Eckpfeiler gegen Artenschwund bei Totholzbewohnern

Rosalia_Alpina_(Alpenbock)
Die Rote-Liste-Art Alpenbock benötigt starkes, besonntes Laubtotholz. ((Foto von Peter Krimbacher – Eigenes Werk. Lizenziert unter CC BY 3.0 über Wikimedia Commons.))

Ich habe Franz Leibl, den Leiter des NLP Bayerischer Wald, für die Kahlschläge 2011 scharf kritisiert: Gfällei – vorprogrammierter Kahlschlag. Nun möchte ich einen brandneuen Aufsatz von ihm und Sebastian Seibold loben, der jetzt in „AFZ – Der Wald“ erschien. In diesem kritisiert Leibl sich quasi selbst. Weiterlesen

Tote Hose am Rachel?

Am 12. September 2014 schwärmte Christian Sebald in der Süddeutschen Zeitung:

“Zwischen Lusen und Rachel entsteht ein Urwald, wie ihn sich kein Laie und kein Experte vorstellen konnte – nicht einmal in seinen kühnsten Träumen. ‘Allein die Fülle an jungen Fichten ist unglaublich’, sagt Leibl. ‘Wir zählen hier bis zu 4.400 Jungfichten pro Hektar Waldfläche.’ Das ist gigantisch.” ((Totes Holz und neues Leben))

14 Tage später besuchte ich den Rachel und fühlte mich von Sebald und Leibl betrogen: 4.400 Jungfichten pro Hektar? Hallo? Ein Urwald? Wo denn? Gab es vielleicht noch einen Rachel und ich war am falschen?

Für Nationalparkgegner ist der Rachel ein Beweis dafür, dass es falsch ist, die Natur Natur sein zu lassen. Heinrich Geier von der Bürgerbewegung zum Schutz des Bayerischen Waldes schimpft:

„Na, es ist ja nichts da, nur Gras und Baumstümpfe, so einfach ist das. Jeder kann sich überzeugen: Gehen Sie […] zur Rachelwiese und […] zum Schutzhaus […]. Tot. Tote Hose. Nichts mehr da außer Baumstümpfe.“ ((Susanne Lettenbauer, Nationalpark im Gefahr?, Deutschlandfunk vom 19.8.2005))

Ich habe wochenlang nach Gründen für die mangelhafte Verjüngung am Rachel gesucht und bin schließlich fündig geworden. Meine Ergebnisse habe ich in folgendem Artikel zusammengefasst und mit vielen Fotos illustriert: Herbstwanderung zum Rachel.

BSWR bezieht Stellung zum Fernewald

Nach meiner Beschwerde beim Umweltministerium sah sich auch die Biologische Station Westliches Ruhrgebiet (BSWR) gezwungen, zum Holzrausch im Fernewald Stellung zu nehmen. Ich habe mit Biologischen Stationen bislang nur negative Erfahrungen gemacht: Bei dem bundesweit für Aufregung sorgenden Kahlschlag am Wüstebach war beispielsweise die Biologische Station Aachen maßgeblich beteiligt. Die Kette negativer Erfahrungen reißt nicht ab: Ich dokumentiere die Antwort der BSWR und meine Rückfragen.

Fernewald_800Misshandelter Fernewald im April 2015

LANUV bezieht Stellung zum Fernewald

Im Dezember 2014 berichtete ich über den Holzrausch im Fernewald. Anfang Januar bat ich das Landesamt für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz NRW (LANUV) um eine Stellungnahme, weil dieses angeblich am Forstbetriebswerk mitgearbeitet hatte. Das LANUV antwortete nicht, sodass ich mich im März bei Umweltminister Remmel beschwert habe. ((siehe Beschwerde über LANUV und BSWR))

Geschundener Fernewald im April 2015

Kurz nach meiner Beschwerde erhielt ich Antwort vom LANUV. Ich veröffentliche diese Antwort zusammen mit meiner Kritik daran: Antwort des LANUV und Kritik an der Antwort des LANUV.

Großkahlschlag am Neubruck im NLP Bayerischer Wald

Bei meinem einwöchigen Aufenthalt im NLP Bayerischer Wald habe ich um die Riesenkahlschläge im Erweiterungsgebiet zwischen Falkenstein und Rachel einen weiten Bogen gemacht. Ich wollte mich nicht aufregen. In das Erweiterungsgebiet habe ich überhaupt nur ein einziges Mal meinen Fuß gesetzt: Ziel war der winzige Urwaldrest im Hain-Watzlik-Hain. Ansonsten bin ich kreuz und quer durch die von Förstern befreite Naturzone des Altparks zwischen Rachel und Lusen gestiefelt. Nur am allerletzten Tag war ich des knöchelhohen Schneematsches auf den Wegen müde und entschied mich für eine Wanderung rund um das Große Filz und das Klosterfilz. Der Rundwanderweg führt aber größtenteils durch den Randbereich des Altparks, in dem der Borkenkäfer zum Schutz der angrenzenden Privatwälder bekämpft wird. Und prompt stieß ich auf einen rund 50 ha großen Kahlschlag am Neubruck, unmittelbar westlich des Großen Filzes.

 

In den offiziellen Dokumenten des NLPs fand ich fast nichts über diesen Kahlhieb. Deswegen telefonierte ich mit dem zuständigen Nationalparkförster Werner Kaatz und dem Redakteur des Grafenauer Anzeigers Andreas Nigl. Hier mein ausführlicher Bericht mit zahlreichen Fotos und Videos: Großkahlschlag am Neubruck.