Alle Eichenwälder in Deutschland sind bedroht

In der Fragestunde zum Vortrag über „Wilde Wälder“ nimmt Knut Sturm kein Blatt vor den Mund:

Alle Eichenwälder in Deutschland sind bedroht. Als ich die Daten für den acidophilen Eichenmischwald gesehen habe, ist es mir eiskalt den Rücken herunter gelaufen. […] Alle dicken Bäume werden abgeräumt, und es wächst nichts nach. Wenn man mir so etwas vor 10 Jahren vorgelegt hätte, als ich häufig in Entwicklungsländern gewesen bin, dann hätte ich gesagt, ich bin im Kongo oder in Brasilien, aber ich hätte nie gedacht, dass ich in Deutschland bin. […] Es gibt eine systematische Ausrottung von deutschen Waldgesellschaften.“

Hier geht es zu meinem Artikel: Teil 1 der Fragestunde – Nadelholzmangel, Eichenwälder, Nutzungsverzicht, Vorratsaufbau.

Alte Wälder schützen das Klima

Im fünften und letzten Teil des Vortrags präsentiert Dr. Torsten Welle von der Naturwald-Akademie vier neue wissenschaftliche Studien. Alle vier beschäftigen sich mit der Frage, welchen Beitrag Wälder für den Klimaschutz leisten können. Dabei korrigiert Welle Fake Knowledge der Forstwissenschaft, wie z. B. das Märchen, dass alte Wälder keinen Beitrag zum Klimaschutz leisten würden.

Hier geht es zum fünften Teil des Vortrags: Klimawandel. Am Ende folgt noch eine kurze Zusammenfassung.

Hohe Holzvorräte und dicke Bäume

Im vierten Teil des Vortrags berichtet Knut Sturm u. a. über den Starkholzaufbau im Stadtwald Lübeck. Dabei korrigiert er Fake Knowledge der Forstwirtschaft: Dünne Bäume wachsen nicht schneller als dicke Bäume.

Aber der Vortrag ist nicht nur sehr lehrreich, sondern auch wegen der Bonmots von Sturm sehr amüsant:

„Die Krone hat sich die Mecklenburgische Forstverwaltung gerade aufgesetzt! Sie hat die Zieldurchmesser für die Kiefer bei 35 cm festgeschrieben. Das ist für mich Kindermord!“

Hier geht es zum vierten Teil des Vortrags: Starkholzaufbau und Biodiversität.

Ergebnisse der Naturwaldforschung im Stadtwald Lübeck

In einem meiner letzten Artikel berichtete ich über das Ergebnis meiner Recherche zu zwei Buchenbeständen im FFH-Gebiet „Wälder von Porta Westfalica“: Die Holzvorräte pro ha waren mit 209 bzw. 163 m³ erschütternd niedrig. Damals hatte ich die Werte mit den 356 m³ aus der Bundeswaldinventur verglichen. ((siehe Fassadennaturschutz in Porta Westfalica – Analyse der Bestandsblätter)) Noch schlimmer wird es, wenn man Werte aus dem Stadtwald Lübeck zum Vergleich heranzieht: Im seit 100 Jahren unbewirtschafteten Schattiner Zuschlag beträgt der Holzvorrat 1.100 m³ und im bewirtschafteten Berkenstrükener Wald 800 m³. Selbst in einem Lübecker Wirtschaftswald steht viermal mehr Holz als in einem europäischen Naturschutzgebiet nahe meiner Heimat Porta Westfalica!

Über die Ergebnisse der Naturwaldforschung im Stadtwald Lübeck informiert der dritte Teil des Vortrags von Knut Sturm und Dr. Torsten Welle: Teil 3 des Vortrags – Naturwälder.

Herausragender Vortrag von Knut Sturm und Torsten Welle

Am 9. Februar 2018 haben Knut Sturm, Forstamtsleiter des Stadtwalds Lübeck, und Dr. Torsten Welle, Leiter Wissenschaft und Forschung der Naturwaldakademie, einen Vortrag im Waldsalon des Bergwaldprojekts gehalten. Thema war der Zustand des Waldes und seine Bewirtschaftung. Es ist nicht nur der beste Vortrag, den ich in den letzten Jahren zu diesem Thema gehört habe, sondern der Inhalt übertrifft auch alles, was ich in den letzten Jahren dazu gelesen habe. Wenn Sie wissen wollen, in welch wirklich beunruhigenden Zustand der deutsche Wald ist  – und zwar mit harten, wissenschaftlich belegbaren Zahlen – und wie man es besser machen kann, schauen Sie sich diesen Vortrag an!

Mittlerweile steht der Vortrag auf Youtube und ich habe den ersten und zweiten Teil transkribiert: Wilde Wälder – Vortrag von Knut Sturm und Torsten Welle.