Kennen Sie Quedius plagiatus?

Nein? Quedius plagiatus ist ein prominentes Opfer von Sanitärhieben, also Kahlschlägen zur Borkenkäferbekämpfung. Er kommt nur auf nicht geräumten Flächen vor, auf geräumten Flächen dagegen überhaupt nicht. Und er steht auf der Roten Liste, Gefährdungskategorie 3, also gefährdet. Und das wussten Sie nicht?

Quedius plagiatus (Quelle: Lech Borowiec)1

Trösten Sie sich! In Deutschland ist dieser Sachverhalt nur einer sehr kleinen Gruppe wissenschaftlicher Experten bekannt. Laien wie ich haben nicht nur große Mühe, überhaupt an die Namen der durch Sanitärhiebe geschädigten Arten zu kommen. Hinzu kommt, dass Laien mit den Namen nichts anfangen können, selbst wenn sie sie nach langem Suchen gefunden haben. Denn es gibt keine Bücher über sie. Oder haben Sie je einen Artikel in der SÜDDEUTSCHEN ZEITUNG oder im SPIEGEL über Quedius plagiatus gelesen oder eine Dokumentation in LESCHS KOSMOS über ihn gesehen?

In meinem neuen Artikel schreibe ich über meine mühevolle Suche nach den Opfern von Sanitärhieben und warum mir ein Kinderbuch Hoffnung macht: Die unbekannten Kollateralschäden der Borkenkäferbekämpfung.

  1. Lech Borowiec ist Professor an der Abteilung für Biodiversität und Evolutionäre Taxonomie der Universität Warschau, Das Foto ist von ihm und stammt von der polnischen Datenbank Iconographia Coleopterorum Poloniae. []

45-minütiger Film zur Borkenkäferbekämpfung im Nationalpark Harz

Wenn im Kampf gegen den Borkenkäfer wieder einmal mehrere Hektar Fichtenwälder im Nationalpark1 Harz kahlgeschlagen werden, dann löst das kein großes „Schlagzeilengetöse“2 aus. Fernsehen und Tageszeitungen schweigen. Nachrichten über Kahlschläge im NLP Harz steigern nicht die Quote oder die Auflage. Auch die sozialen Netzwerke schweigen: Auf Facebook, Instagram und Twitter bringen Kahlschläge im NLP Harz keine „Klicks, Likes und Shares.3

„Was wir […] über die Welt, in der wir leben, wissen, wissen wir durch die Massenmedien.“4

Wenn der Satz von Luhmann stimmt, wissen wir über die Kahlschläge im NLP Harz nichts.

Fast nichts. Denn manchmal gibt es Ausnahmen. Im Sommerloch erschien in meiner Tageszeitung, dem Mindener Tageblatt, ein großer ganzseitiger Artikel von Sabrina Gorges über die „aufwendige[n] Schlachten gegen den Käfer“ im NLP: Erst die Stürme, jetzt der Käfer. 5 Der Artikel erschien am 22. August – genau einen Tag, nachdem ich im NLP ein ehemaliges Schlachtfeld besucht hatte. Zufälle gibt es.

Der Artikel war der Auslöser für einen langen Film: Im ersten Teil diskutiere ich die 5 Widersprüche, in die sich die NLP-Verwaltung bei der Borkenkäferbekämpfung verwickelt. Im zweiten Teil zeige ich eigene Filmaufnahmen vom Meineckenberg, wo vor 10 Jahren eine große Fläche kahlgeschlagen wurde. Am Schluss stelle ich neue wissenschaftliche Studien vor, die die Bekämpfung des Borkenkäfers in Nationalparks ablehnen.

Eine übersichtliche Gliederung der einzelnen Filmkapitel, die Links zu allen im Film besprochenen Quellen, weitere Hintergrundinformationen und einen Leserbrief von mir finden Sie hier: Kritik der Borkenkäferbekämpfung im Nationalpark Harz.

  1. im Folgenden abgekürzt mit NLP []
  2. Michael Meyen, Breaking News: Die Welt im Ausnahmezustand – Wie uns die Medien regieren, Frankfurt a. M. 2018, S. 8 []
  3. a. a. O., S. 14 []
  4. Niklas Luhmann, Die Realität der Massenmedien, Opladen 21986, S. 8; zit. n. Michael Meyen []
  5. Der Artikel war von der Deutschen Presse Agentur und erschien wortgleich in mehreren Tageszeitungen. Bei der Mitteldeutschen Zeitung kann der Artikel kostenlos gelesen werden. []

Meineckenberg – 10 Jahre nach dem Kahlschlag

Vor 4 Jahren hatte ich zum ersten Mal ausführlich über die Borkenkäferbekämpfung am Meineckenberg im Nationalpark Harz berichtet:

