Waldentwicklung im Nationalpark Harz nicht mehr „sanft“

Meine Kritik am Nationalpark Harz rettet zwar nicht die Fichtenwälder vor weiteren Kahlschlägen, aber immerhin führt sie zu kleinen Änderungen an den Texten auf der Nationalpark-Homepage. Ursprünglich lautete der Text auf der Seite mit dem Titel „Natur schützen: Waldentwicklung im Nationalpark Harz“ folgendermaßen:

„Im Nationalpark überlassen wir den Wald in bereits naturnahen Gebieten einfach sich selbst und vertrauen auf seine Kräfte (Naturdyamikzone). In anderen Bereichen helfen wir ihm sanft auf die Sprünge, halten den Borkenkäfer fern oder fördern den Kreislauf des Lebens aus Werden und Vergehen (Naturentwicklungszone).“ (Hervorhebung von mir)

In meinem Beitrag „Der Nationalpark Harz als Opfer der Förster“ war mir das Wort „sanft“ aufgefallen:

„Das Wort „sanft“ ist gelogen: In Wirklichkeit ist das eine Drohung: „Ich werde Dir gleich auf die Sprünge helfen!“ Fichtenforste werden „entwickelt“, wie ungezogene Gören erzogen werden.“

Nun hat die Nationalparkverwaltung das Wort „sanft“ von der Homepage streichen lassen. Immerhin! An der verrückten Idee, einem Wald „auf die Sprünge zu helfen“, hält man weiterhin fest.

Hier die Links zu Screenshots der betreffenden Homepage:

unsanfte Waldentwicklung im Nationalpark Harz

Ahnert zum Kahlschlag im NP Eifel: „Es gab keine Alternativen!“

Forstdirektor Gerd Ahnert (Fachgebietsleiter Waldentwicklung) im Bericht der Lokalzeit Aachen:

„Ein Kahlschlag ist im ersten Moment ästhetisch unschön. Und er hat auch andere Nachteile. Das ist richtig. Aber ich denke, in diesem Fall gab es keine großen Alternativen. Es war die Lücke da durch den Windwurf. Das sieht man da, wo jetzt die Birken schon höher sind. Und das, was hier am Rand noch stand, konnte man auf Dauer sowieso nicht erhalten. … Aber 5 Jahre sind für den Wald ein Fliegenschiss. Ist doch so! Nach 3 Jahre sieht man schon: Hier kommt ein neuer Wald.“

Zäune für die Wissenschaft

Panoramafoto des Zauns auf dem Kahlschlag am Wüstebach

„Der Zaun dient dem Tereno-Projekt und ist der Wissenschaft geschuldet.“ (Henning Walter, Aachener Zeitung vom 2.6.2014)

Hinweis: Das hochauflösende Panoramafoto ist 5,7 MB groß. Die Auflösung beträgt 5.402  x 1.200 Pixel. Klicken Sie mit der rechten Maustaste auf das Foto und wählen dann “Link in neuem Fenster öffnen”. Dann öffnet sich das Panorama. Klicken Sie mit der Lupe auf das Bild und scrollen Sie mit den vertikalen und horizontalen Bildlaufleisten in dem Panorama herum.

Mehr Wildnis wagen

Gestern erschien in der Aachener Zeitung ein hochinteressantes Streitgespräch zwischen Herrn Krischer, Vorsitzendem des Fördervereins Nationalpark, und dessen Leiter Herrn Walter. Den Streit moderierte Marlon Gego.

Kahlschlag am Wüstebach mit neugebautem Zaun zum Schutz der Wissenschaft

Erfreulich ist der Sinneswandel des Fördervereins: Stellte man sich im Januar nach dem Plusminus-Fernsehbericht noch demonstrativ hinter die Nationalparkverwaltung (siehe Persilschein für Kahlschläge), so geht Krischer nun deutlich auf Distanz. Aber lesen Sie selbst! Nationalpark Eifel: „Mehr Wildnis wagen!“

Kahlschlag im Dienste des TERENO-Projekts

Hintergrund für Krischers klare Worte („Fundamentalangriff auf den Sinn des Nationalparks“) sind auch Gerüchte und Befürchtungen in der Region: Gerüchteküche um weitere Kahlschläge, Köllnische Rundschau vom 15. April 2014.

Warum Walter bestreitet, dass es sich um einen Wildschutzzaun handelt, erschließt sich mir nicht. Gezäunt wurde eine Fläche von 1,5 ha. Bei meiner Wanderung durch das Wüstebachtal habe ich 2 weitere neue Wildschutzzäune entdeckt, die sicherlich nichts mit dem TERENO-Projekt zu tun haben.

Dr. Aletsee antwortet nicht

Dr. Manfred Aletsee gehört zu den Very Serious People. Er ist Mitglied des Landesvorstands des NABU-NRW, des NABU-Eifelteams und des Wissenschaftlichen Beirats des Nationalparks Eifel. Dort wird er für den NABU am 4. Juni 2014 auf der Fachtagung „Wald in Entwicklung 2.0“ auftreten. Sein Kollege Dr. Eike Lange, Vorsitzender des NABU-Aachen, sitzt in der Nationalpark-Arbeitsgruppe, die die Kahlschläge am Wüstebach abgenickt hat.

Dr. Aletsee hat für die NABU-Homepage eine sonderbare Bilanz zum 10jährigen Bestehen des Nationalparks Eifel gezogen (siehe „NABU gratuliert …„). So hält er die Großkahlschläge im Nationalpark für „naturschutzfachlich sinnvoll“ und fordert, die „FSC-Zertifizierung der Nationalparkwälder … wieder aufzuheben“.

der Wüstebach 9 Monate nach dem „naturschutzfachlich sinnvollen“ Großkahlschlag

 

Deshalb habe ich ihm einen offenen Brief mit 3 Fragen geschrieben. Geantwortet hat Dr. Aletsee nicht. Hier geht es zu meinem Brief: Weiterlesen