Naturwald Lange Wande – Teil 1

Iran-Krieg, Tag 34. Der erste Teil meines Artikels über den Naturwald Lange Wande ist fertig. Er zeigt Fotos des südlichen Hangs unterhalb der Felssteilwand: sensationelle 500 Vfm/ha.

Außerdem kritisiere ich das Kurzportrait des Naturwalds, das von der Nordwestdeutschen Forstlichen Versuchsanstalt verfasst worden ist: Naturwald Lange Wande im Weserbergland.

Ein zauberhafter Märchenwald

Vorsicht Clickbaiting! Der Naturwald Lange Wande, um den es gleich geht, ist ein schöner alter Buchenwald, der seit drei Jahrzehnten in Ruhe gelassen wird. Aber ein Märchenwald ist er nicht. Rotkäppchen bin ich nicht begegnet.

Es ist gut so, wie es ist. Es ist gut, dass niemand den Naturwald Lange Wande kennt. Niemand außer ein paar Wissenschaftlern und Mitarbeitern von Umweltschutzbehörden und Forstämtern. Die aber zählen nicht. Sie stören nicht. Sie sind nie da. Vielleicht waren sie vor vielen Jahren einmal da und dann nie wieder. Heute ist da niemand.

Wenn es überhaupt jemanden dorthin verschlägt, dann sind es vielleicht die Wanderer auf dem Weserberglandweg. Aber die sind nicht wegen des Naturwalds da und sie gehen auch schnell daran vorbei, denn sie haben es noch weit bis zum nächsten Hotel. Vielleicht verirrt sich auch mal jemand in die Nähe des Naturwalds, weil er sich für die Hühnenburg interessiert. Aber die hat auch schon bessere Zeiten erlebt und die Informationstafel ist kaum noch lesbar. Nein, der Naturwald Lange Wande ist kein Ziel für Wanderer.

Es gibt auch keine Hinweisschilder. Und Informationsschilder schon gleich gar nicht. Es fehlt auch ein Weg drumherum oder mittendurch. Die Autobahn stört. Die verläuft nämlich im Norden direkt neben dem Naturwald. Autos machen Krach. Da wandert man dann eher nicht. Es ist gut so, wie es ist.

Ein ganz kleines bisschen voller ist es ein paar Kilometer weiter im Osten. Da liegt der Luhdener Klippenturm. Die Gaststätte ist von Mittwoch bis Sonntag geöffnet. Aber selbst dort kann es in der Woche sehr einsam sein. Und auch das ist gut so.

Ich will nicht sagen, dass ich die große Ausnahme bin, nur weil ich weiß, dass es den Naturwald Lange Wande gibt. Ich bin nicht besser als die anderen. Denn ich habe nur einen ganz kleinen Wissensvorsprung: Ich kenne die Webseite über die Naturwälder Niedersachsens. Und ich weiß, dass es dort eine Karte mit den ganzen Naturwäldern gibt. Aber benutzt habe ich die nur ein einziges Mal. Das war vor Jahren. Ich wohne jetzt seit 10 Jahren nur 10 Autominuten entfernt von der Langen Wande. Dort war ich nie. Das war nicht gut so.

Jetzt war ich dort. Schuld ist der Iran-Krieg. Seit der Sprit 2,10 € kostet, tanke ich nicht mehr. Ich habe Anfang März einmal vollgetankt und seitdem ist Schluss. Es reicht. Ich streike. Irgendwann ist es genug. Ich muss nicht in der Weltgeschichte herumreisen. Ich bin pensioniert. Ich fahre zum Arzt, zum Einkaufen, ins Cafe, zur Post. Das reicht. Ich mache da nicht mehr mit. Es ist genug.

Und ganz gewiss fahre ich nicht mehr 100te von km in irgendeinen Nationalpark. Denn ich habe den Naturwald Lange Wande direkt vor der Haustür. Ich war da. Ich war viele Stunden da. Und es war wunderschön. Zum Niederknien schön. Auch wenn die Autobahn direkt daneben ist. Es ist gut so, wie es ist.

Es ist auch gut, dass es keine Wanderwege durch den Naturwald gibt. Es gibt nur alte Forstwege. Die sind seit Jahrzehnten nicht benutzt und liegen Ende März unter einer dicken Decke von Laub begraben. Darunter Geröll, Äste, Löcher. Darüber umgestürzte Bäume. Niemand geht so etwas. Nie. Es ist gut so, wie es ist.

Im April wird in mehreren Schritten mein Artikel über den Naturwald Lange Wande erscheinen. Dann mit Fotos und Videos von diesem zauberhaften Märchenwald. 

Kommunikation mit der Pressestelle des Nationalparks Bayerischer Wald über Sanitärhiebe

Google-Earth – Belassene Totholzflächen am Großen Falkenstein

Schon am 17.11.2025 antwortet die Pressestelle auf meine Anfrage tags zuvor:

Sehr geehrter Herr Adrian,

die Entwicklung der Totholzflächen (geräumt und nicht geräumt) im Nationalpark Bayerischer Wald finden Sie auf unserer Homepage:
https://www.nationalpark-bayerischer-wald.bayern.de/service/downloads/doc/berichte/bericht_walddynamik_2014_2023.pdf

Mit freundlichen Grüßen
Pressestelle
Nationalparkverwaltung Bayerischer Wald
Freyunger Straße 2
94481 Grafenau

Ich bin beschämt; diesen Bericht hatte ich übersehen. Bislang kannte ich nur den Bericht von 2006 bis 2011.  Trotzdem gebe ich mich mit der Antwort nicht ganz zufrieden und frage nach: Weiterlesen

Wiesen statt Wald am Rindelsteig

Damit keine Missverständnisse aufkommen: Ja, mir fehlt es an „ästhetischem Empfinden“ (Müller/Simonis) für die Naturprozesse am Rachel im Nationalpark Bayerischer Wald. Die „waldsteppenartigen Totholzflächen“ dort finde ich wirklich nicht schön. Das heißt aber nicht, dass es mir an „Akzeptanz“ (Müller/Simonis) dafür fehlt. Die Natur macht das eben so und dann soll sie es so machen. In Ordnung. Dafür ist schließlich ein Nationalpark da.

Wofür ich aber überhaupt keine „Akzeptanz“ habe, das sind die riesigen Kahlschläge zwischen Falkenstein und Rachel. Vom Rindelsteig aus kann man sie gut sehen. Kein Wald mehr, keine Waldsteppen, sondern große grüne Wiesen. Man möchte junge Rinder darauf grasen lassen wie früher am benachbarten Rindel- und Albrechtschachten. Direkt neben diesen Wiesen: die nach Kyrill 2007 nicht geräumten Windwürfe am Lackenberg und Sandl. Und auch wenn Müller/Simonis das vielleicht nicht gerne hören: Ich freue mich über den dort „nachwachsenden Wald“ und bin begeistert über die „üppige Naturverjüngung“. Und Müller/Simonis liegen bei mir völlig falsch: Diese Freude und diese Begeisterung entspringen nicht „forstlichen und ökonomischen Holzproduktionsgefühlen“. Ich habe ganz einfach den Wunsch nach einem „grünen Wald“, auch wenn Aschenbrand/Michler das vielleicht irgendwie doof finden.

Schauen Sie sich hier meine neue Dokumentation an über die geräumten und die nicht geräumten Flächen am Rindelsteig. Die hochauflösenden Fotos wurden bereits 2020 gemacht, aber bislang noch nicht veröffentlicht: Riesenkahlschlag am Rindelloch – 13 Jahre nach Kyrill.