Wetter und Klimawandel in den Tätigkeitsberichten des Nationalparks Harz

Artenvielfalt durch Klimawandel

Bei einem Pressetermin mit den Präsidenten von BUND und NABU betont Pusch sogar die positiven Folgen des „extrem trocken-heißen Jahr[es] 2018“ für die Artenvielfalt:

„Insofern betrachten wir das Absterben von Bäumen, auch wenn es großflächig ist, nicht als Katastrophe, sondern als Teil der natürlichen Waldentwicklung. Das Werden und Vergehen schafft Lebensraum für eine Vielzahl von Pflanzen und Tieren, die es in unserer überwiegend intensiv genutzten Kulturlandschaft andernorts oft schwer haben.“ (siehe Klimawandel beeinflusst Wildnisentwicklung, Aktuelles vom 25.6.2019)

Spitzenfunktionär Weiger fasst den Widerspruch kurz und bündig in zwei Sätzen zusammen:

„Aus Naturschutzsicht ist die hier entstehende Wildnis deshalb sehr zu begrüßen. Trotzdem muss man sich darüber im Klaren sein, dass die Häufung von Extremwetterlagen wie im vergangenen Jahr sowie die Zunahme der Jahresdurchschnittstemperatur Ausdruck eines nicht mehr abzustreitenden Klimawandels ist, dem unsere Gesellschaft und jeder Einzelne endlich mit Nachdruck entgegenwirken muss.“

Öffentlichkeitsarbeit und Tourismus

Die NLP-Verwaltung macht sich weniger Sorgen um den Klimawandel. Viel mehr sorgt sie sich um den Tourismus:

„Die dadurch entstandenen Waldbilder riefen große Besorgnis und Diskussionen in der Bevölkerung, bei Touristen und auch überregional in den Medien, in der Politik und bei verschiedenen Interessensgruppen hervor. […] Viele Fragen werden gestellt: Stirbt der Wald? Schaden diese Waldbilder dem Tourismus im Harz? Sind das die Auswirkungen des Klimawandels und wie ist damit umzugehen?“ (Tätigkeitsbericht 2019, S. 5)

„Die Tourismusbranche ist verunsichert, Einheimische sorgen sich um „ihren Wald“. Da bauen sich schnell gegensätzliche Positionen auf. […] Das Thema Waldentwicklung und Klimawandel wird uns auch in den nächsten Jahren nicht loslassen.“ (Tätigkeitsbericht 2019, S. 11)

Deshalb ist die Öffentlichkeitsarbeit des NLP schon 2018 in die Offensive gegangen und hat die PR-Kampagne „Baustelle Natur“ gestartet (Tätigkeitsbericht 2018, S. 49 f.). 2019 wurde die Kampagne intensiviert: u. a. mit Informationsständen, Printmedien, „Themeninseln“ und einer Internetseite (Tätigkeitsbericht 2019, S. 5 ff.). Sogenannte „Klimafolgethemen“ stehen auch 2019 wieder im Zentrum der Presse- und Medienarbeit. Der Abschnitt wird Wort für Wort aus dem Vorjahresbericht kopiert:

„Beherrschendes Thema [der Presse- und Medienarbeit] war auch 2019 der zweite klimatische Extremsommer in Folge mit seinen ökologischen Folgewirkungen wie der beschleunigten Wildnisentwicklung einschließlich des großflächigen Absterbens von Altfichten, illegaler Lagerfeuer und vermehrter Brände. Auch die Themen Hochwasserschutz und der noch immer gesperrte Magdeburger Weg gehörten zu den sturmbedingten Klimafolgethemen im Schutzgebiet.“ (Tätigkeitsbericht 2019, S. 46)

