Gefährdet das Lübecker Modell Arbeitsplätze?

Die Fragestunde zum Vortrag „Wilde Wälder“ von Torsten Welle und Knut Sturm plätschert so vor sich hin, aber dann wird es richtig spannend. Ein Förster aus Würzburg meldet sich zu Wort und fährt schweres Geschütz auf:

„Die großen Forstverwaltungen, die Landesforstverwaltungen, die haben ein anderes Konzept. Da stecken Arbeitsplätze dahinter. Da steckt das Cluster Holz dahinter. Es gibt da eine Reihe von Sachzwängen, wo man dann fragen muss: Naja, wir wägen ab, wollen wir jetzt die Arbeitsplätze erhalten oder wollen wir Vorrat aufbauen? Letztlich wird es immer so sein, dass dann die Politik […] für den Menschen entscheidet und gegen ein Konzept wie dieses, das Sie gerade uns erklärt haben.“

Die Antwort von Knut Sturm finden Sie hier: Teil 4 der Fragestunde – Landesforsten und Arbeitsplätze.

Ausverkauf im Rumbecker Wald

Im März 2018 kauften die beste Ehefrau von allen und ich den Wanderführer Unser Sonntagsausflug von Ingeborg Müller. Das war ein Fehler. Wir übersahen, dass das Buch 10 Jahre alt war. Vermutlich war er schon 2008, im Jahr der 2. Auflage, überholt. 2018 aber stimmte nichts mehr: Der Rumbecker Berg bei Hessisch Oldendorf gilt bei Wanderern sicherlich nicht mehr als „Geheimtipp“. ((Ingeborg Müller, Unser Sonntagsausflug, Hameln 22008, S. 198)) Vermutlich war er das auch nie wegen des Waldes, sondern einzig und allein wegen des Ludwigsturms, früher angeblich „einer der lohnendsten Aussichtstürme der Region“. ((a. a. O., S. 195)) Jetzt war er geschlossen. Und das Wandern wurde nicht „zur Lust“, ((ebd.)) sondern zu einer nicht enden wollenden Qual.

Es gibt nichts Schönes im Rumbecker Wald. Caspar David Friedrich wäre schreiend davon gelaufen. Für derart hässliche Wälder gibt es in der deutschen Sprache kein Schimpfwort: Holzacker? Holzplantage? Holzfabrik? Kunstforst? Försterwald? Das passt alles nicht. Drecksloch? Das kommt der Sache schon näher.

Ausverkauf im Rumbecker Wald


Am besten passt vielleicht ein Schimpfwort aus Ostwestfalen, das eigentlich nicht zitierfähig ist: Scheißeimer. Weiterlesen

Alle Eichenwälder in Deutschland sind bedroht

In der Fragestunde zum Vortrag über „Wilde Wälder“ nimmt Knut Sturm kein Blatt vor den Mund:

Alle Eichenwälder in Deutschland sind bedroht. Als ich die Daten für den acidophilen Eichenmischwald gesehen habe, ist es mir eiskalt den Rücken herunter gelaufen. […] Alle dicken Bäume werden abgeräumt, und es wächst nichts nach. Wenn man mir so etwas vor 10 Jahren vorgelegt hätte, als ich häufig in Entwicklungsländern gewesen bin, dann hätte ich gesagt, ich bin im Kongo oder in Brasilien, aber ich hätte nie gedacht, dass ich in Deutschland bin. […] Es gibt eine systematische Ausrottung von deutschen Waldgesellschaften.“

Hier geht es zu meinem Artikel: Teil 1 der Fragestunde – Nadelholzmangel, Eichenwälder, Nutzungsverzicht, Vorratsaufbau.

Alte Wälder schützen das Klima

Im fünften und letzten Teil des Vortrags präsentiert Dr. Torsten Welle von der Naturwald-Akademie vier neue wissenschaftliche Studien. Alle vier beschäftigen sich mit der Frage, welchen Beitrag Wälder für den Klimaschutz leisten können. Dabei korrigiert Welle Fake Knowledge der Forstwissenschaft, wie z. B. das Märchen, dass alte Wälder keinen Beitrag zum Klimaschutz leisten würden.

Hier geht es zum fünften Teil des Vortrags: Klimawandel. Am Ende folgt noch eine kurze Zusammenfassung.