Keine blühenden Landschaften am Rachel im Nationalpark Bayerischer Wald

Hinweis: Der Artikel spiegelt meine persönliche Meinung wider. Ich besitze nicht die ultimative und wissenschaftlich 100%ig bewiesene Wahrheit. Wenn Sie einen sachlichen Fehler finden, schreiben Sie bitte einen Kommentar. Die Fotos entstanden bei einer Wanderung über den Rachelsteig im September 2019.

Einleitung

Von kilometerweiten „waldsteppenartigen Totholzflächen“ im Nationalpark Bayerischer Wald hat nie jemand geredet. Hans Bibelriether nicht, Hartmut Strunz nicht, Georg Sperber nicht, Hans Eisenmann nicht, Edmund Stoiber nicht, Horst Stern nicht. Sie alle wollten „Natur Natur sein  lassen“. Aber „Waldsteppen“ und „Totholzflächen“ sollten nicht dabei herauskommen. Schön grün würde wieder alles werden. Das würde auch gar nicht lange dauern. Die Natur mache das schon!

Das Dumme ist nur: Wenn man die Natur machen lässt, dann macht sie, was sie will. Nicht, was wir wollen. Und das sieht dann nicht immer so schön aus wie am Lusen.1siehe Erik Aschenbrand und Thomas Michler, Gestörte Heimat, Naturschutz und Landschaftsplanung 04/2019 Wenn man die Natur machen lässt, dann kann das eben auch so aussehen wie am Großen Rachel: Kilometerweit Waldsteppe und Totholz. Und das hatte wirklich niemand auf dem Schirm.

Ich zeige Ihnen Texte aus drei alten Büchern über den Nationalpark, die heute nur noch antiquarisch erhältlich sind. In keinem steht etwas davon, dass die Wiederbewaldung Jahrzehnte dauern kann und dass sich stattdessen riesige Waldsteppen ausbreiten werden.

Auftritt Jörg Müller und Rainer Simonis: In ihrem 2011 erschienenen Aufsatz „Wenn der Borkenkäfer geht, kommt der Gartenrotschwanz“ prägen sie zum ersten Mal den Begriff der „waldsteppenartigen Totholzflächen“. Dies seien „Flächen noch ohne Naturverjüngung“, auf denen die „Baumreproduktion nach einem Fraßereignis nicht flächig, sondern teilweise über Jahrzehnte verzögert abläuft“. Sie reden ganz offen darüber. Sie kritisieren das nicht. Sie bedauern das nicht. Ganz im Gegenteil: Sie gehen in die Offensive und sagen: Und das ist auch gut so!

Müller/Simonis sprechen nicht explizit vom Rachel. Sie sprechen von den „abgestorbenen Altfichtenwäldern“ in den „Hochlagen“. Das trifft natürlich auf den Rachel zu. Und die meisten Besucher des Nationalparks werden mir sicherlich zustimmen, dass die Flächen rund um den Großen Rachel ein sehr gutes Beispiel sind für diese „waldsteppenartigen Totholzflächen“ und dass die Wiederbewaldung dort vielleicht noch Jahrzehnte dauern wird.

Es sind diese Flächen am Rachel, mit denen ich selbst seit meinem ersten Besuch dort im Jahr 2009 erhebliche Schwierigkeiten hatte: Selbst mir als engagiertem Naturschützer mangelte es an „Akzeptanz oder ästhetischem Empfinden für Naturdynamik“. Müller/Simonis beschreiben haargenau meine eigene Irritation. Die sie natürlich für völlig unbegründet und unangebracht halten.

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