Umweltbildung für Kinder

Die Umweltbildung des NLPs erklärt den Klimawandel zu einem „zentralen Bildungsschwerpunkt“. (Tätigkeitsbericht 2019, S. 10) Das wäre alles nicht so schlimm, wenn ausgewogen, nüchtern und sachlich über den Klimawandel informiert würde. Hellhörig wird man aber, wenn man liest, dass NLP-Mitarbeiter Kinder betreuen. Was bedeutet es konkret, wenn ein NLP-Mitarbeiter einem Kind „Wege nachhaltigen Handelns aufzeigt“? Und sämtliche Alarmsirenen schrillen, wenn man die Themen liest. Kinder sollen sich mit „Ernährung, Konsum, Wohnen und Mobilität auseinandersetzen“. Was sind die Lernziele? Vegane Ernährung, Konsumverzicht und Fahrradfahren?

„Stellvertretend für deren zahlreiche Angebote seien an dieser Stelle die Aktivitäten der Junior-Ranger genannt. Diese Nationalpark-Kindergruppen werden von den Mitarbeitern und Mitarbeiterinnen in der Umweltbildung über viele Jahre betreut mit dem Ziel, ihnen die Natur ihrer Heimat näher zu bringen, den Nationalpark kennen und verstehen zu lernen und ihnen Wege nachhaltigen Handelns aufzuzeigen. In diesem Sinne standen die Veranstaltungen für die Junior-Ranger im Jahr 2019 im Kontext ‚Waldentwicklung/Klimawandel/Nachhaltigkeit‘. So wurde zum Beispiel ein Workshop über zwei Wochenenden besucht, der sich mit den Ursachen und den globalen Auswirkungen des Klimawandels befasste und in dem sich die Teilnehmenden mit den Themen Ernährung, Konsum, Wohnen und Mobilität auseinandersetzen konnten. Die diesjährige Junioranger-Auszeichnungsaktion stand unter dem Motto ‚Wald im Wandel – Klimawandel?‘. Indem wir die Kinder dabei unterstützen, lokale Entwicklungen zu erkennen und zu verstehen, in einen globalen Zusammenhang zu stellen und Rückschlüsse auf eigene Verhaltensmöglichkeiten zu ziehen, leisten wir auch einen Betrag zum globalen Ziel ‚Bildung für nachhaltige Entwicklung‘.“ (Tätigkeitsbericht 2019, S. 10)

Es sind die Kinder – nicht die Erwachsenen -, die die Welt vor dem Klimawandel retten sollen! Das neue „Programm“ des Umweltbildungszentrums im NLP ist hanebüchen: Wie sollen Kinder den Klimawandel „untersuchen“?

„Im November wurde das neue RUZ [= Regionales Umweltbildungszentrum Nationalpark Harz] -Programm ‚Die Klimadetektive – Junge Forscher untersuchen den Klimawandel‚ im Rahmen des ersten Fachtags für BNE [= Bildung für nachhaltige Entwicklung] der Niedersächsischen Landesschulbehörde (Regionalabteilung Braunschweig) in Riddagshausen einem größeren Publikum vorgestellt. So konnten auch Multiplikatoren anderer außerschulischer Lernorte von der Arbeit der RUZ-Lehrkräfte profitieren. Gerade die Inhalte zum Klimawandel und dessen Auswirkungen im Harz werden in Zukunft einen weiteren Schwerpunkt innerhalb der RUZ-Veranstaltungen einnehmen.“ (Tätigkeitsbericht 2019, S. 65 f.)

Klimaveränderungen, Klimakrise, Klimawandel, Klimaschutz

Bei allen Berichten über Aktivitäten des NLPs rund um das Klima fällt auf, dass nirgendwo beschrieben wird, was der NLP unter Klimawandel eigentlich versteht. Bei einer Tagung wurde offenbar begründet, dass der NLP vor „Klimaveränderungen“ nicht geschützt werden kann. Das hört sich wie eine Entschuldigung an: „Es tut uns leid! Der NLP ist keine heile Welt. Leider! Es gibt keine Käseglocke für den NLP! Vor ‚Klimaveränderungen‘ kann er nicht geschützt werden. Schade!“ Aber warum sollte er das überhaupt? Klimaveränderungen sind Teil der Natur und es hat sie immer gegeben. Und behauptet der NLP an anderer Stelle nicht, dass die „Klimaveränderungen“ gut für „Waldwandel“ sind?