Jetzt habe ich den Meineckenberg erneut besucht und ich war erschüttert. Aus dem Kahlschlag ist eine Grassteppe geworden, auf der vereinzelt Birken wachsen. Alle gepflanzten Buchen sind von Hirschen verbissen und verkrüppelt. Ich habe ein 12-minütiges Video produziert, in dem ich auch selbst auftrete. Ich kommentiere das dort aufgestellte Informationsschild und zeige den Wildverbiss:

Ich habe vor Wut laut geschrien

Nationalpark Harz. Da stand ich nun auf dem riesigen Kahlschlag und war fassungslos. Ich schreibe das nicht nur so dahin, sondern ich habe wirklich die Fassung verloren. Ich stand da inmitten der ganzen Zerstörung und habe Sätze gestammelt wie „Das gibt es doch gar nicht!“, „Das kann doch nicht wahr sein!“ oder einfach nur „Jesusfuckingchrist!“ Und in all dieser Verwüstung habe ich vor Wut laut geschrien.

Lesen Sie hier meinen neuen Artikel: Großkahlschlag in der Nähe der Plessenburg.

Umweltminister Aeikens zu den Kahlschlägen im NLP Harz

Großkahlschlag im NLP Harz

Meine Briefe an Umweltminister Wenzel in Niedersachsen und Umweltminister Aeikens in Sachsen-Anhalt wegen der Kahlschläge im NLP Harz waren ebenso wie meine Briefe an die Vorsitzenden und Mitglieder der Umweltausschüsse völlig sinnlos. Das beweist noch einmal die zweite Antwort von Aeikens, die er vom Leiter der Abteilung „Forsten und Naturschutz“, Ministerialdirigent Jörg Martell, hat schreiben lassen: Im Ministerium gibt es die Kahlschläge schlicht nicht und Zahlen dazu hat man schon gleich gar nicht.

Lesen Sie hier den zweiten Brief von Aeikens, gefolgt von einem kurzen Kommentar und einem Schlusswort von Yanis Varoufakis: Antwort von Aeikens auf Rückfragen vom 9.6.2015

Post von Wenzel

Niedersachsens Umweltminister Wenzel hat mir am Ende doch auf meine Fragen zu den Kahlschlägen im NLP Harz geantwortet. Neben vielem anderen macht sein Brief vor allem eines deutlich: Die Umweltminister sowohl Niedersachsens als auch Sachsen-Anhalts haben zu den Kahlschlägen keine eigene Meinung. Sie übernehmen wortwörtlich die Stellungnahme von NLP-Leiter Andreas Pusch.

 

Kahlschlag am Oberen Gebbertsberg auf Google Maps

Hier geht es zum Brief von Wenzel und zu meinem Kommentar: Antwort von Umweltminister Wenzel vom 8. Mai 2015.

Umweltminister Aeikens zu Kahlschlägen im NLP Harz

Sachsen-Anhalts Umweltminister Aeikens (CDU) hat meine Fragen zu den Kahlschlägen im NLP Harz beantwortet. Die rechtliche Grundlage für die Kahlschläge ist ein Halbsatz im 145 DIN-A4-Seiten umfassenden Nationalparkplan: „[…] größere Fichtenkomplexe sollen geschützt werden.“ Zahlen zu den Kahlschlägen hat sein Ministerium nicht.

„vorübergehende Freistellung“ (Aeikens) des Oberen Gebbertsbergs

Niedersachsens grüner Umweltminister Wenzel schweigt trotz Anruf in seinem Ministerbüro weiterhin hartnäckig zu meinen Anfragen. Genauso wie die Vorsitzenden der Umweltausschüsse beider Länder: Frau Sigrid Raskob (SPD) und Herr Dietmar Weihrich (Bündnis 90 / Die Grünen). Auch von dem stellvertretenden Leiter des niedersächsischen Umweltausschusses Axel Miesner von der oppositionellen CDU kein einziges Wort. Das Schweigen ist parteiübergreifend: Selbst der Linke André Lüderitz aus Ilsenburg, Mitglied des Umweltausschusses von Sachsen-Anhalt, antwortet nicht auf meine Anfrage zu den Kahlschlägen direkt vor seiner Haustür.

Ich habe eine umfassende Dokumentation mit meinen Briefen und der Antwort von Aeikens erstellt: Umweltministerien zu Kahlschlägen.

Umweltskandal im NLP Harz

Anfang Februar habe ich die Umweltministerien Niedersachsens und Sachsen-Anhalts angeschrieben: Ich wollte wissen, auf welcher rechtlichen Grundlage im NLP Harz hunderte Hektar Windwürfe geräumt wurden. Und ich wollte wissen, ob die Ministerien über Zahlen verfügen, wie viele Hektar mittlerweile kahlgeschlagen wurden. Ich hatte um Antwort bis Mitte März gebeten. Bis heute habe ich keine Antwort. Weiterlesen