Im Dezember 1998 protestiert der BUND gegen die Borkenkäferbekämpfung im NLP Bayerischen Wald. Ich veröffentliche einen Brief, den die Vorsitzende Dr. Angelika Zahrnt an Ministerpräsident Stoiber geschrieben hat, und eine Presseerklärung mit sechs Forderungen. Beide Texte haben auch 17 Jahre später nichts von ihrer Aktualität eingebüßt. Keine der Forderungen wurde erfüllt: BUND zur Borkenkäferbekämpfung im NLP Bayerischer Wald.
Freundeskreis Nationalpark Steigerwald lädt Sinner ein
Ich leide seit Tagen an der Grippe. Es war für meine Genesung ganz und gar nicht förderlich, als ich lesen musste, dass der Freundeskreis Nationalpark Steigerwald den ehemaligen Leiter des Nationalparks Bayerischer Wald eingeladen hat. Am 25. Februar 2015 soll ausgerechnet Karl-Friedrich Sinner über das Thema „Nationalpark und Trittsteinkonzept – Ergänzung oder Alternative?“ referieren. ((siehe Plakat))
Ich fürchte, dass niemand im Freundeskreis weiß, dass Sinner als Chef des Nationalparks von 1998 – 2010 1.128.079 Festmeter Fichtenholz eingeschlagen hat. ((siehe Offizielle Zahlen zum Holzeinschlag im Nationalpark Bayerischer Wald)) Und zwar nicht mit Trittsteinen sondern mit Kahlschlägen. ((siehe Der Nationalpark als Kahlschlagmaschine)) Man könnte genauso gut Clemens Tönnies, Chef des größten Schweineschlachthofs Deutschlands, über Vegetarismus reden lassen.
Borkenkäferkriegsgebiet am Hirschgespreng
Experten gegen Kahlschläge im Nationalpark Harz
Im Mai 2005 fand im Nationalpark Harz ein Workshop statt zum Thema „Waldumbau“. Der Workshop war hochkarätig mit Experten besetzt. Erst zwei Jahre später erschien der Tagungsband mit den Vorträgen. Er ist nicht online, sondern muss umständlich bestellt werden. ((Nur das Vorwort gibt es zum Download.)) Ich denke, dass dahinter Absicht steht: Den Bericht sollen möglichst wenig Menschen lesen. Denn viele Experten üben mehr oder weniger offen Kritik an der Nationalparkverwaltung. Und in einem Punkt herrschte Einigkeit: Keine Kahlschläge!
Kahlschläge im Nordosten des Nationalparks Harz, gelb ist dessen östliche Grenze eingezeichnet (Quelle: Sachsen-Anhalt-Viewer)
Ich stelle Ihnen die einzelnen Tagungsbeiträge mal mehr, mal weniger ausführlich vor und illustriere die Beiträge mit aktuellen Fotos von Kahlschlägen rund um die Plessenburg: Experten gegen Kahlschläge.
Großkahlschlag am Oderteich
Nach meinem Bericht über den Großkahlschlag am Heinrich-Heine-Weg dokumentiere ich nun einen zweiten Großkahlschlag. Ich bin auf ihn im Oktober 2014 gestoßen: Großkahlschlag am Oderteich.
Durch das Abräumen des Windwurfs hat die Nationalparkverwaltung die Büchse der Pandora geöffnet: Vergrasung, Verbiss, Wiederverfichtung. Besonders grotesk: Kaum war die letzte Fichte abtransportiert und die letzte Buche gepflanzt, wurde die geschundene Fläche zur Naturdynamikzone erklärt.
Niederlage für Recklinghausen
Was bisher geschah: Pfingststurm Ela hatte im Juni 2014 an der Autobahnraststätte Hohenhorst in Recklinghausen einen kleinen 200 Jahre alter Buchenwald umgeworfen, in dem ein Jahr zuvor von Förster Dirk Middelmann ein starker Holzeinschlag erfolgt war. Bei der Räumung des Windwurfs hatte das beauftragte Forstunternehmen so sehr gewütet, dass ich mich mit Fragen an den verantwortlichen Herrn von den Kommunalen Servicebetrieben gewandt habe. Herr Stefan Klinger hat sich fünf Monate hartnäckig geweigert, diese Fragen zu beantworten. Hinzu kam ein völlig überteuerter Gebührenbescheid über 200 €.
Nun gibt es Neuigkeiten: Auf Druck von Frau Schulte-Zurhausen, die für den Landesbeauftragten für Datenschutz und Informationsfreiheit in NRW in Düsseldorf arbeitet, hat Klinger nun einige Informationen herausgerückt. Aus diesen läßt sich ein – wenn auch lückenhaftes – Bild von der Vorgeschichte und den Hintergründen des Kahlschlags zusammenpuzzeln. Auch der fehlerhafte Gebührenbescheid musste auf 20 € korrigiert werden.
Immer noch fehlen wichtige Informationen: Das beauftragte Forstunternehmen ist im Internet nicht auffindbar und hat keine Adresse. Eine Kopie des offensichtlich fehlerhaften Forstbetriebsplans fehlt. Zahlen zum Holzvorrat und Zuwachs verweigert Klinger weiterhin. Auch über ein halbes Jahr nach der Räumung des Windwurfs hat die Stadt angeblich immer noch keine Zahlen zur eingeschlagenen Holzmenge und zum Verkaufserlös. Hier geht es zu meiner vollständigen Dokumentation: Kahlschlag im Hohenhorster Buchenwald.
Aufgrund des umfangreichen Briefwechsels erstreckt sich die Dokumentation über 22 Webseiten. Wer sofort die letzte Antwort der Stadt lesen will, fängt hier an: 22. Januar 2015 – Antwort von Herrn Niermann. Wer direkt meine kritische Analyse lesen möchte, springt hierhin: Kritische Analyse der Antwort von Herrn Niermann.