Artenvielfalt auf belassenen Borkenkäferflächen

Es wird viel über Artenvielfalt und Biodiversität geredet. Ich habe allerdings den Verdacht, dass umso mehr über Artenvielfalt geredet wird, je mehr die Artenkenntnis abnimmt. Können Sie etwa auf Anhieb 10 Arten nennen, die vorzugsweise auf belassenen Borkenkäferflächen leben – also mit Vorliebe auf solchen Flächen herumwuseln, auf denen die toten Fichten einfach stehen- oder liegenbleiben? Kennen Sie etwa den Runzligen Dornbrust-Prachtkäfer?

Q17
Runzliger Dornbrust-Prachtkäfer (Chrysobothris chrysostigma)

Wenn ja, dann brauchen Sie nicht weiter lesen. Wenn nein, dann geht es Ihnen so wie mir. Ich kannte den Runzligen Dornbrust-Prachtkäfer auch nicht. Und auch die meisten der 61 anderen Arten nicht, über die ich Informationen, Fotos und Internetlinks herausgesucht habe. Alle diese 62 Arten profitieren von belassenen Borkenkäferflächen: Käfer, Wanzen, Bienen, Hummeln, Wespen, Vögel und Pilze. Am Ende des Artikels verrate ich Ihnen auch, was das Ganze mit Sigmar Gabriel und „Neues aus der Anstalt“ zu tun hat. Hier geht es zu meinem Artikel: Artenvielfalt auf belassenen Borkenkäferflächen.

Militär gegen Holzfäller und Sägewerke

Ein Kapitel seines Buches „Kollaps – Warum Gesellschaften überleben oder untergehen“ widmet Jared Diamond dem Vergleich von Haiti und der Dominikanischen Republik. Beide liegen auf der Karibikinsel Hispaniola südöstlich von Florida: Haiti im Osten, die Dominikanische Republik im Westen. Obwohl beide Staaten auf derselben Insel liegen, könnten sie unterschiedlicher nicht sein: Haiti ist „das ärmste Land der Neuen Welt“ und „gehört zu den am stärksten überbevölkerten Ländern der Neuen Welt“. ((Jared Diamond, Kollaps, Frankfurt am Main 2005, S. 410)) Der Dominikanischen Republik geht es deutlich besser. „[…] die Entwicklung ist hier weiter vorangeschritten und die Probleme sind weniger akut. Das Pro-Kopf-Einkommen ist fünfmal höher, Bevölkerungsdichte und Bevölkerungswachstum sind geringer.“ ((S. 411))

Besonders deutlich sind die Unterschiede bei der Behandlung des Waldes:

„Vom Flugzeug aus erkennt man die Grenze als scharfe, gezackte Linie, die wie mit einem Messer quer über die Insel gezogen zu sein scheint. Sie trennt eine dunklere, grüne Landschaft im Osten (die Dominikanische Republik) von blassen, braunen Flächen westlich davon (Haiti). Steht man am Boden auf der Grenze, blickt man an vielen Stellen Richtung Osten in einen Pinienwald, dreht man sich aber nach Westen, sieht man fast nichts als fast völlig baumlose Felder. […] Die Dominikanische Republik ist heute noch zu 28 Prozent bewaldet, in Haiti ist es ein Prozent.“ ((S. 409, Hervorhebung von mir))

 


links Haiti, rechts die Dominikanische Republik

Eine Hauptrolle beim Schutz der Wälder der Dominikanischen Republik vor ihrer Abholzung spielte der langjährige Präsident Joaquín Balaguer. Diamond beschreibt ausführlich die Menschenrechtsverletzungen des Präsidenten. Aber sein Abscheu schlägt in Bewunderung um, wenn er die Maßnahmen Balaguers zum Schutz des Waldes beschreibt. Balaguer setzte das Militär gegen Holzfäller und Sägewerke ein. Weiterlesen

UNESCO-Welterbe für den Nationalpark Bayerischer Wald?

Als ich zum ersten Mal von dem Vorschlag hörte, dachte ich, es müsse sich um einen Scherz handeln: Im Juli 2014 berichtete die Süddeutsche Zeitung, dass Franz Leibl, Leiter des Nationalparks Bayerischer Wald, die 1.900 ha Kahlschläge zwischen Falkenstein und Rachel als Naturzone ausweisen lassen wollte. ((siehe Tricksen, Tarnen, Täuschen, Süddeutsche Zeitung vom 16. Juli 2014))

Riesenkahlschlag am Hirschgespreng – bald UNESCO-Welterbe?

Der Plan scheiterte am Widerstand von Bürgermeistern und Landräten im Kommunalen Nationalparkausschuss. Leibl lässt von seinem Vorhaben nicht ab: In diesem Jahr ist ein neuer Anlauf geplant – Fachbeirat und der Nationalparkausschuss sollen den Vorschlag noch einmal „fachlich bewerten“. ((siehe Jahresbericht 2014, S. 10)) Warum stellt Leibl nicht gleich einen Antrag auf Aufnahme der Kahlschläge in die UNESCO-Welterbeliste? Weiterlesen

Jared Diamond – Kollaps

In seinem Buch „Kollaps“ versucht Jared Diamond die Frage zu beantworten, „warum Gesellschaften sich […] durch katastrophale Entscheidungen selbst zerstören“.

Jared diamond

Er entwickelt vier Antworten:

Erstens sieht eine Gruppe ein Problem unter Umständen nicht voraus, bevor es tatsächlich da ist. Zweitens nimmt die Gruppe das Problem unter Umständen nicht wahr, wenn es bereits eingetreten ist. Nachdem sie es dann wahrgenommen hat, versucht sie drittens unter Umständen nicht einmal, eine Lösung zu finden. Und wenn sie es schließlich zu lösen versucht, gelingt dies unter Umständen nicht.“ ((Jared Diamond, Kollaps – Warum Gesellschaften überleben oder untergehen, Frankfurt am Main 2005, S. 519))

Ein erschütterndes Beispiel für den ersten Fall stellt der Entscheid des bayerischen Umweltministers Schnappauf vom 10. Mai 2007 dar. Es ging um die Frage, was mit den 350 ha Windwürfen geschehen sollte, die Kyrill im NLP Bayerischer Wald verursacht hatte. Weiterlesen