Harrl – Auf der Suche nach der Waldpolizei

Ohne diese zwei Wälder hätte es meinen Internetblog nie gegeben: den Stadtwald in Essen und den Wald im Harrl nahe Bückeburg. Ich las damals gerade das Buch „Wald ohne Hüter“ von Peter Wohlleben und das, was ich in Essen und im Harrl sah, war wie eine perfekte Illustrierung all dessen, was Wohlleben an der deutschen Forstwirtschaft kritisiert.

Es gibt eine neue Hiebsmaßnahme im Harrl. Aus diesem Anlass habe ich mich auf die Suche nach der Waldpolizei gemacht. Ich hatte die naive Hoffnung, dass irgendjemand das Fürstliche Forstamt in Bückeburg kontrolliert und dass irgendjemand aufpasst, dass im Harrl alles sein Recht und seine Ordnung hat. Meine Suche wurde enttäuscht: Ich habe mit dem Naturschutzamt und den Niedersächsischen Landesforsten telefoniert und niemand überwacht in irgendeiner Weise Forstdirektor Christian Weber und Revierleiter Alfred Matthaei. Hier mein mit zahlreichen Fotos illustrierter Bericht: Harrl – Auf der Suche nach der Waldpolizei.

Einspruch abgelehnt

In seinem Buch „Der geplünderte Staat“ behauptet James K. Galbraith, Amerika sei seit George W. Bush „eine Art Unternehmensrepublik, in der die Regierung die gleichen Methoden und Normen, die gleiche Kultur und die gleiche Korruption an den Tag legt wie Wirtschaftskonzerne.“ ((James K. Galbraith, Der geplünderte Staat, Zürich 2010, S. 238)). Die Unternehmensrepublik höhlt die Gewalt der Justiz aus:

„Sie füllt die Gerichtssäle mit Funktionären, die dem Willen der Regierung den Weg bereiten. Dies ist genau die Aufgabe des Aufsichtsrats eines modernen Unternehmens […]: ein dekoratives Gremium, dem es an relevanter Sachkenntnis mangelt und dem lediglich die Aufgabe zukommt, die Entscheide des Managements abzusegnen.“ ((a. a. O., S. 240 f.))

Die Generalstaatsanwaltschaft Celle hat meinen Einspruch gegen die Einstellung des Verfahrens gegen Constantin von Waldthausen und Andreas Brandt abgelehnt. Ich hatte Anzeige wegen des Kahlschlags eines Buchenwalds im FFH-Gebiet Teufelsbad gestellt.

 

Den Wortlaut finden Sie hier: Zurückweisung des Widerspruchs durch Staatsanwältin Wortmann.

Zum Internationalen Tag des Waldes

Am 21. März war der Internationale Tag des Waldes. In einer Pressemitteilung von zwölf Nicht-Regierungs-Organisationen heißt es dazu:

In Deutschland gibt es […] nur verschwindend wenige alte, ungestörte artenreiche Wälder. Hierzulande müssen mehr strenge Schutzgebiete und gute Waldgesetze geschaffen werden, um in echten Naturwäldern und in ökologisch bewirtschafteten Wäldern die biologische Vielfalt der Wälder zu erhalten und zu verbessern. Nicola Uhde vom Bund für Umwelt und Naturschutz in Deutschland (BUND): „Deutschland trägt dabei für den Schutz und Erhalt der europäischen Buchenwälder eine besondere globale Verantwortung […].“

Beim Schutz und Erhalt der Buchenwälder im FFH-Gebiet Teufelsbad ist dem Klosterkammerforstbetrieb unter Leitung von Forstdirektor Constantin von Waldthausen ein bedauerliches Missgeschick passiert:

Philosophenhuegel_Pano_800Philosophenhügel im FFH-Gebiet Teufelsbad ((Kahlschlag im November 2013, Aufnahme vom 22. März 2015 (2.818 x 800 Pixel, 2,3 MB) ))

Weitere Auflösungen:

Naturwaldreservat Lösershag in Unterfranken

Der Lösershag ist ein Naturwaldreservat in Unterfranken. Georg Sperber lobt es in seinem Buch „Urwälder Deutschlands“ so überschwänglich, dass ich auf der Rückfahrt aus dem Steigerwald dort im März letzten Jahres Zwischenstation gemacht habe. Das Wetter war eine Katastrophe: Es war dunkel und trüb und diesig und es nieselte. Zu allem Unglück führte der Urwald-Lehrpfad direkt an einem frischen Lichtungshieb in einem Buchenaltbestand vorbei. Vielleicht fällt mein Bericht auch deshalb zwiespältiger aus als der von Sperber: Mir reichen 61,8 ha einfach nicht. In NRW heißen die Naturwaldreservate nicht umsonst Naturwaldzellen. Ich bekomme da Platzangst. Hier geht es zu meinem Bericht: Lösershag.

 

Häßlichkeit #2

Zitat aus dem aktuellen Waldbauhandbuch der Bayerischen StaatsforstenGrundsätze für die Bewirtschaftung von Buchen- und Buchenmischbeständen im Bayerischen Staatswald :

„Im Kern zeichnen sich die Grundsätze dadurch aus, dass

  • natürliche Prozesse gezielt genutzt werden bei der Selbstdifferenzierung von Baumarten und Individuen, insbesondere im Jungbestand, in der Altdurchforstung und Verjüngung,
  • dauerhaft strukturreiche Bestände durch Vorratsbegrenzung entstehen und
  • mit Blick auf die Dynamik in Buchen-Urwäldern langfristig räumlich differenziert femelartig und unvollständig (Belassen von Biotopbäumen) verjüngt wird.

Damit reichen die Grundsätze weit über den Horizont typischer Produktionsprogramme
hinaus.“ ((S. 4))

In der Praxis sieht die typische Produktion von Holz dann so aus:

Schirmschlag des Forstbetriebs Bad Brückenau der Bayerischen Staatsforsten (Revier Oberbach) direkt neben dem Naturwaldreservat Lösershag (Kernzone des Biosphärenreservats Rhön) im Naturschutzgebiet Schwarze Berge und FFH-Gebiet Bayerische Hohe Rhön im März 2014