Entwicklungszone 2 b: Rindelloch

Das Rindelloch im Nationalpark Bayerischer Wald gehört zur „Entwicklungszone 2 b“:

Rindelloch Panorama

Ich zitiere aus dem Anlagenband „Walderhaltungs- und Waldpflegemaßnahmen“ zum Nationalparkplan Seite 15:

„Die erforderliche Borkenkäferbekämpfung in den Zonen 2, 3 und 4 muss wirkungsvoll und naturschonend durchgeführt werden. So ist der Einsatz von Insektiziden ausgeschlossen. In den ausreichend erschlossenen Wäldern sind bei größerem Holzanfall der Einschlag der befallenen Bäume und der anschließende Abtransport aus dem Wald die Regel. Sofern aus Waldschutzgründen und vom Arbeitsumfang her vertretbar, sollen befallene Bäume lediglich gefällt und von Hand entrindet, jedoch nicht abgefahren werden. Falls erforderlich soll die Rinde verbrannt werden.“

Die Bayerischen Staatsforsten demonstrieren, wer im Nationalpark das Sagen hat.

„Wir müssen den Käfer fressen lassen!“

Zu dieser Überzeugung gelangte Hans Bibelriether, Leiter des Nationalparks Bayerischer Wald, in den 80er Jahren. Er wollte „Natur Natur sein lassen“. Der damalige Forstminister Hans Eisenmann hielt ihm den Rücken frei: Er wünschte sich einen „Urwald für unsere Kinder und Kindeskinder“. Als der Borkenkäfer dann in den 90er Jahren 35 km2 Fichtenwald im Nationalpark auffraß, kochte die Volksseele: Bibelriether hätten viele am liebsten gelyncht. Immer noch wollen 60 % der Einheimischen den Borkenkäfer „mit allen Mitteln“ bekämpfen. ((Nationalparkverwaltung Bayerischer Wald (Hg.), Die Akzeptanz des Nationalparks Bayerischer Wald bei der lokalen Bevölkerung, 2008, S. 9)) Das gesunde Volksempfinden stört sich am „Saustall“ und „Chaos“ ((ebd., S. 20)) im „Nazi-Analpark“. ((Horst Stern, Unter neuen Bäumen wächst neuer Wald, in: Spiegel 31/1996, S. 140))

 

Collage von Zeitungsausschnitten im Besucherzentrum Hans-Eisenmann-Haus

Angeregt durch die Radiosendung „Erlebte Geschichten“ mit Hans Bibelriether habe ich mich intensiv mit dem Fichtensterben im Nationalpark befasst. Ich habe viele wissenschaftliche Studien und Zeitungsartikel dazu gelesen und mich im Hans-Eisenmann-Haus informiert. Die Zusammenfassung meiner Recherchen finden Sie hier: Das Fichtensterben am Lusen

Riesenkahlschlag am Lackenberg

Meine zweite Dokumentation ist fertig: Riesenkahlschlag am Lackenberg.

Neben zahlreichen hochauflösenden Fotos und zwei Panoramafotos dokumentiere ich den „ökologischen Schwachsinn“ ((ein schönes Schimpfwort von Horst Stern)) mit umfangreichen Zahlen, die ich mir mühsam aus verschiedenen offiziellen Quellen zusammengesucht habe. Außerdem erzähle ich davon, wie Hubert Demmelbauer, der Vorsitzende der Bürgerbewegung zum Schutz des Bayerischen Waldes e.V. einmal einen Moment der Klarheit hatte.

Riesenkahlschlag am Hirschgespreng

Ich halte die Kahlschläge im Nationalpark Bayerischer Wald für einen der größten Umweltskandale der letzten 10 Jahre in Deutschland. Bis zum 1.1.2012 wurden dort laut offiziellen Angaben insgesamt 1.718 ha Wald kahlgeschlagen: 1.045 ha im nördlichen Erweiterungsteil, 673 ha im südlichen Altpark ((siehe Nationalparkverwaltung Bayerischer Wald (Hg.), Waldentwicklung im Nationalpark Bayerischer Wald in den Jahren 2006 bis 2011 – Von Marco Heurich, Franz Baierl und Thorsten Zeppenfeld, Grafenau 2012, Abbildung 2, S. 12 u.14)). Sebald spricht 2014 in der Süddeutschen Zeitung sogar von 2.000 ha Kahlschlägen: „weitgehend baumloses, verstepptes Land“ ((Tarnen, Tricksen, Täuschen, Süddeutsche Zeitung vom 16.7.2014)).

Ich starte heute mit Teil 1 meiner vierteiligen Serie über diesen Umweltfrevel: siehe Riesenkahlschlag am Hirschgespreng. Ich zeige Ihnen viele hochauflösende Fotos dieser Borkenkäferkampfzone, nenne die Namen der Verantwortlichen und dokumentiere die geschichtlichen Hintergründe.

Start einer Serie zum Nationalpark Bayerischer Wald

Nach zwei Besuchen im Nationalpark Bayerischer Wald habe ich nun genügend Fotos gesammelt, um eine Serie mit Artikeln über den Nationalpark zu schreiben. Heute beginne ich mit einem kurzen Überblicksartikel: Nationalpark Bayerischer Wald.

In den nächsten Wochen werden vier Artikel zu den größten Kahlschlägen folgen, die ich bislang in Deutschland gesehen habe: die Kahlschläge am Lackenberg, am Falkenstein, am Rindelloch und am Hirschgespreng.

 

Bislang gibt es im Internet nur eine einzige Seite, die die größenwahnsinnigen Kahlschläge im Nationalpark kritisiert: Weiterlesen