Kritik am Heimatgefühl des Waldlers

Zufällig bin ich über einen Aufsatz von Martin Müller gestolpert, der sich mit dem Konflikt zwischen NLP-Befürwortern und -Gegnern im Bayerischen Wald auseinandersetzt. ((How natural disturbance triggers political conflict: Bark beetles and the meaning of landscape in the Bavarian forest.)) Ich habe mich über den Aufsatz sehr geärgert, denn Müller läßt die NLP-Gegner und ihre sehr spezielle Vorstellung von Heimat viel zu gut wegkommen. Eine kritische Analyse der Waldler ist nicht sein Ding. Ich dagegen halte das Heimatbild der Waldler für verlogenen Gefühlskitsch. Hier geht es zu meiner ausführlichen Analyse: Da Woid is‘ unser Hoamatland – Zur Kritik am Heimatgefühl des Waldlers.

Johann Christian Kröner Rotwildrudel auf einer Waldlichtung 1899

Großkahlschlag am Vorderscheuereckbach im Nationalpark Bayerischer Wald

Im Erweiterungsgebiet des Nationalparks Bayerischer Wald stolpert man eigentlich an jeder Ecke über einen Kahlschlag. Über den im Tal des Vorderscheuereckbachs stieß ich zufällig, als ich den Harvester suchte, der die Douglasien in der Naturzone gefällt hatte. Ich hatte gerade den Harvester entdeckt und fotografiert und drehte mich um, als ich merkte, dass der hübsche buchenreiche Bergmischwald hier lichter und lichter wurde. Ich ging ein paar Schritte weiter und stand vor dem Großkahlschlag:

Spiegelhuette_Kahlschlag_800

Es muss damals, als dieser und andere große Windwürfe nach dem Sommersturm Meikel am 13. Juli 2011 geräumt wurden, zu heftigen Protesten von Besuchern gekommen sein. In einer Mitteilung der NLP-Verwaltung steht:

„Die Aufarbeitung und die damit verbundenen Beeinträchtigungen für Besucher waren an vielen Orten spürbar. […] Durch den enormen Holzanfall kam es insbesondere im Falkenstein-Rachel-Gebiet zeitweise zu erheblichen Beeinträchtigungen von Besucherwegen. Zum Teil mussten aus Sicherheitsgründen Besucherwege auch gesperrt werden. Wanderer und Radfahrer wurden durch Seilkräne, Harvester, Rückefahrzeuge, Holztransporter und den Lärm zahlreicher Motorsägen gestört. Dies führte zu zahlreichen Beschwerden bei der Nationalparkverwaltung und in den Informationszentren.“ ((Orkan am 13. Juli 2011, Hervorhebungen von mir))

Diese Pressemitteilung will nicht so ganz passen zu den sonstigen Jubelmeldungen der Verwaltung, dass alle Besucher sich wegen der tollen Waldwildnis ein zweites Loch in den Bauch freuen. Selbst die Anwohner des NLP, die ja angeblich die ganze Borkenkäferbekämpfung fordern, scheinen sich aufgeregt zu haben:

„Aber auch die Bewohner der Nationalparkgemeinden wurden besonders durch den Abtransport des angefallenen Holzes stark beeinträchtigt“ ((ebd., Hervorhebung von mir))

Der NLP verkommt zu einer Holzfabrik, in der den Förstern alles und der Natur nichts erlaubt ist.

In der Pressemitteilung steht aber noch ein Satz, der aufhorchen lässt:

„Im Falkenstein-Rachel-Gebiet werden die Windwürfe im Randbereich und außerhalb der Naturzonen (Wildnisbereiche) aufgearbeitet.“

Und genau das geht laut Nationalparkplan nicht. Der Kahlschlag liegt nach meinen Recherchen in Entwicklungszone 2 c und diese gehört nicht zur Borkenkäferbekämpfungszone. Das Räumen am Vorderscheuereckbach verstößt nach meiner Meinung gegen den Nationalparkplan. Hier geht es zu meiner umfangreichen Recherche und zu meiner Bitte um eine offizielle Stellungnahme: Großkahlschlag am Vorderscheuereckbach.

Fällen von Douglasien in der Naturzone des Nationalparks Bayerischer Wald

Der Nationalparkplan für den Nationalpark Bayerischer Wald schreibt klipp und klar vor:

„Die Zone 1 [= Naturzone] beinhaltet sämtliche Flächen des Nationalparks, auf denen grundsätzlich keine menschlichen Maßnahmen vorgesehen sind. Hier sollen sich die Wälder wieder zu Naturwäldern, zur Waldwildnis entwickeln. In der Naturzone hat der Ablauf natürlicher Prozesse Vorrang.“ ((Walderhaltungs- und Waldpflegemaßnahmen, S. 6, Hervorhebungen von mir))

Ausnahmen gelten nur für die Hochlagen beim Ausbleiben natürlicher Walderneuerung und bei Bedenken wegen der Verkehrssicherung. ((ebd.))

Vor genau einem Jahr, am 1.11.2014, wurde die Naturzone um „316 ha Bergmischwald nordöstlich der beiden Ortschaften Buchenau und Spiegelhütte“ ((Jahresbericht 2014, S. 10)) vergrößert. Und genau in dieser Naturzone wurden nun im Oktober 2015 Douglasien gefällt:

Ich habe deswegen Manuel Köppl, den Leiter der Presse- und Öffentlichkeitsarbeit im NLP, um eine offizielle Stellungnahme gebeten. Hier geht es zu meinem Brief: Weiterlesen