Waldentwicklung 2.0 im Nationalpark Eifel

Ich habe den Kahlschlag am Wüstebach im Süden des Nationalparks Eifel besucht und ein Video von 8 Minuten gedreht. Es handelt sich um den Kahlschlag, über den das Fernsehmagazin Plusminus Anfang Januar berichtet hatte. Mit Ausnahme der kleinen Bachaue ist die Fläche pulvertrocken. Auf einem Großteil der Fläche wächst buchstäblich kein Gras mehr. Die wenigen 20-30 cm großen Vogelbeerbäumchen sind total verbissen. Nicht umsonst hat man eine Fläche von 1 ha mit einem 2 m hohen Wildschutzzaun eingezäunt.

 

 

Kahlschläge wie dieser sind der Grund für die Fachtagung „Wald in Entwicklung 2.0“ am 4. Juni 2014 im Nationalpark Eifel.

Kritik der „Online-Abstimmung“ im NP Eifel

Das Forstamt des Nationalparks Eifel führt zur Zeit eine Online-Abstimmung zum Waldumbau durch. Die Teilnehmer werden gefragt, wie es auf den Kahlschlägen in den Bachtälern und auf dem Kermeter weitergehen soll. Denn: Fichte und Douglasie kehren auf den Kahlschlägen zurück.

„Waldumbau“ am Wüstebach in Pafferscheid

Ich stelle Ihnen den Fragebogen im Wortlaut vor und kritisiere ihn dann ausführlich. Der Fragebogen ist plumpe Meinungsmache. Er soll dem Forstamt einen Persilschein für weitere Holzfällungen im Park ausstellen: Meinungsmache durch Online-Abstimmung.

Großkahlschlag am Heinrich-Heine-Weg im NP Harz

Es war ein Schock! Der Aufstieg durch das Ilsetal zum Brocken war bis dahin sehr hübsch gewesen. Dann öffnete sich plötzlich der Wald und ich stand vor einem 25 ha großen Kahlschlag. Als hätte ein Meteorit eingeschlagen. Über die Hintergründe des Kahlschlags habe ich eine kritische Dokumentation verfasst: Großkahlschlag am Heinrich-Heine-Weg

Die Geschichte ist voller bizarrer Details: Schüler, die auf dem Kahlschlag herumturnen und Buchen pflanzen – gesponsort von einem Werbepartner. Ein Informationsschild des NP-Forstamts, das an Realsatire grenzt. Ein lustiges Youtube-Video.

Bei der Analyse stütze ich mich u. a. auf den Nationalparkplan und einen Brief von Nationalparkleiter Andreas Pusch.

Försterparadies Nationalpark Schwarzwald?

Wenn Sie meinen, der Naturschutz habe heute mit der Eröffnung des Nationalparks Schwarzwald einen großen Sieg errungen, sollten Sie sich diese Seite auf der offiziellen Homepage des Nationalparks durchlesen. Sie heißt ganz offiziell und unverblümt: Holzeinschlag. Ich habe die große Sorge, dass es dort genauso zugehen wird wie in der Eifel und im Harz: Heerscharen von Forstwirten – im Nationalpark Harz sind es über 100 – werden in riesigen Entwicklungs- und Managementzonen den Wald  „umbauen“, die „Strukturvielfalt fördern“ und mit „phytosanitären“ Großkahlschlägen Borkenkäferkalamitäten „sanieren“. Sie werden Fichten fällen: 10.000nde von Festmetern jedes Jahr wie in der Eifel und im Harz. 30 Jahre lang.

Schauen Sie sich bitte auf der Homepage des Freundeskreis Nationalpark Schwarzwald  die Abbildung zur Zonierung an: Die Kernzone ist winzig im Vergleich zur Entwicklungs- und Managementzone. Schon mit dieser Grafik scheint man vor den Förstern und ihrem „Managementplan“ zu kapitulieren. Wenn mein Alptraum wahr wird, werden die Naturschutzverbände auch dort zu den Holzeinschlägen schweigen, wie sie es in der Eifel oder im Harz tun. Der Freundeskreis Nationalpark Schwarzwald wird sämtliche Kahlschläge und Holzeinschläge abnicken wie es auch der Freundeskreis Nationalpark Eifel gemacht hat. Viele Aktive, die jahrelang für den Nationalpark gekämpft haben, werden längst im Altenpflegeheim sein, da werden im NP Schwarzwald immer noch die Harvester Großkahlschläge in den Entwicklungszonen machen.

Kahlschlag im NP Eifel am Wüstebach, Oktober 2013

Der Nationalpark Harz als Opfer der Förster

Die folgede Satellitenaufnahme zeigt das Kleine Sandtal im Nationalpark Harz. Es liegt Luftlinie 4 km südwestlich von Ilsenburg. Bei den hellen Flächen handelt es sich um Großkahlschläge in Fichtentwäldern.

Großkahlschläge SandtalQuelle: Google Maps

Der mit einem roten X markierte Kahlschlag hat allein eine Größe von 5,5 ha. Das Nationalparkforstamt hat die Kahlschläge 2008 nach Kyrill in der Entwicklungszone vorgenommen, um „große Fichtenkomplexe“ vor dem Borkenkäfer zu „schützen“ (siehe Natur schützen: Waldentwicklung im Nationalpark Harz). Die Großkahlschläge fanden nicht in der 500 m-Schutzzone an der Außengrenze des Parks statt, um benachbarte Privatwälder zu schützen. Die Kahlschläge waren sinnlos: Der Borkenkäfer breitet sich munter weiter aus, wie man an den abgestorbenen Fichtenwäldern im Osten des Sandtals sehen kann.

Das folgende Panoramfoto zeigt den oben mit einem roten X markierten Großkahlschlag im Kleinen Sandtal. Klicken Sie mit der rechten Maustaste auf das Foto und wählen dann „Link in neuem Fenster öffnen“. Dann öffnet sich das Panorama. Klicken Sie mit der Lupe auf das Bild und scrollen Sie mit den vertikalen und horizontalen Bildlaufleisten in dem Panorama herum:

Panorama SandtalPanoramafoto des Großkahlschlags im Kleinen Sandtal (8.984 x 2.400 Pixel, 14,3 MB)

Die Kahlschläge waren direkte Konsequenz einer Ideologie der „Waldentwicklung“. Ich werde diese in den kommenden Wochen in einer Reihe von Artikeln kritisieren. Hier der erste Beitrag: Der Nationalpark Harz als Opfer der Förster