Kennen Sie Quedius plagiatus?

Nein? Quedius plagiatus ist ein prominentes Opfer von Sanitärhieben, also Kahlschlägen zur Borkenkäferbekämpfung. Er kommt nur auf nicht geräumten Flächen vor, auf geräumten Flächen dagegen überhaupt nicht. Und er steht auf der Roten Liste, Gefährdungskategorie 3, also gefährdet. Und das wussten Sie nicht?

Quedius plagiatus (Quelle: Lech Borowiec) ((Lech Borowiec ist Professor an der Abteilung für Biodiversität und Evolutionäre Taxonomie der Universität Warschau, Das Foto ist von ihm und stammt von der polnischen Datenbank Iconographia Coleopterorum Poloniae.))

Trösten Sie sich! In Deutschland ist dieser Sachverhalt nur einer sehr kleinen Gruppe wissenschaftlicher Experten bekannt. Laien wie ich haben nicht nur große Mühe, überhaupt an die Namen der durch Sanitärhiebe geschädigten Arten zu kommen. Hinzu kommt, dass Laien mit den Namen nichts anfangen können, selbst wenn sie sie nach langem Suchen gefunden haben. Denn es gibt keine Bücher über sie. Oder haben Sie je einen Artikel in der SÜDDEUTSCHEN ZEITUNG oder im SPIEGEL über Quedius plagiatus gelesen oder eine Dokumentation in LESCHS KOSMOS über ihn gesehen?

In meinem neuen Artikel schreibe ich über meine mühevolle Suche nach den Opfern von Sanitärhieben und warum mir ein Kinderbuch Hoffnung macht: Die unbekannten Kollateralschäden der Borkenkäferbekämpfung.

Update Ultraviolence

Der Übersichtsartikel über meine vielen Artikel zu den Großkahlschlägen im Nationalpark Bayerischer Wald heißt Ultraviolence. Den Artikel habe ich nun erweitert mit einem mutigen Zitat von Prof. Dr. Jörg Müller (stellvertretender Leiter des Nationalparks und Leiter des Sachgebiets Naturschutz und Forschung.im Nationalpark Bayerischer Wald, Professor für Tierökologie und Tropenbiologie an der Universität Würzburg). Offen spricht er von einem „schlechteren Beispiel für Sanitärhiebe in einem Schutzgebiet“, von „ökologisch ungebildeten Entscheidungsträgern“ und von „negativen Folgen für den Artenreichtum von Totholzbewohnern“. Und sicherlich zum Ärger vieler Entscheidungsträger präsentiert er auch noch ohne Scheu das untere Foto:

Beste und schlechtere Praxis für Sanitärhiebe in einem Schutzgebiet (engl. best and worse practice for salvage logging in a protected area)

Hier geht es zum Update des Übersichtsartikel: Ultraviolence.

Winterwanderung zum Rachel

Die Verwaltung des NLP Bayerischer Wald behandelt den Großen Rachel wie ein Stiefkind. Im Sommerführungsprogramm 2016 gibt es nur eine einzige Führung, die hinauf zum Gipfel führt – am 14.7. Sie nennt sich „Auf wilden Pfaden zum Rachel“ und steht unter dem Motto „Nationalpark und Schöpfung“. Vermutlich werden die Teilnehmer viel Besinnliches über Tod und Auferstehung hören von Pastoralreferent Scheuerecker und Religionspädagogin Keilhauer. Da kann ich nicht mithalten.

Mich beschäftigt dagegen die Frage, warum Mark Swanson von der Washington State University meint, dass gerade solche Ökosysteme wie am Großen Rachel besonders schützenswert sind. Ich stelle Ihnen dazu 3 neue Arbeiten von Lukas Lehnert, Simon Thorn und Burkhard Beudert vor und beschäftige mich auch mit der Natural Disturbance Conference, die 2013 im NLP stattfand. Hier geht es zu meinem Bericht: Winterwanderung zum Rachel.

Panoramafoto vom Rachel im Spätwinter

Panoramafoto Rachel

Das Panoramafoto gibt es auch in zwei wesentlich höheren Auflösungen:

Das Foto entstand im April 2015 auf dem Auerhahn-Wanderweg, der vom Wanderparkplatz Gfäll zum Großen Rachel im NLP Bayerischer Wald führt. Der Borkenkäfer hat die „ursprüngliche Waldnatur“ und den „fast unberührten Bergwald“ (Bibelriether) ((Hans Bibelriether, Hartmut Strunz, Nationalparkführer Bayerischer Wald, München 1975, S. 33 und 34)) dramatisch verändert. Warum die  Bürgerbewegung zum Schutz des Bayerischen Waldes unrecht hat mit ihrem Vorwurf, hier sei „nichts da, nur Gras und Baumstümpfe“ ((siehe Tote Hose am Rachel)) und warum die Hochlagen am Rachel gerade in ihrem jetzigen Zustand besonders wertvoll und schützenswert sind, das diskutiere ich in einem Artikel, der in den nächsten Tagen erscheint.

Panoramafoto am Lieselbrunnen

Panoramafoto Lieslbrunn

Das Panoramafoto gibt es auch in zwei wesentlich höheren Auflösungen:

Das Foto entstand im April 2015 wenige 100 m vor dem Lieselbrunnen. Der Brunnen liegt in 1.100 m Höhe am Auerhahn-Wanderweg, der vom Parkplatz Gfäll zum Großen Rachel im NLP Bayerischer Wald führt. 1975 schrieb Hans Bibelriether noch:

„Der Rundweg ‚Auerhahn‘ führt vom Gfällparkplatz zunächst durch etwas eintönige jüngere Waldbestände aus Fichten und Buchen, die nach einer großen Sturmkatastrophe 1929 entstanden sind.“ ((Hans Bibelriether, Hartmut Strunz, Nationalparkführer Bayerischer Wald, München 1975, S. 33, Hervorhebungen von mir))

Nur 40 Jahre später ist der Wald hier dank des Borkenkäfers alles andere als „eintönig“: Der „Agent des grünen Empires mit der Lizenz zum Töten“ hat eine abwechslungsreiche Wildnis geschaffen:

„Ja wenn’s nur grad überall so wär‘ auf der schön Welt.“

Lieslbrunn_Holztafel