Wetter und Klimawandel in den Tätigkeitsberichten des Nationalparks Harz

Tätigkeitsbericht 2006/2007

Bereits der erste Bericht beschreibt das Wetter so, wie es fortan alle Berichte tun werden: es ist trocken und es ist warm. 

„Das trockenwarme Jahr 2006 mit seinen geringen Niederschlägen ließ für 2007 einen rasanten Borkenkäferbefall befürchten. Die Entwicklung in 2007 nach einem warmen und trockenen April schien diese Befürchtungen zu stützen. […] Das Jahr 2007 war komplett geprägt von den Ereignissen und Nachfolgeerscheinungen der Auswirkungen des Januarsturms ‚Kyrill‘.“ (Tätigkeitsbericht 2006/2007, S. 27)

Der Klimawandel taucht nur am Rande auf; er ist eines von unzähligen Themen der Öffentlichkeitsarbeit. In der langen Liste der Themen geht er förmlich unter.

„Schwerpunktthemen [der Presse- und Medienarbeit] waren […] der Klimawandel und seine Auswirkungen im Harz […].“ (Tätigkeitsbericht 2006/2007, S. 35)

Noch bildet der Klimawandel nur eine „Ergänzung“ einer bereits bestehenden Ausstellung. Noch geht es nur um „Spuren“ des Klimawandels.

„Zur Zeit wird in Zusammenarbeit mit verschiedenen Spezialisten eine Ergänzung der Ausstellung um das Thema ‚Spuren des Klimawandels im Harz: Der fossile Brockengarten‘ vorbereitet.“ (Tätigkeitsbericht 2006/2007, S. 43)

Tätigkeitsbericht 2008

Im Jahr zuvor wurde nur ganz nebenbei davon berichtet, dass „der Klimawandel und seine Auswirkungen im Harz“ eines der vielen Themen der Öffentlichkeitsarbeit gewesen war. Welche Auswirkungen das waren, wurde nicht eigens thematisiert. 2008 ist zum ersten Mal offen von diesen Auswirkungen die Rede: die Fichten werden sterben. Die Sprache ist sehr vorsichtig und scheut sich, die Tatsachen unverblümt anzusprechen: statt vom Absterben ist von „Absterbe-Erscheinungen“ die Rede. Selbst die einfachen Gesetze der Logik werden außer Kraft gesetzt. Wenn sich die „Absterbe-Erscheinungen fortsetzen“, wird es selbstverständlich mehr tote Fichten geben. Und natürlich werden die dann sichtbar sein. Aber das scheut sich der Bericht offen anzusprechen und redet um den heißen Brei herum. Er schwadroniert davon, dass die „Absterbe-Erscheinungen […] vielleicht sogar noch stärker ins Blickfeld rücken werden“.

„Die trockenwarme Witterung der vergangenen Jahre ließ für 2008 einen rasanten Käferbefall befürchten.“ (Tätigkeitsbericht 2008, S. 24)

„Namhafte Waldökologen sagen heute infolge des Klimawandels für die Fichtenbestände der unteren Gebirgslagen ganz Mitteleuropas schwierige Zeiten voraus. Man muss daher davon ausgehen, dass sich Absterbe-Erscheinungen der Fichtenbestände auch in den nächsten Jahren fortsetzen werden, vielleicht sogar noch stärker ins Blickfeld rücken werden.“ (Tätigkeitsbericht 2008, S. 25)

Auch der Titel der Ausstellung „Der fossile Brockengarten – Spuren des Klimawandels im Harz“ ist im Nachhinein unfreiwillig komisch: Noch sind nur die „Spuren“ des Klimawandels ausstellungswürdig. Aber schon bald wird die NLP-Leitung nicht mehr nur von „Spuren“ sprechen.