„Eine Tagung mit dem bewusst etwas provozierenden Titel „Heile Welt Nationalpark?“ fand am 9.11.2018 im Kloster Drübeck statt. […] Der erste Block „Nationalparke als Käseglocken? Ergebnisse aus der naturwissenschaftlichen Forschung“ zeigte die Grenzen der Schutzmöglichkeiten eines Nationalparks auf, wenn dieser von äußeren Einflüssen wie Klimaveränderungen, atmosphärischen Stoffeinträgen oder dem Einwandern von teilweise invasiven Arten inklusive pathogener Organismen betroffen ist.“ (Tätigkeitsbericht 2019, S. 28)

Der Tätigkeitsbericht berichtet zwar von hunderten von „längeren Informationsgesprächen“ und „längeren Aufklärungsgesprächen“. Er schweigt aber darüber, was der Inhalt der Gespräche war. Was bedeutet „Klimakrise“ für das NBZ-Team? Informiert man nüchtern, faktenreich und ausgewogen? Oder betreibt man Angstpropaganda?

„Eine große Nachfrage bestand nach Veranstaltungen [im Nationalpark-Besucherzentrum TorfHaus (NBZ)] mit dem Schwerpunktthema Waldwandel in Verbindung mit der Rolle von Borkenkäfer und Klimakrise. Das NBZ führte hierzu zusätzlich zu thematischen Bildungsurlauben und Veranstaltungen im Naturerlebnisprogramm 42 Veranstaltungen durch. Aufgrund der hohen Nachfrage nach Ursachen und Hintergründen der aktuellen Waldbilder führte das NBZ-Team seit Herbst 2019 längere Informationsgespräche mit Gästen des Zentrums, allein im September waren es 140 und im Oktober 124 längere Aufklärungsgespräche.“ (Tätigkeitsbericht 2019, S. 57)

Auch bei der Fortbildung der Mitarbeiter stellt sich die Frage: Wer leitet die Veranstaltungen zum Klimawandel? Was sind die Lernziele? Wie offen sind die Diskussionen unter den Mitarbeitern? Welche Meinungen werden zugelassen? Die Tätigkeitsberichte geben keine Antwort:

„Auch 2019 wurde wieder eine Reihe von internen Veranstaltungen zur Fortbildung der
Beschäftigten des Nationalparks angeboten. Im Fokus standen erwartungsgemäß die aktuelle Waldentwicklung und der Klimawandel.“ (Tätigkeitsbericht 2019, S. 68)

Die Frage, wie der Harz „zu Zeiten des Klimawandels wohl zukünftig aussehen“ wird, ist gar nicht so schwer zu beantworten. Man müsste bloß in alten Büchern nachschlagen. Oder die städtischen Museen in Goslar oder Quedlinburg durchstöbern. In der Mittelalterlichen Warmzeit war es genauso warm wie heute:

„Aus dem Haus der Natur wird 2020 das HarzWaldHaus. Dort können Gäste zukünftig erfahren, welche Bedeutung Zeit für den HarzWald hat. Was passiert in ihm an einem Tag, in einem Jahr, in Jahrhunderten oder gar in Jahrtausenden? Wieso ist der Harz heute so, wie wir ihn vorfinden und wie mag er zu Zeiten des Klimawandels wohl zukünftig aussehen?“ (Tätigkeitsbericht 2019, S. 61)

Wenn es um das „Commerzbank-Umweltpraktikum“ geht, wird jedes Jahr geschwafelt: „Natur intensiv erleben“, „wichtige Kompetenzen“, „große Herausforderungen“. Letztere sind völlig beliebig: 2020 lauten sie dann Gesundheit, Hygiene und Impfschutz. 2021 vielleicht LGBT.

