Der gläubige Herr Tischler

Stellen Sie sich vor, Ihr Sohnemann kommt nach Hause und erzählt ihnen, dass er heute im Chemieunterricht eine Doppelstunde lang im Internet surfen durfte. Der Lehrer sei reingekommen und habe gesagt, sie sollten mal im Internet nachschauen, was Innovation City bedeute. Dann habe er sich vorne hingesetzt und die ganze Doppelstunde selbst im Internet gesurft. Sie sind befremdet und rufen den Chemielehrer an. Der erzählt Ihnen, dass er die Schüler zu eigenverantwortlichem Lernen erziehen würde. Das selbstorganisierte Beschaffen von Informationen sei eine Kernkompetenz, die er entwickeln wolle. Das Surfen im Internet fördere den kritischen Umgang mit Medien. Glauben Sie dem Lehrer?

nachhaltige Waldbewirtschaftung im Becker-Wald in Bottrop

 

Jetzt stellen Sie sich vor, Sie sind Oberbürgermeister der Stadt Bottrop. Empörte Anwohner erzählen Ihnen von der skandalösen Abholzung von 250 alten Buchen im  Becker-Wald. Sie sind befremdet und rufen den verantwortlichen Förster an. Der erzählt Ihnen, dass er den Wald nachhaltig bewirtschafte. Er wolle seine Funktion im ökosystemaren Zusammenhang sicherstellen. So soll ein vielschichtiger, altersmäßig gestufter Waldbestand entstehen, der sich natürlich verjüngt und dauerhaft Bestand hat. Glauben Sie dem Förster?

Bernd Tischler (SPD) tut es.

Tischler

Zur Position Bernd Tischlers siehe seinen Brief an den NABU-Bottrop: SPD.pdf

 

„Kleine Kahlschläge“ – Frau Kehl klärt auf

Frau Kehl ist hauptamtliche Natur- und Landschaftsschützerin. Sie arbeitet im Dezernat 51 der Bezirksregierung Düsseldorf.

 

In einem Brief vom 6. Februar 2014 klärt sie die Bürgerin Roswitha Krause auf, die über die Baumfällungen von Grün-und-Gruga-Essen empört ist :

„Bei der forstwirtschaftlichen Betriebsart des Femelschlags werden im Wald unregelmäßig verteilte kleiner Parzellen festgelegt (Femelschläge). An diesen Stellen werden erst nur Gruppen von Bäumen gefällt. Dann werden nach und nach die Parzellen radial erweitert, bis zuletzt durch die Entfernung der letzten Altbäume zwischen den Parzellen eine geschlossene Fläche entsteht. Durch den langsam gesteigerten Lichteinfall unter dem Kronendach wird eine natürliche Verjüngung ermöglicht, so dass Bäume aller Altersstufen kleinflächig vermischt sind.

Diese Art der Bewirtschaftung hat den Vorteil, dass durch die kleinen Parzellen unterschiedlicher Altersstadien ein hoher Strukturreichtum auf kleinerem Raum gegeben ist. Die kleinen Kahlschlagsflächen mit Naturverjüngung und auch die sich ausbildenden Übergangsbereiche (Säume) können Ersatzhabitate für selten gewordene (Tier-) Arten sein, die an diese relativ seltenen Saumbiotope und an Biotope jüngerer Sukzessionsstadien angepasst sind.“

An der Graf-Zeppelin-Straße in Essen-Kettwig hat Forstrevierleiter Wuttke die kleine Parzelle, in der er im März 2013 eine Gruppe von alten Buchen gefällt hatte, in vorbildlicher Weise radial erweitert.

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Buchenplenterwald Langula im Hainich

Wenn Buchenwälder verwüstet werden – ob in Essen oder Bottrop – , verteidigen sich Förster gerne mit dem Argument, das sei „ordnungsgemäße Forstwirtschaft“. Ein Wald müsse so „gepflegt“ werden. Das sei quasi „alternativlos“. Dass Buchenwälder auch ganz anders bewirtschaftet werden können und nach der „Pflege“ nicht so aussehen müssen wie Panzerübungsplätze oder gerupfte Hühner, beweist der schöne Plenterwald von Langula in Thüringen – direkt neben dem Nationalpark Hainich. Forstrevierleiter Andreas Biehl bewirtschaftet den Buchenwald in vorbildlicher Weise. Was ein Plenterwald eigentlich ist, erfahren Sie in meinen Exkursionsbericht: Plenterwald von Langula.

 

WAZ: 1.256 Unterschriften gegen weitere Abholzungen

Am 18. Mai 2014 berichtet die WAZ über die Unterschriftenaktion der Anwohner des Becker-Waldes: Anwohner gegen weitere Abholzungen in Bottrop.

Der Leiter des Bottroper Umweltamts, Herr Stefan Beckmann, ist neuerdings über das Vorgehen im Becker-Wald „unglücklich“. Ihm seien „die Hände gebunden“. In einem Schreiben vom 10. April 2014 hieß es noch, bei der „forstlichen Maßnahme“ im Becker-Wald handele es sich „um eine normale Durchforstungsmaßnahme, wie sie überall im deutschen Wirtschaftswald durchgeführt wird.“

Beckmann verschweigt, dass im Bottroper Stadtwald von demselben Förster Markus Herber genauso geholzt wurde wie im Brinkmannswald (siehe Zerstörung des Stadtwalds).

Fällen von 70 Altbuchen am Schliehenbankweg im Bottroper Stadtwald