Zur Fingerhut-Blüte in den Schellenberger Wald

„Es ist eine kleine Sensation!“ Bernd Schmidt-Knop, Leiter von Grün-und-Gruga, und Roland Haering, Leiter des Forstamts, strahlen in die Fotoapparate. Grün-und-Gruga hat zum Pressetermin in den Schellenberger Wald nach Essen-Heisingen eingeladen. „Normalerweise blüht der Rote Fingerhut nur auf den großen Kahlschlägen im Nationalpark Eifel oder Harz. Seit diesem Jahr blüht er auch im Schellenberger Wald!“ Stolz führen Schmidt-Knop und Häring die Journalisten zu einer großen Gruppe der Pflanzen mit den schönen roten Blüten.

 

„Das Erholungsdauerwald-Konzept von Professor Dubbel funktioniert! Mit den naturfernen Buchenmonokulturen ist Schluss! Seit wir hier die Hälfte der 200 Jahre alten Buchen gefällt haben, explodiert die Artenvielfalt!“ freut sich Schmidt-Knop. Und sein Kollege Haering ergänzt: „Viele Arten, die auf der Roten Liste stehen, wachsen jetzt hier: Holunder, Brennnesseln, Springkraut, Adlerfarn, Brombeeren und sogar der vom Aussterben bedrohte Große Sauerampfer!“ (siehe Rückkehr des Fingerhuts, WAZ vom 31. Mai 2014)

Grün-und-Gruga ist beleidigt

Am 12. Mai 2014 hatte ich dem Leiter der Abteilung Waldungen und Baumpflege bei Grün-und-Gruga Essen, Herrn Häring, einen Brief geschrieben und ihn um 2 Auskünfte gebeten:

  • Welcher Umsatzerlös wurde mit dem Verkauf der 6.366 m3 Holz erzielt, die im Wirtschaftsjahr 2014 eingeschlagen wurden?
  • Wie hoch waren die Personalkosten für Forstwirte, Forstrevierleiter und Forstverwaltungsbeamte, die mit dieser Holzernte verbunden waren?

Meine Vermutung ist, dass das Forstamt von Grün-und-Gruga notorisch defizitär ist. Wilhelm Bode hat ähnliches für den Landesbetrieb Wald-und-Holz festgestellt (siehe Das NRW-Bürgerwaldkonzept, S. 278 ff.). Ich hatte um eine Antwort bis zum 31. Mai 2014 gebeten.

Stattdessen erhalte ich am 28. Mai 2014 folgendes Schreiben vom obersten Chef, Herrn Schmidt-Knop. Er ist „beleidigt“ wegen der „billigen Polemik“ in meinem Beitrag Informationsveranstaltung mit Förstern. Weiterlesen

„Kleine Kahlschläge“ – Frau Kehl klärt auf

Frau Kehl ist hauptamtliche Natur- und Landschaftsschützerin. Sie arbeitet im Dezernat 51 der Bezirksregierung Düsseldorf.

 

In einem Brief vom 6. Februar 2014 klärt sie die Bürgerin Roswitha Krause auf, die über die Baumfällungen von Grün-und-Gruga-Essen empört ist :

„Bei der forstwirtschaftlichen Betriebsart des Femelschlags werden im Wald unregelmäßig verteilte kleiner Parzellen festgelegt (Femelschläge). An diesen Stellen werden erst nur Gruppen von Bäumen gefällt. Dann werden nach und nach die Parzellen radial erweitert, bis zuletzt durch die Entfernung der letzten Altbäume zwischen den Parzellen eine geschlossene Fläche entsteht. Durch den langsam gesteigerten Lichteinfall unter dem Kronendach wird eine natürliche Verjüngung ermöglicht, so dass Bäume aller Altersstufen kleinflächig vermischt sind.

Diese Art der Bewirtschaftung hat den Vorteil, dass durch die kleinen Parzellen unterschiedlicher Altersstadien ein hoher Strukturreichtum auf kleinerem Raum gegeben ist. Die kleinen Kahlschlagsflächen mit Naturverjüngung und auch die sich ausbildenden Übergangsbereiche (Säume) können Ersatzhabitate für selten gewordene (Tier-) Arten sein, die an diese relativ seltenen Saumbiotope und an Biotope jüngerer Sukzessionsstadien angepasst sind.“

An der Graf-Zeppelin-Straße in Essen-Kettwig hat Forstrevierleiter Wuttke die kleine Parzelle, in der er im März 2013 eine Gruppe von alten Buchen gefällt hatte, in vorbildlicher Weise radial erweitert.

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Fällungsstopp im Lührmannwald?

Die WAZ berichtet am 14. Mai 2014 ausführlich über die Informationsveranstaltung vom 12. Mai (siehe voriger Beitrag). Der Zeitungsbericht trägt die Überschrift: Stadt Essen fällt vorerst keine Bäume mehr auf der Margarethenhöhe.

Panzerübungsplatz Lührmannwald

Im Umweltausschuss der Stadt Essen wurde am 13. Mai 2014 über den Wirtschaftsplan 2015 von Grün-und-Gruga abgestimmt, der das Gegenteil aussagt. In der Anlage zum Wirtschaftsplan 2015 steht auf Seite 3 klipp und klar: Im Stadtbezirk III sind 600 m3 Holz zur Fällung vorgesehen (siehe Anlage zum Wirtschaftsplan 2015). Das Wirtschaftsjahr 2015 beginnt am 1. Oktober 2014. Sogar der Ortstermin mit dem Förster steht schon fest: 25. August 2014 am Parkplatz Külshammerweg/Ecke Lührmannstraße (siehe Waldpflegemaßnahmen gemäß Wirtschaftsplan 2015 im Stadtbezirk III). Der Termin wurde auf Wunsch der Bezirksvertretung von ursprünglich geplanten 15 Uhr auf 17 Uhr verlegt (siehe Protokoll vom 20. März 2014).

Die Tagesordnung der Sitzung des Umweltausschusses und sämtliche Vorlagen zum Download finden Sie im Ratsinformationssystem der Stadt Essen: Tagesordnung.

Auch der WAZ-Artikel vom 6. Mai 2014 über die Initiative Waldschutz ist lesenswert: Bürger schließen sich zur Initiative Waldschutz zusammen.