Wetter und Klimawandel in den Tätigkeitsberichten des Nationalparks Harz

Fortsetzung Tätigkeitsbericht 2018

Böse Zungen behaupten, die Autoren des Berichts betrieben Katastrophenjournalismus – jetzt sterben auch noch die Fische:

„Negativ auf den Fischbestand wirkte sich die extreme Trockenheit aus. Einige kleine Bäche trockneten völlig aus und verloren so ihren gesamten Fischbestand.“ (Tätigkeitsbericht 2018, S. 10)

Und im Brockengarten kann ein Massensterben gerade noch verhindert werden:

„Das Gartenjahr 2018 war schwierig. Extreme Trockenheit und hohe Temperaturen auch auf dem Brocken wirkten sich auf den Blühbeginn der Pflanzen im Garten aus. Durch tägliches Gießen konnte ein Absterben der Arten, verursacht durch die extreme Trockenheit, verhindert werden.“ (Tätigkeitsbericht 2018, S. 26)

Die Bibel kennt die vier apokalyptischen Reiter. Der NLP kennt Sturm, Hitze, Trockenheit und Borkenkäfer.

„Die Maßnahmen der Waldentwicklung im Nationalpark Harz bleiben bis mindestens 2022 eine Kernaufgabe des Fachbereichs Waldentwicklung und Wildbestandsregulierung.
Die Witterungsextreme im Berichtszeitraum – Sturm, Hitze und Trockenheit – stellen uns vor neue Herausforderungen.“ (Tätigkeitsbericht 2018, S. 31)

Auch die Öffentlichkeitsarbeit des NLPs steht vor „neuen Herausforderungen“. Denn:

„Die rasante Waldentwicklung in den Hochlagen des Nationalparks, die innerhalb weniger Jahre und verstärkt durch das extrem trockene und warme Jahr 2018 zu ungewöhnlichen und für viele Menschen Besorgnis erregenden Waldbildern geführt hat, hat deren Informations- und Diskussionsbedarf jedoch noch einmal deutlich erhöht. Der Anblick großflächig abgestorbener Fichtenwälder wirft bei Einheimischen und Besuchern viele Fragen auf, auf die sie sich von der Nationalparkverwaltung Antworten wünschen.

Vor diesem Hintergrund wurde die Informations- und Öffentlichkeitsarbeit zu dem Thema 2018 stark intensiviert und systematisch weiter entwickelt, um möglichst viele Menschen und Interessensgruppen zu erreichen – regional und überregional, Jung und Alt, Fachleute und Laien.“ (Tätigkeitsbericht 2018, S. 50)

Auch wenn die Öffentlichkeitsarbeit „stark intensiviert“ und „systematisch weiter entwickelt“ wird, sie scheitert. Sie verheddert sich in einem heillosen Widerspruch. Denn auf der einen Seite alarmiert und dramatisiert sie: Witterungsextreme, extreme Witterungsereignisse, Extremsommer, extreme Trockenheit, andauernde Trockenheit, Niederschlagsdefizite, Starkregenfälle, intensive Sonneneinstrahlung, Sturm, Orkan, hohe Temperaturen, großflächiges Absterben, vermehrte Waldbrände. Eine Katastrophe jagt die nächste. Auf der anderen Seite aber beruhigt sie:

„Das Konzept wurde langfristig angelegt, denn die dynamische Waldentwicklung der Fichtenbestände wird auch in den kommenden Jahren die Debatte um Ziele und Maßnahmen im Nationalpark Harz bestimmen. Ziel unserer Bemühungen ist es, Verständnis für den Ablauf natürlicher Prozesse zu erreichen und den Wert der entstehenden Wildnis zu erkennen – nicht nur als Lebensraum für Pflanzen und Tiere, sondern auch für das Naturerleben des Menschen. Mit fotografischen Zeitreihen können wir sichtbar machen, dass der Wald nicht stirbt, sondern sich erneuert und verändert. Forschungsergebnisse über die Entwicklung von Fauna und Flora im Nationalpark belegen die entstehende Artenvielfalt“ (Tätigkeitsbericht 2018, S. 48)

Dynamische Waldentwicklung, natürliche Prozesse, Wildnis, Naturerleben, Erneuerung, Veränderung, Artenvielfalt. Der Wald stirbt nicht. Wenn der Wald aber nicht stirbt, warum ist der Klimawandel dann überhaupt ein Problem? Egal – solche Widersprüche stören die Öffentlichkeitsarbeit nicht. Sie bearbeitet unverdrossen sogenannte „Klimafolgethemen“.

Beherrschendes Thema [der Presse- und Medienarbeit] des Jahres 2018 war der klimatische Extremsommer mit seinen ökologischen Folgewirkungen wie der beschleunigten Wildnisentwicklung einschließlich des großflächigen Absterbens von Altfichten, illegaler Lagerfeuer und vermehrter Brände. Auch der noch immer gesperrte Magdeburger Weg gehört zu den sturmbedingten Klimafolgethemen im Schutzgebiet.“ (Tätigkeitsbericht 2018, S. 50)

Auch bei den „134 Veranstaltungen mit über 3.000 Besuchern“ am Natur-Erlebniszentrum HohneHof fällt der Widerspruch auf: Einerseits Borkenkäfer, Trockenheit, Klimawandel und Waldbrandgefahr, andererseits Vertrauen, Geduld, natürliche Kreisläufe und größere Zeiträume. Was würden Aktivisten von Fridays For Future den Mitarbeitern des Hohnehofs wohl sagen?

„Neben den speziellen Angeboten für Kindergruppen spielte in diesem Jahr natürlich auch am [Natur-Erlebniszentrum] HohneHof das Thema „Borkenkäfer“ in Verbindung mit Trockenheit, Klimawandel und Waldbrandgefahr eine große Rolle. Man spürt deutlich die Sorge der Besucher um unsere heimischen Wälder und Probleme mit der Veränderung bisher gewohnter Waldbilder. Hier ist oftmals viel Zeit und Geduld erforderlich, um das Vertrauen in natürliche Kreisläufe zu entwickeln und das Denken in größeren Zeiträumen anzuregen.“ (Tätigkeitsbericht 2018, S. 71)

Auf jeden Fall sichert der Klimawandel Arbeitsplätze in der Öffentlichkeitsarbeit und Umweltbildung. Und er schafft neue:

„Die Vorbereitungen für ein handlungsorientiertes Projekt zum Thema „Klimawandel/Klimaschutz“ wurden abgeschlossen, so dass zukünftig ein weiteres Bildungsprogramm angeboten werden kann.“ (Tätigkeitsbericht 2018, S. 73)

Erstaunlich ist, dass offenbar sogar den Mitgliedern des NLP-Beirats eigens durch einen Experten erklärt werden muss, dass die Brockenfichten nicht aussterben werden:

„Neben der regelmäßigen Berichterstattung des Nationalparkleiters [im Nationalpark-Beirat] zu aktuellen Themen der Nationalparkverwaltung wurden in den Sitzungen u. a. durch Vorträge von Experten folgende Themen aufgegriffen: ‚Die Brockenfichten im Zeichen des Klimawandels‚ von Dr. Uwe Wegener.“ (Tätigkeitsbericht 2018, S. 80)

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