Borkenkäferschutzzone im Nationalpark Harz

Das Foto zeigt den Meineberg südlich von Ilsenburg im Januar 2015. Der Berg liegt in der Borkenkäfer-Sicherheitszone. Die Fichtenwälder des Meinebergs wurden 2007 und 2008 zum Schutz der angrenzenden Wälder kahlgeschlagen. ((siehe Gebietsgliederung des Nationalparks Harz))

„Hier in den Randbereichen trägt der Nationalpark aber auch eine Verantwortung gegenüber seinen Nachbarn, deren Auftrag die Erzeugung von Holz als wichtigstem nachwachsendem Rohstoff ist. Diese Bestände bedürfen des Schutzes.“ ((Zitat von der am Meineberg aufgestellten Lehrtafel „Auf den Spuren des Borkenkäfers“))

Der Nachbar ist das Revier Wernigerode des Forstbetriebs Oberharz des Landesforstbetriebs Sachsen-Anhalt. Schutzbedürftig sind dessen Fichtenforste. Die Rohstofferzeugung erfolgt ebenfalls im Kahlschlagverfahren:

Planmäßiger Abtrieb eines Fichtenforsts durch Bernhard Wolff, Leiter des Reviers Wernigerode, im Januar 2015 nordöstlich der Plessenburg

Naturwaldreservat Lösershag in Unterfranken

Der Lösershag ist ein Naturwaldreservat in Unterfranken. Georg Sperber lobt es in seinem Buch „Urwälder Deutschlands“ so überschwänglich, dass ich auf der Rückfahrt aus dem Steigerwald dort im März letzten Jahres Zwischenstation gemacht habe. Das Wetter war eine Katastrophe: Es war dunkel und trüb und diesig und es nieselte. Zu allem Unglück führte der Urwald-Lehrpfad direkt an einem frischen Lichtungshieb in einem Buchenaltbestand vorbei. Vielleicht fällt mein Bericht auch deshalb zwiespältiger aus als der von Sperber: Mir reichen 61,8 ha einfach nicht. In NRW heißen die Naturwaldreservate nicht umsonst Naturwaldzellen. Ich bekomme da Platzangst. Hier geht es zu meinem Bericht: Lösershag.

 

Offizielle Zahlen zum Holzeinschlag im Nationalpark Bayerischer Wald

Ministerialrat Josef Seidenschwarz, stellvertretender Leiter des Referats 63 für Schutzgebietssysteme und Natura 2000 im Bayerischen Staatsministerium für Umwelt und Verbraucherschutz, war so freundlich, mir heute die amtlichen Zahlen zum Holzeinschlag im Nationalpark Bayerischer Wald mitzuteilen. Die Zahlen reichen von 1995 bis 2013 und sind aufgeschlüsselt nach dem offiziellen Grund für die Fällung: Borkenkäfer, Windwurf, Schneebruch und dem regulärer Holzeinschlag.

Holzeinschlag_1995_2013

Die Zahlen weichen ein klein wenig nach oben oder unten von denjenigen Zahlen ab, die ich selbst mühsam aus den Jahresberichten zusammengesammelt hatte. Um die Zahlen einordnen zu können, lesen Sie bitte meinen Artikel „Tricksen, Tarnen, Täuschen„. Man lasse sich nicht von den vergleichsweise niedrigen Zahlen 2012 und 13 täuschen: Ein Wirbelsturm wie am 13. Juli 2011 ((siehe Gfällei – vorprogrammierter Kahlschlag)) oder ein Orkan wie Kyrill am 18./19. Januar 2007 ((siehe Ultraviolence)) – und im Nationalpark singen wieder die Sägen. ((siehe die Jahre 2001 und 2002))

Die Auskunftsfreudigkeit des Ministerialrats hat Grenzen: Die Protokolle der Nationalparkbeirats sind geheim. Der Beirat tagt nicht öffentlich. ((zur Rolle des Nationalparkbeirats siehe Nationalparkverordnung § 17))

Aus dem Schulbuch #2

In einem Biologie-Lehrbuch für gymnasiale Oberstufe in NRW ((Ulrich Weber (Hg.) Biologie Oberstufe Gesamtband, Cornelsen Verlag Berlin 2001, S. 348)) heißt es:

„Naturwälder sind durch ungleichen Kronenschluss der Baumschicht und ein Mosaik aus Dickungen, Lichtungen und Kleinstlebensräumen wie Baumstümpfen noch stärker strukturiert.“

Ungefähr so also:

Ein Naturwald wie aus dem Lehrbuch: Dickungen, Lichtungen und Baumstümpfe am Lösershag.

 

Häßlichkeit #2

Zitat aus dem aktuellen Waldbauhandbuch der Bayerischen StaatsforstenGrundsätze für die Bewirtschaftung von Buchen- und Buchenmischbeständen im Bayerischen Staatswald :

„Im Kern zeichnen sich die Grundsätze dadurch aus, dass

  • natürliche Prozesse gezielt genutzt werden bei der Selbstdifferenzierung von Baumarten und Individuen, insbesondere im Jungbestand, in der Altdurchforstung und Verjüngung,
  • dauerhaft strukturreiche Bestände durch Vorratsbegrenzung entstehen und
  • mit Blick auf die Dynamik in Buchen-Urwäldern langfristig räumlich differenziert femelartig und unvollständig (Belassen von Biotopbäumen) verjüngt wird.

Damit reichen die Grundsätze weit über den Horizont typischer Produktionsprogramme
hinaus.“ ((S. 4))

In der Praxis sieht die typische Produktion von Holz dann so aus:

Schirmschlag des Forstbetriebs Bad Brückenau der Bayerischen Staatsforsten (Revier Oberbach) direkt neben dem Naturwaldreservat Lösershag (Kernzone des Biosphärenreservats Rhön) im Naturschutzgebiet Schwarze Berge und FFH-Gebiet Bayerische Hohe Rhön im März 2014