Wiesen statt Wald am Rindelsteig

Damit keine Missverständnisse aufkommen: Ja, mir fehlt es an „ästhetischem Empfinden“ (Müller/Simonis) für die Naturprozesse am Rachel im Nationalpark Bayerischer Wald. Die „waldsteppenartigen Totholzflächen“ dort finde ich wirklich nicht schön. Das heißt aber nicht, dass es mir an „Akzeptanz“ (Müller/Simonis) dafür fehlt. Die Natur macht das eben so und dann soll sie es so machen. In Ordnung. Dafür ist schließlich ein Nationalpark da.

Wofür ich aber überhaupt keine „Akzeptanz“ habe, das sind die riesigen Kahlschläge zwischen Falkenstein und Rachel. Vom Rindelsteig aus kann man sie gut sehen. Kein Wald mehr, keine Waldsteppen, sondern große grüne Wiesen. Man möchte junge Rinder darauf grasen lassen wie früher am benachbarten Rindel- und Albrechtschachten. Direkt neben diesen Wiesen: die nach Kyrill 2007 nicht geräumten Windwürfe am Lackenberg und Sandl. Und auch wenn Müller/Simonis das vielleicht nicht gerne hören: Ich freue mich über den dort „nachwachsenden Wald“ und bin begeistert über die „üppige Naturverjüngung“. Und Müller/Simonis liegen bei mir völlig falsch: Diese Freude und diese Begeisterung entspringen nicht „forstlichen und ökonomischen Holzproduktionsgefühlen“. Ich habe ganz einfach den Wunsch nach einem „grünen Wald“, auch wenn Aschenbrand/Michler das vielleicht irgendwie doof finden.

Schauen Sie sich hier meine neue Dokumentation an über die geräumten und die nicht geräumten Flächen am Rindelsteig. Die hochauflösenden Fotos wurden bereits 2020 gemacht, aber bislang noch nicht veröffentlicht: Riesenkahlschlag am Rindelloch – 13 Jahre nach Kyrill.

2 Gedanken zu „Wiesen statt Wald am Rindelsteig

  1. 1. Die auf den Fotos dürren Laubbäume (meist Buchen) sind nicht tot. Wegen Spätfrösten ist das frisch ausgetriebene Laub erfroren. In Bergwäldern kommt das immer wieder mal vor. Die Laubbäume treiben dann später wieder aus.
    2. Die auf den Fotos abgebildete Forststraße ist inzwischen zu einem Steig zurückgebaut.
    3. Die Karte von Google Maps zum Nationalpark ist nicht korrekt. 2022 sind neben der Erweiterungsfläche bei Finsterau von 605 ha weitere Einzelflächen von 90 Hektar (meist Wiesenflächen) in den Nationalpark eingegliedert worden.

    • Danke für den Hinweis zu den Spätfrösten! Ich hatte mich schon gefragt, was mit den Buchen los ist – denn schließlich war es ja schon Ende Juni, also Sommer. Die Buchen haben in diesen Lagen offenbar einiges auszuhalten – man kann sehen, wie zersaust und dünn sie sind. Aber: Dass sie dort oben überleben, macht doch auch deutlich, dass natürlicherweise dort eben kein reiner Fichtenwald wächst.

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