Offizielle Zahlen zum Holzeinschlag im Nationalpark Bayerischer Wald

Ministerialrat Josef Seidenschwarz, stellvertretender Leiter des Referats 63 für Schutzgebietssysteme und Natura 2000 im Bayerischen Staatsministerium für Umwelt und Verbraucherschutz, war so freundlich, mir heute die amtlichen Zahlen zum Holzeinschlag im Nationalpark Bayerischer Wald mitzuteilen. Die Zahlen reichen von 1995 bis 2013 und sind aufgeschlüsselt nach dem offiziellen Grund für die Fällung: Borkenkäfer, Windwurf, Schneebruch und dem regulärer Holzeinschlag.

Holzeinschlag_1995_2013

Die Zahlen weichen ein klein wenig nach oben oder unten von denjenigen Zahlen ab, die ich selbst mühsam aus den Jahresberichten zusammengesammelt hatte. Um die Zahlen einordnen zu können, lesen Sie bitte meinen Artikel „Tricksen, Tarnen, Täuschen„. Man lasse sich nicht von den vergleichsweise niedrigen Zahlen 2012 und 13 täuschen: Ein Wirbelsturm wie am 13. Juli 2011 ((siehe Gfällei – vorprogrammierter Kahlschlag)) oder ein Orkan wie Kyrill am 18./19. Januar 2007 ((siehe Ultraviolence)) – und im Nationalpark singen wieder die Sägen. ((siehe die Jahre 2001 und 2002))

Die Auskunftsfreudigkeit des Ministerialrats hat Grenzen: Die Protokolle der Nationalparkbeirats sind geheim. Der Beirat tagt nicht öffentlich. ((zur Rolle des Nationalparkbeirats siehe Nationalparkverordnung § 17))

Aus dem Schulbuch #2

In einem Biologie-Lehrbuch für gymnasiale Oberstufe in NRW ((Ulrich Weber (Hg.) Biologie Oberstufe Gesamtband, Cornelsen Verlag Berlin 2001, S. 348)) heißt es:

„Naturwälder sind durch ungleichen Kronenschluss der Baumschicht und ein Mosaik aus Dickungen, Lichtungen und Kleinstlebensräumen wie Baumstümpfen noch stärker strukturiert.“

Ungefähr so also:

Ein Naturwald wie aus dem Lehrbuch: Dickungen, Lichtungen und Baumstümpfe am Lösershag.

 

Häßlichkeit #2

Zitat aus dem aktuellen Waldbauhandbuch der Bayerischen StaatsforstenGrundsätze für die Bewirtschaftung von Buchen- und Buchenmischbeständen im Bayerischen Staatswald :

„Im Kern zeichnen sich die Grundsätze dadurch aus, dass

  • natürliche Prozesse gezielt genutzt werden bei der Selbstdifferenzierung von Baumarten und Individuen, insbesondere im Jungbestand, in der Altdurchforstung und Verjüngung,
  • dauerhaft strukturreiche Bestände durch Vorratsbegrenzung entstehen und
  • mit Blick auf die Dynamik in Buchen-Urwäldern langfristig räumlich differenziert femelartig und unvollständig (Belassen von Biotopbäumen) verjüngt wird.

Damit reichen die Grundsätze weit über den Horizont typischer Produktionsprogramme
hinaus.“ ((S. 4))

In der Praxis sieht die typische Produktion von Holz dann so aus:

Schirmschlag des Forstbetriebs Bad Brückenau der Bayerischen Staatsforsten (Revier Oberbach) direkt neben dem Naturwaldreservat Lösershag (Kernzone des Biosphärenreservats Rhön) im Naturschutzgebiet Schwarze Berge und FFH-Gebiet Bayerische Hohe Rhön im März 2014

Aus dem Schulbuch #1

„Das Erleben der Holzernte mit schweren Maschinen wie dem Harvester … beeindruckt jeden Beobachter.“  ((Hans-Peter Konopka, Antje Starke (Hg.) Linder Biologie Nordrhein-Westfalen, Biologie-Lehrbuch für die Klassen 8-9 an Gymnasien, Schroedel Verlag Braunschweig 2009, S. 95))

Rückegassen im Wettergrund

Meine letzte Dokumentation über die Bodenzerstörung am Bottroper Schlehenkamp haben mich an Fotos vom Februar 2014 erinnert, die noch auf meiner Festplatte schlummerten. Gegen die Bodenschäden, die ich damals im FFH-Gebiet Wesergebirge nahe Hameln fotografierte, nehmen sich die Schäden in Bottrop beinahe harmlos aus. Einziger Lichtblick damals: ein drolliger Hund, der in den halbmetertiefen Bodengleisen herumtollte.

 

Die erneuten massiven Schäden im FFH-Gebiet verdeutlichen die Ohnmacht des Naturschutzes: Denn bereits 2013 hatte ich wegen der Verwüstungen am Wendgeberg Presse und Umweltamt eingeschaltet und Anzeige gegen das Forstamt Oldendorf der Niedersächsischen Landesforsten erstattet. Zu diesem ganzen Mist kommt hinzu, dass ich mich im März 2014 auch noch mit dem Vorsitzenden der örtlichen Kreisgruppe des BUND, Ralf Hermes, überworfen habe. Lesen Sie hier meinen Bericht, bei dem der Hund der einzige Lichtblick ist: Rückegassen im Wettergrund.