Am vergangenen Samstag bin ich über das Eckerloch zum Brocken gewandert. Der Massentourismus auf dem Eckerlochstieg und auf der Brockenstraße hat mich erzürnt. Ich verarbeite meinen Zorn in einem Aufsatz. Dabei dokumentiere ich nicht nur meine deprimierenden Erfahrungen, sondern kritisiere auch eine aktuelle Diplomarbeit von J. Ahrend. Er stellt der Nationalparkverwaltung einen Persilschein aus: Umfragen würden belegen, dass trotz jährlich 1,2 Millionen Besuchern am Brocken und sogar 2 Millionen am Torfhaus ein „ungestörtes Naturerlebnis“ garantiert sei. Hier geht es zu meinem Aufsatz: Massentourismus am Brocken.
stockender Verkehr und Stau auf dem EckerlochstiegKategoriearchiv: Nationalparks
Aus dem Schulbuch #3
„Nationalpark:
- Großschutzgebiet mit möglichst ungestörtem Ablauf der Naturvorgänge, unterliegt seiner eigenen Dynamik
- Nutzungseinschränkungen: möglichst keine menschlichen Eingriffe“ ((M. Ebel, A. Erdmann, U. Erdmann, O. Müller, J. Reichel (Hg.), Ökologie – Grüne Reihe, Materialien S II, Schroedel Verlag, Braunschweig 2013, S. 169, Hervorhebungen von mir))
Im Nationalpark Harz werden auf 11.777 von 24.731 ha (48 % der Gesamtfläche) die Naturvorgänge durch menschliche Eingriffe gestört. ((Tätigkeitsbericht 2014, S. 29))
Kahlschlag in der Borkenkäfer-Sicherheitszone nordwestlich der Plessenburg
Borkenkäferschutzzone im Nationalpark Harz
Das Foto zeigt den Meineberg südlich von Ilsenburg im Januar 2015. Der Berg liegt in der Borkenkäfer-Sicherheitszone. Die Fichtenwälder des Meinebergs wurden 2007 und 2008 zum Schutz der angrenzenden Wälder kahlgeschlagen. ((siehe Gebietsgliederung des Nationalparks Harz))
„Hier in den Randbereichen trägt der Nationalpark aber auch eine Verantwortung gegenüber seinen Nachbarn, deren Auftrag die Erzeugung von Holz als wichtigstem nachwachsendem Rohstoff ist. Diese Bestände bedürfen des Schutzes.“ ((Zitat von der am Meineberg aufgestellten Lehrtafel „Auf den Spuren des Borkenkäfers“))
Der Nachbar ist das Revier Wernigerode des Forstbetriebs Oberharz des Landesforstbetriebs Sachsen-Anhalt. Schutzbedürftig sind dessen Fichtenforste. Die Rohstofferzeugung erfolgt ebenfalls im Kahlschlagverfahren:
Planmäßiger Abtrieb eines Fichtenforsts durch Bernhard Wolff, Leiter des Reviers Wernigerode, im Januar 2015 nordöstlich der PlessenburgOffizielle Zahlen zum Holzeinschlag im Nationalpark Bayerischer Wald
Ministerialrat Josef Seidenschwarz, stellvertretender Leiter des Referats 63 für Schutzgebietssysteme und Natura 2000 im Bayerischen Staatsministerium für Umwelt und Verbraucherschutz, war so freundlich, mir heute die amtlichen Zahlen zum Holzeinschlag im Nationalpark Bayerischer Wald mitzuteilen. Die Zahlen reichen von 1995 bis 2013 und sind aufgeschlüsselt nach dem offiziellen Grund für die Fällung: Borkenkäfer, Windwurf, Schneebruch und dem regulärer Holzeinschlag.
Die Zahlen weichen ein klein wenig nach oben oder unten von denjenigen Zahlen ab, die ich selbst mühsam aus den Jahresberichten zusammengesammelt hatte. Um die Zahlen einordnen zu können, lesen Sie bitte meinen Artikel „Tricksen, Tarnen, Täuschen„. Man lasse sich nicht von den vergleichsweise niedrigen Zahlen 2012 und 13 täuschen: Ein Wirbelsturm wie am 13. Juli 2011 ((siehe Gfällei – vorprogrammierter Kahlschlag)) oder ein Orkan wie Kyrill am 18./19. Januar 2007 ((siehe Ultraviolence)) – und im Nationalpark singen wieder die Sägen. ((siehe die Jahre 2001 und 2002))
Die Auskunftsfreudigkeit des Ministerialrats hat Grenzen: Die Protokolle der Nationalparkbeirats sind geheim. Der Beirat tagt nicht öffentlich. ((zur Rolle des Nationalparkbeirats siehe Nationalparkverordnung § 17))
Der BN und die Kahlschläge im Nationalpark Bayerischer Wald
In meinem letzten Aufsatz über 12 Strategien der PR-Arbeit im Nationalpark hatte ich mich über den Bund Naturschutz gewundert: Dessen Vorsitzender Hubert Weiger gehörte 2012 nicht zu den Unterzeichnern eines Offenen Briefs, den namhafte Naturschützer an Umweltminister Huber schrieben. Sie protestierten darin gegen die Kahlschläge im Nationalpark Bayerischer Wald. Ich äußerte den Verdacht, dass die Freundschaft zwischen Hubert Weiger und Karl Friedrich Sinner, dem ehemaligen Leiter des Nationalparks, der Grund sein könnte.
Prof. Dr. Hubert Weiger, Vorsitzender des BN
Ich habe in den Pressemitteilungen gestöbert, die auf der Homepage des BN zum Thema „Wald“ archiviert sind. Und siehe da: Es gibt doch eine Pressemitteilung, in der der BN offiziell gegen die Kahlschläge protestiert. Sie datiert vom 27. Oktober 2009 und trägt den Titel „Massive Schäden durch Borkenkäferbekämpfung„. Ich möchte dazu folgende vier Dinge anmerken: Weiterlesen
