Der Wald wird gefegt – Der Boom beim Waldrestholz

Vollbaumnutzung im Stadtwald Monschau im Dezember 2013 ((siehe Vollbaumernte im Höfener Wald))

Im Jahr 2010 wurden 73,8 Mio. Festmeter Derbholz – d. h. Holz mit einem Durchmesser von mehr als 7 cm – im deutschen Wald eingeschlagen. Die Experten sind sich einig: Viel mehr geht nicht. Das Ende der Fahnenstange beim Derbholz ist erreicht.

Aber es gibt noch das Waldrestholz: Kronenholz, Äste, Reisig, Holz mit Faulstellen – all dies war früher unverkäuflich und blieb als Abfall im Wald. Die Zeiten sind vorbei: Weil Biomassekraftwerke riesige Mengen an Hackschnitzel brauchen und Privatleute nicht nur Scheitholz, sondern auch Äste im heimischen Ofen verfeuern, wird immer mehr Waldrestholz aus den Wäldern genutzt. Was früher im Wald verrottete und neuen nährstoffreichen Humus bildetet, wird heute verbrannt: Der schon früher notorisch totholzarme Wirtschaftswald sieht nun aus wie gefegt. 2010 wurden 8 Mio. Fm Waldrestholz genutzt.

Und die Brennholz-Lobby will in Zukunft noch sehr viel mehr Restholz aus dem Wald holen. Udo Mantau hält bis zu 42,9 Mio. Fm für möglich. Ich stelle die erschreckenden Zahlen aus der Holzrohstoffbilanz von Udo Mantau vor und zeige, wer sich alles um das Waldrestholz streitet: Der Wald wird gefegt.

Gruselige Zahlen in der Holzrohstoffbilanz

Holz

Wie viel Holz wird pro Jahr im deutschen Wald eingeschlagen? Und wo bleibt das ganze Holz eigentlich? Antworten auf diese Fragen liefert die Holzrohstoffbilanz von Udo Mantau.aus dem Jahr 2012. Diese Studie ist unter Waldschützern viel zu wenig bekannt. Zu Unrecht – denn sie liefert Antworten auf die Frage, warum der Nutzungsdruck auf die Wäldern so stark zugenommen hat. Ein katastrophale Rolle spielt dabei der Boom beim Brennholz. Hier geht es zu meinem Bericht: Gruselige Zahlen aus der Holzrohstoffbilanz.

Brennholz: Klimaneutralität beruht auf Rechenfehler

Scheitholzproduktion in Steinsfeld im Steigerwald

Ein zentrales Dogma von Befürwortern der Holzverbrennung lautet:

„Für einen nachwachsenden Rohstoff wie Holz wird davon ausgegangen, dass bei der Verbrennung so viel CO2 emittiert wird, wie beim Baumwachstum der Atmosphäre zuvor an CO2 entzogen wurde. Insofern gleichen sich Holzwachstum (CO2-Senke) und Holzverbrennung (CO2-Quelle) aus: Holz ist deshalb als Energieträger CO2-neutral.“ ((Ministerium für Klimaschutz, Umwelt, Landwirtschaft, Natur- und Verbraucherschutz
des Landes Nordrhein-Westfalen (Hg.), Wald und Klimaschutz in NRW, Düsseldorf 2013, S. 16, Hervorhebungen von mir))

Aber die Holzverbrennung ist nicht klimaneutral. Die angebliche Klimaneutralität beruht auf einem Rechenfehler. Darauf hatte bereits der Sachverständigenrat für Umweltfragen in seinem Umweltgutachten 2012 hingewiesen: Weiterlesen

Brennholz: Preisverdopplung in 10 Jahren

Das Bundesamt für Statistik veröffentlicht monatlich den Preisindex für Holzprodukte zur Energieerzeugung. ((siehe Hubert Vorholt, Preisindex für Holzprodukte zur Energieerzeugung, Statistisches Bundesamt, Wiesbaden 2010)) Seit 2005 haben sich die Preise verdoppelt:

Preisindex_EnergieholzPreisindex für Holzprodukte zur Energieerzeugung (2005 = 100) ((Zahlen aus: Statistisches Bundesamt, Daten zur Energiepreisentwicklung – Lange Reihen von Januar 2000 – Juli 2015, S. 51))

Noch ein wenig dramatischer ist der Preisanstieg bei PelletsWeiterlesen

Brennholz: Beitrag zur Wärmeerzeugung bei 7 %

Brennholzproduktion in Bottrop

Der Beitrag von Brennholz zur Stromerzeugung ist verschwindend gering: Nur 1,9 % des deutschen Stroms werden mit Brennholz produziert. ((Rettet Brennholz das Klima? – Teil 2)) Auch der Anteil von Brennholz am Primärenergieverbrauch ist marginal: Er liegt bei 3 %. ((Rettet Brennholz das Klima? – Teil 3)) In Teil 5 meiner Serie „Rettet Brennholz das Klima?“ möchte ich zeigen, dass Brennholz auch zur Wärmeversorgung nur wenig beiträgt: Lediglich 7,4 % der Wärmeenergie werden durch die Verfeuerung von Holz gewonnen. Weiterlesen