Pessimistisches zum Advent – Bankrotterklärung Nr. 1 – Albrecht Müller

Die BBIWS, deren Mitglied ich bin, hat am 1. Dezember eine Petition gestartet: Wälder sind keine Holzfabriken – es reicht!!! Wir Bürger fordern ein neues Bundeswaldgesetz! Nach 10 Tagen haben 23.000 Menschen unterschrieben. Viele Mitglieder der BBIWS sind frohen Mutes, optimistisch und glauben an den Erfolg der Petition. Ich nicht.

Ich bin pessimistisch und vom Misserfolg der Petition überzeugt. Vor fünf Jahren sammelte die Online-Petition „Raus mit Markus Lanz aus meinem Rundfunkbeitrag!“ in nur 14 Tagen 230.000 Unterschriften. Bewirkt hat die Petition nichts. Überhaupt nichts. Markus Lanz moderiert immer noch seine Talkshow.

Markus Lanz

Es gibt weitere prominente Beispiele dafür, dass sich in Deutschland nichts ändert und Kritik völlig wirkungslos ist. Und das behaupte nicht ich; das behaupten die Akteure selbst, wenn man nur genau genug zuhört. Drei berühmte, aber nichtsdestotrotz völlig erfolglose Kritiker werde ich in den nächsten Tagen vorstellen. Heute beginne ich mit Albrecht Müller und einer der berühmtesten kritischen Webseiten in Deutschland: den NachDenkSeiten. Weiterlesen →

Über die Verachtung des Massentourismus

Vor einem Jahr schrieb ich eine Artikelserie zum Nationalpark Berchtesgaden. Ich spuckte Gift und Galle: „Touristenautobahn“, „Massentourismus“ „Rummelplatz“, „Massenabfertigung“, „Räuberhöhle“, „Zirkus“, „völlig überlaufen“, „ruiniert“. Ich war „schockiert“ und „angeekelt“ und schrieb voller Abscheu „Protestbriefe“ an diejenigen, die ich für diesen „rundum verkorksten“ Urlaub verantwortlich hielt.

Ein halbes Jahr später habe ich das Buch Die Welt im Selfie – Eine Besichtigung des touristischen Zeitalters von Marco d’Eramo gelesen. Er schrieb, als würde er mich und meine Verachtung des Massentourismus persönlich kennen:

„Touristenbashing scheint der populärste Sport auf unserem Planeten zu sein – und zwar nach Strich und Faden. […] Die Touristen finden immer jemanden, der mehr Tourist ist als sie selber und den sie verabscheuen können.“

Ich fühlte mich ertappt und entlarvt. Lesen Sie hier meinen neuen Artikel: Über die Verachtung des Massentourismus – Eine Selbstkritik mithilfe des Buches „Die Welt im Selfie“ von Marco d’Eramo.

Förstermärchen

Vor 10 Jahren erschien in der Zeitschrift Nationalpark ein Aufsatz, der in Naturschutzkreisen berühmt geworden ist. Der Aufsatz hieß „Forst- und Holzmärchen heute“ und sein Autor war Hans Bibelriether, der ehemalige Leiter des Nationalparks Bayerischer Wald. Bibelriether greift die Interessenvertreter der Forst- und Holzindustrie scharf an: den Deutschen Forstwirtschaftsrat,  den Deutschen Forstverein, die Schutzgemeinschaft Deutscher Wald und auch den damaligen bayerischen Forstminister Josef Miller. Er wirft ihnen „Schönfärberei“, „kaum zu überbietende Falschaussagen“, „professionelle Falschinformationen“, „reine Erfindungen“, „bewusste Unwahrheiten“ und „unglaubliche Volksverdummung“ vor.

Leider hat der Aufsatz nichts von seiner Aktualität verloren. Auch heute werden „Förstermärchen“ erzählt. Für die Bundesbürgerinitiative Waldschutz (BBIWS) habe ich drei Förstermärchen kritisiert. Sie können meine Kritiken entweder hier auf der Homepage der BBIWS lesen oder hier auf meiner Seite: Förstermärchen.

Urwald im Nebel

Der Botaniker Ludwig Jost (1865 – 1947) spekuliert über die Gefühle des modernen Menschen im Urwald von Kubany in Böhmen:

„Der Forstmann […] wird vielleicht die schreckliche Unordnung, die da herrscht, beklagen […].“ ((Baum und Wald, Berlin 21952, S. 110))

Diese „schreckliche Unordnung“ hat mir bei einer Wanderung durch den Urwald von Uholka in der Ukraine auch viel Grund zur Klage gegeben: Ständig musste ich über umgestürzte Baumriesen klettern. Am Ende brach ich die Wanderung wegen Regen und Nebel vorzeitig ab.

Wie schreibt Jost so treffend:

„Der Botaniker ist überwältigt von der Gewalt dieser ungeschminkten Natur.“ ((ebd.))

Lesen Sie hier meinen ersten Bericht über die Wanderung Fontynyasy.

Veröffentlicht unter Uholka