„Neu eröffnet wurde in 2008 ein Ausstellungsteil, der das zentrale Thema Klimawandel erstmals im Rahmen einer Ausstellung im Nationalpark zeigt. Diese Abteilung mit dem Titel „Der fossile Brockengarten – Spuren des Klimawandels im Harz“ konnte mit Hilfe etlicher Sponsoren eingerichtet werden.“ (Tätigkeitsbericht 2008, S. 41)

Tätigkeitsbericht 2009

Angesichts der Katastrophenmeldungen in den kommenden Jahren ist es erfreulich, dass die Berichte manchmal auch ganz ohne Alarmismus von einem warmen und sonnigen Sommer berichten können und dass dies nicht nur gleich wieder zu einem Massensterben von Fichten führt, sondern ganz einfach nur zu vielen Besuchern im Brockengarten:  

„In diesem Jahr trug u. a. der warme und sonnige Sommer dazu bei, dass viele Besucher in den Garten kamen.“ (Tätigkeitsbericht 2009, S. 23)

Ansonsten schrillen bei Trockenheit und Wärme immer die Alarmglocken:

„Die trockenwarme Witterung der vergangenen Jahre förderte die Entwicklung des Borkenkäfers.“ (Tätigkeitsbericht 2009, S. 26)

„Aufgrund der Schadstoffeinträge der letzten Jahrzehnte und der veränderten Klimabedingungen sind viele Fichten geschwächt und nicht so vital wie unter Bedingungen ohne menschlichen Einfluss. […]

Namhafte Waldökologen sagen heute infolge des Klimawandels für die Fichtenbestände der unteren Gebirgslagen ganz Mitteleuropas schwierige Zeiten voraus. Man muss daher davon ausgehen, dass sich Absterbe-Erscheinungen der Fichtenbestände auch in den nächsten Jahren fortsetzen werden, vielleicht sogar noch stärker ins Blickfeld rücken werden.“ (Tätigkeitsbericht 2009, S. 27)

Zum Jahresbeginn 2009 wurde ein Ausstellungsteil, der das zentrale Thema Klimawandel erstmals im Rahmen einer Ausstellung im Nationalpark zeigt, neu eröffnet. Diese Abteilung mit dem Titel „Der fossile Brockengarten – Spuren des Klimawandels im Harz“ konnte mit Hilfe etlicher Sponsoren eingerichtet werden.“ (Tätigkeitsbericht 2009, S. 46)

Seit wann zählt Klimaschutz zu den Kern-Kompetenzen des Bildungszentrums eines NLPs? Und seit wann ist eine FÖJ’lerin Expertin für Klimaschutz?

„Unter Federführung der FÖJ’lerin des Bildungszentrums wurde als ganz besondere Veranstaltung für die älteren Junior-Ranger, die oft aufgrund schulischer Verpflichtungen nicht mehr an den Gruppennachmittagen teilnehmen können, im Jugendwaldheim Brunnenbachsmühle ein Wochenendseminar zum Thema Klimaschutz durchgeführt. […]

Klimaschutz ist ein politisches Thema und wenn der NLP darüber ein Wochenendseminar für Jugendliche veranstaltet, dann steht zu befürchten, dass das Wahlkampf für die Grünen ist. Und für die politische Agitation sucht man sich Jugendliche aus, denn die sind am empfänglichsten für Propaganda.

Bereits zum zweiten Mal unterstützten die Mitarbeiterinnen des Nationalpark-Bildungszentrums [in Sankt Andreasberg] die „Plant for the Planet“-Akademie des Internationalen Hauses Sonnenberg. Die teilnehmenden Schülerinnen und Schüler sollen als Botschafter für den Klimaschutz die Idee des Bäume Pflanzens in die Schulen ihrer Regionen tragen.“ (Tätigkeitsbericht 2009, S. 60)

11 Jahre später wird die Organisation „Plant for the Planet“ in die Schlagzeilen geraten. In der Ausgabe 53/2020 veröffentlicht Die Zeit eine mehrseitige Investigativreportage: Plant for the Planet – Der Märchenwald. Die Autoren Hannah Knuth und Tin Fischer sprechen von „zweifelhaften Versprechen“ und „fragwürdigen Zahlen“.

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