reha-Training in Barkhausen fahre ich über die Weserbrücke. An der großen Kreuzung Portastraße – B482 steht die Ampel auf Rot und ich schaue gelangweilt Richtung Bahnhof. Und da sehe ich den großen Kahlschlag direkt gegenüber dem Bahnhof. Den ganzen Hang unterhalb der Portakanzel haben sie abgehackt.

Zu Hause spreche ich kurz mit meiner Frau darüber. Sie weiß das schon. Sie fährt häufiger dort lang und am Wochenende war die B482 gesperrt. Ich nehme mir vor, das Ganze einmal in den nächsten Tagen zu fotografieren. Ich versuche, mich zu beruhigen: Es wird einen vernünftigen Grund geben. Es muss einen vernünftigen Grund geben.

Video „Der Wolfsschluchtweg bei Porta Westfalica“

Ich selbst gehe den Wolfsschluchtweg bei Porta Westfalica nicht mehr. Zum einen ist  es verboten. Zum anderen ist der Weg voller umgestürzter Bäume, die quer über dem Weg liegen. Und da kommt man mit einem frisch operierten künstlichen Knie- und Hüftgelenk nicht so gut drüber. Aber kürzlich lag ein USB-Stick mit Videos in meinem Briefkasten. Absender unbekannt. Vielleicht von einer Mitarbeiterin von Wald-und-Holz. Oder einer Mitarbeiterin des Umweltamts in Minden.

Hinweis: Das Video ist privat und nur für Abonnenten sichtbar.

Wie der Wolfsschluchtweg heute aussehen würde, wenn sich die Gegner der Sperrung wie z. B. die Redakteure des Mindener Tageblatts oder Stadtheimatpfleger Herbert Wiese durchgesetzt hätten, kann man seit Oktober 2023 direkt gegenüber am Jakobsberg auf der anderen Seite der Weser sehen. Weiterlesen

„Jetzt sind sie halt weg!“

Ich habe heute den Artikel Naturgemäße Forstwirtschaft und Jagd – Lucas von Fürstenberg abgeschlossen. Im Schlusskapitel zeige ich nicht Bilder vom Revier in Brabecke sondern von meiner Rückfahrt durch das Sauerland. Fürstenberg hatte mir die L776 von Nuttlar nach Rüthen empfohlen: der Anblick sei „sensationell“.

Die L776 ist kein Insidertipp. Fürstenberg verrät mir kein Geheimnis. Praktisch das ganze Sauerland ist eine einzige Kalamitätsfläche. Trotzdem möchte man fast meinen, die Regierung in NRW sei irgendwie stolz darauf. Sie hat nämlich für die riesigen Kahlschläge eine eigene Webseite eingerichtet: Waldinfo.NRW. Niemand bricht fassungslos in Tränen aus. Niemand hat ein schlechtes Gewissen. „Jetzt sind sie halt weg!“ Man hat immer alles richtig gemacht. Und wenn man es falsch gemacht hat, dann konnte man es vorher nicht wissen. Schuld am Fichtensterben im Sauerland ist der Klimawandel. Punkt! Wer anderes behauptet, ist ein Staatsfeind und gesichert rechtsextremistisch.
L776 Nuttlar – Rüthen, Waldinfo.NRW – Waldschäden und Gefahrenabwehr – Kalamitätskarte Nadelwald