Kahlschlag im FFH-Gebiet – Tagebuch 9.11.2023

Donnerstag, den 9.11.2023

Am Vormittag fahre ich trotz Regenwetter zum Parkplatz am leer stehenden ehemaligen “Hotel Porta Westfalica”. Von dort gehe ich zur Kirche und dann wage ich mich über den Wanderweg Falkenschlenke Richtung Portakanzel. Er ist mit X 11 markiert und zusätzlich ist es der Beginn des Weserberglandwegs. Jedes Mal ärgere ich mich, wenn ich diesen unsäglichen Weg gehe. Heute ist es besonders gefährlich: es ist nass, es ist rutschig, das Geröll ist locker und die mit Holz notdürftig befestigten Stufen sind glitschig. Bei starkem Regen wird aus dem Weg ein kleiner Bach, die Stufen sind unterspült und viele viel zu hoch. Um das Maß voll zu machen, haben Wildschweine Teile des Wegs aufgebuddelt. Und das Geländer am Weg ist sowieso seit Jahren an vielen Stellen kaputt. Ich bin wütend und fluche: wenn ich Angst habe, dann nicht von einem verpilzten Baum erschlagen zu werden, sondern auf dem steilen Weg auszurutschen. Am Pionierweg angekommen gehe ich ein Stück links und bin mitten im Kahlschlag.

Auch hier ist der Weg sehr rutschig und ich halte mich weit vom Abhang entfernt. Ich bin weder schwindelfrei noch trittsicher. Ich mache viele Fotos: Viele Baumstümpfe und auch die herumliegenden Stämme sind in meinen Augen völlig unauffällig und vollkommen gesund. Von wegen verpilzt. Quer über dem Weg liegen mehrere dicke Baumstämme. Hier geht es nicht weiter.

Ich gehe zurück und bergauf zum Haus mit der Adresse Jakobsberg 1. Der Weg führt genau am oberen Rand des Kahlschlags entlang. Wieder viele Fotos: wieder scheinen viele Baumstümpfe völlig gesund zu sein. Wie stellt man fest, ob ein Baum krank ist? Vermutlich nicht mit dem Teleobjektiv, sondern mit der Lupe. Außerdem sind die gefällten Bäume überhaupt nicht alt; ganz im Gegenteil  – auch viele ganz junge Bäume wurden gefällt.

Zurück gehe ich nicht die steile, nasse und rutschige Falkenschlenke, sondern einen langen Umweg über den Pionierweg, eine Treppe mit Steinstufen und intaktem Geländer und die Ortsstraße. Dann weiter zum Bahnhof. Fotos und Videos von hier unten, von der B482.

Spätestens hier unten an der Straße fällt es mir auf: Selbst wenn einzelne Bäume verpilzt waren, wie sollten sie auf die Straße fallen? Bäume können nicht fliegen. Und ein Baum rutscht auch nicht. Er fällt um und bleibt liegen. Sowohl Wurzelteller als auch Baumkrone verhindern das Rutschen. Völlig unmöglich, dass der Verkehr auf der B482 gefährdet würde. Ein Baum ist kein Schlitten. Die gefällten Bäume standen alle oben am Hang in sicherer Entfernung zur Straße. Der beste Beweis dafür, dass die Bäume gerade keine Gefahr darstellten, sind die Fällungen selbst: kein einziger Baum rutschte auf die Straße. Und der Boden war nach dem vielen Regen definitiv rutschig! Ein ganz großer Baum wurde sogar so gefällt, dass der Stamm direkt Richtung Straße fiel. War das Absicht oder Leichtsinn? Wie kann so etwas passieren, wo doch diese Bäume angeblich so gefährlich sind? Auf jeden Fall hat der so unglücklich gefällte Baum die Straße nie erreicht.

Am frühen Nachmittag komme ich wieder nach Hause. Der Kahlschlag fand statt im FFH-Gebiet “Die Wälder von Porta Westfalica”. Der Wald gehört nicht der Stadt, sondern dem Land, zuständig ist also Wald-und-Holz-NRW, zuständig ist das Regionalforstamt Hochstift. Ich rufe die zentrale Nummer an. Ich möchte mit der Pressestelle verbunden werden. Die Vermittlung nennt mir die Nummer von einem Herrn Preller. Den rufe ich an. Nein, er sei nicht mehr Pressesprecher. Das mache jetzt Herr Befeld. Oder nein – besser sei es, ich würde gleich den Leiter des Regionalforstamts Herrn Schockemöhle anrufen. Der mache das jetzt. Ich frage nach: ein Riesenforstamt und der Leiter macht auch noch die Presse? Doch doch, da solle ich anrufen. Seine Sekretärin ist am Apparat. Nein, der ist nicht im Hause. Hat einen Termin. Der geht dann auch nicht ans Handy. Ich frage, wann ich denn ihren Chef erreichen könne. Am Freitagvormittag gehe es nicht, aber am Nachmittag. Wann genau? 13 oder 14 oder 15 Uhr? 13 Uhr.

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