Zur Kritik des Trittsteinkonzepts

2009 haben die Bayerischen Staatsforsten die eierlegende Wollmilchsau erfunden: Dank des Trittsteinkonzepts ((siehe Naturschutzkonzept der Bayerischen Staatsforsten, S. 4)) werden die Wälder gerade dadurch geschützt, dass man sie nützt: Schützen durch Nützen! ((siehe Beschluss des bayerischen Landtags am 4. Juni 2014)) Spätestens seit 2009 sind Nationalparke in Bayern praktisch überflüssig und man wundert sich eigentlich, warum Forstminister Brunner die bereits existierenden im Bayerischen Wald und Berchtesgaden nicht längst wieder aufgehoben hat. Schließlich sind „großflächige Stilllegungen von Waldflächen“ ((ebd.)) geradezu Gift für den Naturschutz: Mittelspecht, Stachelbart und Eremit fühlen sich erst dann so richtig wohl, wenn direkt nebenan die Motorsägen kreischen. ((siehe Die Stachelbärte sind zurück, In Franken vom 1. November 2015))

Spin-Doctor des Trittsteinkonzepts ist Ulrich Mergner, Forstamtsleiter in Ebrach. In einer Serie von Artikeln werde ich mich in den nächsten Wochen mit dem Trittsteinkonzept und auch mit Ulrich Mergner auseinanderzusetzen: Zur Kritik des Trittsteinkonzepts.

Hochklassiger Sammelband über Integrativen Waldschutz

Ich bin zufällig auf einen Sammelband über Integrativen Waldschutz gestoßen, den man wirklich gut im Internet versteckt hat. Der Band enthält hochaktuelle Aufsätze von Spitzenforschern aus ganz Europa. Wer sich über den letzten Stand der Forschung zu Habitatbäumen, Trittsteinen, Totholz oder den Habitatbedürfnissen von Spinnen informieren will, wird hier fündig: ((zum Speichern oben in der Leiste auf den Doppelpfeil rechts klicken))

Ernst-Detlef Schulze: Ebracher Wald ist wie ein Weizen- oder Maisacker

Das Interview der UNKRAUT-Moderatorin Janina Nottensteiner mit Ernst-Detlef Schulze beginnt nach 11 Minuten.

Ernst_Detlef_Schulze

Wenn ich das richtig sehe, sitzen die beiden am Rand des Naturwaldreservats Brunnstube im Steigerwald. Und dann redet „Väterchen Forst“ Sätze, bei denen ich denke, ich muss mich verhört haben. Aber beim nochmaligen Abspielen in der BR-Mediathek wird klar, Schulze hat diesen Unfug tatsächlich gesagt:

„Die Anpassungsfähigkeit des Waldes ist gegeben durch den Artenreichtum der Bäume. Und das sehe ich in diesem Wald hier nicht. Das ist eine ziemliche Monokultur wie ein Weizenacker oder ein Maisacker. Wenn ich hier herumgucke, sehe ich nur Buchen und keinen Ahorn, keine Esche und keine Elsbeere und keine Linde. Also insofern ist die Multifunktionalität des Waldes nicht erfüllt. Wir haben deutliche Änderungen augenblicklich im Klima. Also die Niederschläge und auch die Wintertemperaturen haben sich geändert.“ ((Hervorhebungen von mir))

Erst erklärte der stellvertretende Leiter des Forstamts Ebrach, Daniel Steuer, dass die Buche im Steigerwald so schutzbedürftig sei wie ein Reisfeld in China. ((siehe Streit zwischen Steuer, Panek und Mergner)) Und nun der Vergleich mit einem Weizen- oder Maisacker. Weiterlesen

Ziviler Ungehorsam – Ende Gelände!

Ich bekomme manchmal Emails von Lesern, die mich fragen, was man denn konkret unternehmen kann gegen die Zerstörung von Wäldern. Nach zwei Jahren Erfahrungen mit meinen eigenen Protestversuchen und meiner Mitarbeit in Bürgerinitiativen lautet meine Antwort: Mit Leserbriefen lassen sich Motorsägen nicht stoppen. Auch nicht mit Pressemitteilungen ((siehe z. B. die unzähligen Pressemitteilungen des BN zum Steigerwald)) oder Unterschriftenlisten. Briefe an das zuständige Forstamt sind ebenfalls nutzlos. Genauso wie Protestschreiben an Umweltminister oder Umweltbehörden. ((Ich werde in den nächsten Tagen zwei deprimierende Beispiele veröffentlichen.))

Ich glaube mittlerweile, dass das einzige wirksame Mittel ziviler Ungehorsam ist. Ich denke dabei beispielsweise an Baumbesetzungen oder Sitzblockaden vor Harvestern oder Forstwegen. ((siehe die Waldbesetzungen im Hambacher Forst und den Blog zum Hambacher Forst)) Ein sensationelles Beispiel war die gewaltfreie Aktion „Ende Gelände! Kohlebagger stoppen – Klima schützen!“ am 15. August 2015, bei dem sage-und-schreibe 800 Braunkohlegegner auf das Gelände von Garzweiler II eindrangen und einen Bagger blockierten.  Weiterlesen

Landesjagdgesetz in NRW fällt beim Zentralabitur durch

Das neue Landesjagdgesetz in NRW erlaubt auch weiterhin den Abschuss von Elstern. ((LJG-NRW, § 2))

01-Magpie

Eine Zentralabituraufgabe des Landes NRW aus dem Jahr 2007 weist nach: „die Größe der Elsterpopulation hat keinen Einfluss auf die Größe der Populationen der kleinen Singvogelarten“. ((Der „Rabenvogelstreit“ und seine populationsdynamischen Hintergründe, Abiturprüfung 2007, Grundkurs Biologie, Unterlagen für die Lehrkraft, S. 4)) Außerdem übt die Aufgabe deutliche Kritik an den offiziellen Begründungen der Jäger für die Jagd auf Elstern. Weiterlesen