„Das Commerzbank-Umweltpraktikum bietet die einmalige Chance, Natur intensiv zu erleben und dabei wichtige Kompetenzen für die spätere Berufswahl zu erwerben. Im Zuge des Praktikums werden praxisnahe Inhalte aus den Bereichen Öffentlichkeitsarbeit und Umweltbildung vermittelt. Im Mittelpunkt stehen die großen Herausforderungen unserer Gesellschaft: Energie, Umwelt und Klimaschutz.“ (Tätigkeitsbericht 2019, S. 67)

Forschung und Klimawandel

Forschungsprojekte, die sich nicht in irgendeiner Weise mit den „Auswirkungen des Klimawandels“ beschäftigen, scheinen nicht mehr genehmigt zu werden. Egal, was untersucht wird – ob Moore, Moorlibellen, Waldflächen, Buchen oder Fichten, immer wird der Klimawandel gleich mit untersucht. Und immer ist der Klimawandel beunruhigend und bedrohlich: Mal trocknen die Moore aus, mal sterben die Alpenlibellen. Mal wird der Borkenkäfer gefördert, mal der Fichtenwald gestört. Mal leidet die Stabilität der Buche, mal die Vitalität der Fichte. Aber eines ist mal sicher: der Klimawandel sichert Arbeitsplätze in der Forschung. 

„Um die Auswirkungen des Klimawandels auf den Moorwasserhaushalt und damit auch auf die Vegetation besser einschätzen zu können, wurde bereits im Jahr 2018 ein Untersuchungskonzept erarbeitet, das den Betrieb von automatisierten Pegelmessstellen an 25 der Dauerflächen umfasst.“ (Tätigkeitsbericht 2019, S. 14)

„Zur Moorforschung gehört auch ein Monitoring von Moorlibellen, insbesondere der als kälteliebend geltenden Alpen-Smaragdlibelle (Somatochlora alpestris), die innerhalb von Niedersachsen/Sachsen-Anhalt nur in den Hochlagen des Nationalparks Harz vorkommt.
Sie ist durch den Klimawandel bedroht und scheint in jüngster Zeit stark rückläufig zu sein. Das gezielte Monitoring wurde im Jahr 2017 mit der Einrichtung von Probeflächen in einigen Hochmooren begonnen.“ (Tätigkeitsbericht 2019, S. 15)

„2019 wurden die waldökologischen Untersuchungen in der Waldforschungsfläche (WFF) [am Bruchberg] fortgesetzt. […]
Die Entwicklung der Wälder am Bruchberg wurde in den vergangenen Jahrzehnten durch Windwürfe und Borkenkäferbefall geprägt. Ein stärkerer Borkenkäferbefall insbesondere im Jahr 1996 (heißer Sommer) führte zum größerflächigen Absterben der Altbestände. Somit bietet die Waldforschungsfläche eine gute Grundlage zur Untersuchung von Störungen in Fichtenwäldern und deren Potenzial zur Regeneration auch unter dem Aspekt des Klimawandels.“ (Tätigkeitsbericht 2019, S. 15)

„Das Projekt GenMon ist ein deutschlandweites Verbundprojekt zwischen zehn Partnerinstitutionen, zu denen auch die Nordwestdeutsche Forstliche Versuchsanstalt (NW-FVA) zählt. Bestandteil des Projekts ist ein genetisches Monitoringnetz für die Baumarten Buche und Fichte. Eine dieser insgesamt 24 Flächen wurde 2016 im Nationalpark Harz im Brockengebiet von der NW-FVA eingerichtet und wird auch von dieser betreut. Die Ergebnisse des Langzeitmonitorings liefern Informationen über den gegenwärtigen Zustand des genetischen Systems. Dieses fungiert als „Frühwarnsystem“ für mögliche Auswirkungen des Klimawandels auf die Stabilität und Vitalität von Waldbaumpopulationen.“ (Tätigkeitsbericht 2019, S. 20)

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