Peter Wohlleben und die 2 Millionen Privatwaldbesitzer

Es gibt in Deutschland knapp 2 Millionen Privatwaldbesitzer. Nur 20 Eigentümer besitzen mehr als 5.000 ha, die meisten davon Adelsfamilien mit bis zu 20.000 ha. Aber 98 % besitzen weniger als 20 ha, im Durchschnitt 3 ha. ((siehe Heino Polley und Petra Hennig, Waldeigentum im Spiegel der Bundeswaldinventur, AFZ-DerWald 6/2015, S. 34))

2013 erschien von Bestsellerautor Peter Wohlleben das Buch „Mein Wald – nachhaltig, sanft, wirtschaftlich“. Es richtet sich ausdrücklich an diese 98 % Privatwaldbesitzer:

„Waldwirtschaft – es geht auch sanft! Der durchschnittliche Privatwaldbesitzer verfügt nur über einen Hektar Wald – scheinbar zu wenig, um sinnvoll zu wirtschaften. Wie dies dennoch möglich ist, erfahren Sie hier – und zwar ohne viel Fachchinesisch.“

Und jetzt raten Sie mal, wie viele Bücher verkauft wurden! Weiterlesen

Warum gibt es keinen öffentlichkeitswirksamen Protest gegen die Forstwirtschaft?

Vielleicht lebe ich in Porta Westfalica hinterm Mond und bekomme das alles nur nicht mit. Vielleicht gibt es überall im Land Bürgerinitiativen zum Schutz alter Buchenwälder, die wöchentlich Mahnwachen vor dem Rathaus mit Hunderten von Teilnehmern organisieren. Vielleicht liegt die letzte Demonstration für den Nationalpark Steigerwald mit Zehntausenden von Demonstranten nur wenige Wochen zurück. Vielleicht finden vor dem Forstbetrieb Rothenbuch im Spessart jeden Monat Sitzblockaden mit Hunderten von Bürgern gegen das Fällen wertvoller Eichen statt. ((siehe BUND-Waldreport 2016, S. 8 ff.)) Vielleicht gab es im letzten Jahr eine Großdemonstration in Berlin mit über 100.000 Teilnehmern, auf der die bundesweite Einführung des Lübecker Konzepts der Naturnahen Waldnutzung gefordert wurde. Vielleicht weiß ich von all dem einfach nur nichts.

Castor 2011 - Harlingen 8364Keine Sitzblockade vor dem Forstbetrieb Rothenbuch, sondern gegen den Castor-Transport auf den Gleisen bei Harlingen am 26. November 2011

Ich fürchte aber, es ist ganz anders: Kein einziger Chef der Landesforsten zittert vor irgendeinem Umweltverband. Kein einziger Forstamtsleiter hat schlaflose Nächte wegen irgendeiner Bürgerinitiative. Es gibt keinen öffentlichkeitswirksamen Protest gegen die Forstwirtschaft. Warum ist das so? Weiterlesen

Verkümmern der Eichen auf der Wiederaufforstungsfläche in Essen

Günter Kirsten, Vorsitzender der Heisinger Bürgerschaft, hatte „Tränen in den Augen“, ((Spatenstich für neues Grün im Schellenberger Wald vollzogen, WAZ vom 13. März 2016)) als er im Juni 2014 die Windwürfe im Schellenberger Wald nach dem Sturm „Ela“ sah. Ich hatte Tränen in den Augen, als ich im Juli 2017 die neu gepflanzten Eichen im Schellenberger Wald nach der Entfernung des Unkrauts sah:

Hier geht es zu meinem Artikel: Verkümmern der Eichen auf der Wiederaufforstungsfläche im Schellenberger Wald.

Das Unkraut entwickelt sich prächtig!

Tobias Hartung ist Förster bei Grün und Gruga Essen. Drei Jahre nach dem Pfingststurm Ela verkündet er freudestrahlend in der WAZ bei der Bestandsaufnahme im Schellenberger Wald: „Der Wald entwickelt sich prächtig!“ Zwei Wochen später möchte ich mich selbst davon überzeugen, „dass sich der Wald fantastisch verjüngt“, und fahre nach Essen-Heisingen, wo Grün und Gruga aufgeforstet hat. „Beim Ahorn haben wir einen Zuwachs von einem Meter pro Jahr.“ Nicht nur beim Ahorn, sondern auch bei Adlerfarn, Brombeere, Brennnessel, Hohlzahn, Klette, Weidenröschen und Fingerhut. Die künstlich gepflanzten jungen Traubeneichen, Winterlinden und Weiß-Tannen ertrinken in einem Meer von Unkraut.

Weiß-Tanne (Pfeil) inmitten von Gemeinem Hohlzahn

Hier geht es zu meinem Bericht mit vielen Hintergrundinformationen zum Thema Unkraut aus forstwirtschaftlicher Sicht: Unkraut auf der Wiederaufforstungsfläche im Schellenberger Wald.

Forstwirtschaft zur Wiederaufforstung im Schellenberger Wald

Liest man forstwirtschaftliche Originalliteratur zum Thema Aufforstung, stellt man überrascht fest, dass das Forstamt von Grün und Gruga im Schellenberger Wald zahlreiche problematische Entscheidungen gefällt hat: So ist z. B. die gepflanzte Traubeneiche sehr empfindlich gegen Spätfröste und bedürfte des Schutzes eines Vorwalds aus robusten Pionierbaumarten. Außerdem benötigt man für die Bepflanzung eines einzigen Hektars mindestens 6.000 Eichen; gepflanzt wurden insgesamt aber nur 4.000 Traubeneichen und Winterlinden.

Informationsschild im Schellenberger Wald

Hier geht es zu meinem Artikel: Forstwirtschaft zur Wiederaufforstung.