Ich bin zufällig auf einen Sammelband über Integrativen Waldschutz gestoßen, den man wirklich gut im Internet versteckt hat. Der Band enthält hochaktuelle Aufsätze von Spitzenforschern aus ganz Europa. Wer sich über den letzten Stand der Forschung zu Habitatbäumen, Trittsteinen, Totholz oder den Habitatbedürfnissen von Spinnen informieren will, wird hier fündig: ((zum Speichern oben in der Leiste auf den Doppelpfeil rechts klicken))
Zwei Worte
Manuel Köppl, Leiter der Presse- und Öffentlichkeitsarbeit im NLP Bayerischer Wald, hat meinen Irrtum korrigiert: Der Großkahlschlag am Vorderscheuereckbach verstößt nicht gegen den Nationalparkplan. Ich hatte zwei Worte überlesen. Und es sind in der Tat nur diese zwei Worte, die die NLP-Verwaltung zum Großkahlschlag ermächtigen.
Nichtsdestotrotz bin ich weiterhin der Meinung, dass die gesetzliche Grundlage für den Kahlschlag am Vorderscheuereckbach äußerst brüchig ist. Eine mutige NLP-Leitung hätte den Windwurf liegen lassen, ohne gegen die Nationalparkverordnung zu verstoßen. Hier geht es zu meinem vervollständigten und korrigierten Bericht: Großkahlschlag am Vorderscheuereckbach.
Der Wald wird gefegt – Der Boom beim Waldrestholz
Im Jahr 2010 wurden 73,8 Mio. Festmeter Derbholz – d. h. Holz mit einem Durchmesser von mehr als 7 cm – im deutschen Wald eingeschlagen. Die Experten sind sich einig: Viel mehr geht nicht. Das Ende der Fahnenstange beim Derbholz ist erreicht.
Aber es gibt noch das Waldrestholz: Kronenholz, Äste, Reisig, Holz mit Faulstellen – all dies war früher unverkäuflich und blieb als Abfall im Wald. Die Zeiten sind vorbei: Weil Biomassekraftwerke riesige Mengen an Hackschnitzel brauchen und Privatleute nicht nur Scheitholz, sondern auch Äste im heimischen Ofen verfeuern, wird immer mehr Waldrestholz aus den Wäldern genutzt. Was früher im Wald verrottete und neuen nährstoffreichen Humus bildetet, wird heute verbrannt: Der schon früher notorisch totholzarme Wirtschaftswald sieht nun aus wie gefegt. 2010 wurden 8 Mio. Fm Waldrestholz genutzt.
Und die Brennholz-Lobby will in Zukunft noch sehr viel mehr Restholz aus dem Wald holen. Udo Mantau hält bis zu 42,9 Mio. Fm für möglich. Ich stelle die erschreckenden Zahlen aus der Holzrohstoffbilanz von Udo Mantau vor und zeige, wer sich alles um das Waldrestholz streitet: Der Wald wird gefegt.
Gruselige Zahlen in der Holzrohstoffbilanz
Wie viel Holz wird pro Jahr im deutschen Wald eingeschlagen? Und wo bleibt das ganze Holz eigentlich? Antworten auf diese Fragen liefert die Holzrohstoffbilanz von Udo Mantau.aus dem Jahr 2012. Diese Studie ist unter Waldschützern viel zu wenig bekannt. Zu Unrecht – denn sie liefert Antworten auf die Frage, warum der Nutzungsdruck auf die Wäldern so stark zugenommen hat. Ein katastrophale Rolle spielt dabei der Boom beim Brennholz. Hier geht es zu meinem Bericht: Gruselige Zahlen aus der Holzrohstoffbilanz.
EU-Kommission: Ein Fall von beispielloser Stümperhaftigkeit
„Ein[en] Fall von beispielloser Stümperhaftigkeit“ nennt Norbert Panek die Antwort der Europäischen Kommission – Generaldirektion Umwelt auf seine Beschwerde über die Zerstörung des Buchenwalds am Neugesäß im FFH-Gebiet Hoher Keller südlich des Nationalparks Kellerwald-Edersee in Hessen.
Die Antwort hätte ebenso gut von Samuel Beckett verfasst worden sein können: Referatsleiter Paul Speight verlegt das Neugesäß kurzerhand in den Nationalpark Kellerwald-Edersee, den er noch dazu falsch schreibt:
„Ich stelle fest, dass das Gebiet „Hoher Keller“ Teil des Nationalparks „Kellerwald Edlersee“ (sic!) ist.“
Dann verweist er Panek an das Hessische Umweltministerium:
„Dieses ist […] faktisch in einer besseren Lage, die Situation vor Ort zu bewerten. Es ist nicht ersichtlich, dass das Landesministerium oder gegebenenfalls die die Verwaltung kontrollierenden deutschen Gerichte dieser Aufgabe nicht nachkommen bzw. nachkommen würden.“
Ich dokumentiere hier das unglaubliche Originaldokument, das mir Herr Panek freundlicherweise zur Verfügung gestellt hat. Ich versichere, dass es sich nicht um eine Satire des Postillon oder der Titanic handelt. Paneks Antwort, die sichtlich um Fassung bemüht ist, dokumentiere ich hier.
