Ein Kapitel seines Buches „Kollaps – Warum Gesellschaften überleben oder untergehen“ widmet Jared Diamond dem Vergleich von Haiti und der Dominikanischen Republik. Beide liegen auf der Karibikinsel Hispaniola südöstlich von Florida: Haiti im Osten, die Dominikanische Republik im Westen. Obwohl beide Staaten auf derselben Insel liegen, könnten sie unterschiedlicher nicht sein: Haiti ist „das ärmste Land der Neuen Welt“ und „gehört zu den am stärksten überbevölkerten Ländern der Neuen Welt“. ((Jared Diamond, Kollaps, Frankfurt am Main 2005, S. 410)) Der Dominikanischen Republik geht es deutlich besser. „[…] die Entwicklung ist hier weiter vorangeschritten und die Probleme sind weniger akut. Das Pro-Kopf-Einkommen ist fünfmal höher, Bevölkerungsdichte und Bevölkerungswachstum sind geringer.“ ((S. 411))
Besonders deutlich sind die Unterschiede bei der Behandlung des Waldes:
„Vom Flugzeug aus erkennt man die Grenze als scharfe, gezackte Linie, die wie mit einem Messer quer über die Insel gezogen zu sein scheint. Sie trennt eine dunklere, grüne Landschaft im Osten (die Dominikanische Republik) von blassen, braunen Flächen westlich davon (Haiti). Steht man am Boden auf der Grenze, blickt man an vielen Stellen Richtung Osten in einen Pinienwald, dreht man sich aber nach Westen, sieht man fast nichts als fast völlig baumlose Felder. […] Die Dominikanische Republik ist heute noch zu 28 Prozent bewaldet, in Haiti ist es ein Prozent.“ ((S. 409, Hervorhebung von mir))
links Haiti, rechts die Dominikanische Republik
Eine Hauptrolle beim Schutz der Wälder der Dominikanischen Republik vor ihrer Abholzung spielte der langjährige Präsident Joaquín Balaguer. Diamond beschreibt ausführlich die Menschenrechtsverletzungen des Präsidenten. Aber sein Abscheu schlägt in Bewunderung um, wenn er die Maßnahmen Balaguers zum Schutz des Waldes beschreibt. Balaguer setzte das Militär gegen Holzfäller und Sägewerke ein. Weiterlesen