Der Kahlschlag am Wurmberg im Harz

Der Harz-Kurier

Der Harz-Kurier berichtet 2019 zweimal: am  28.6. und am 12.7.

 

28.6.2019

Am 28.6.2019 macht der Harz-Kurier mit folgender Schlagzeile auf: 80 ha Wald am Wurmberg werden gefällt. Der Artikel ist eine leicht gekürzte Version desjenigen Artikels, den Michael Eggers auch für den Goslarsche Zeitung geschrieben hat – dort unter der Überschrift Kahlschlag am Wurmberg gegen Borkenkäfer-Ausbreitung.1siehe unten Gestrichen hat Eggers nur den Absatz, in dem die beiden Förster Laubner und Fenner den schweren Vorwurf erheben, der Borkenkäfer sei aus dem benachbarten Nationalpark (NLP) Harz herübergeflogen.

 

Harz-Kurier am 12.7.2019

14 Tage später, am 12.7.2019, berichtet der Harz-Kurier ein zweites Mal über das Thema: Borkenkäfer – Freiflächen am Wurmberg nehmen zu.

Fast hat man den Eindruck, dass Redakteur Eggers ein bisschen enttäuscht ist. Denn:

„Noch ist der Kahlschlag am Wurmberg im Kampf gegen den Borkenkäfer von Braunlage aus nicht zu sehen.“

In der Tat: in Braunlage ist die Welt noch in Ordnung. Und ich selbst hatte zunächst Schwierigkeiten, den 80 ha großen Kahlschlag zu entdecken.

Aber die Größenangabe ist missverständlich: es handelt sich nicht um einen einzigen riesigen Kahlschlag, sondern um einzelne Freiflächen:

„Wer aber auf den höchsten Berg des Landes wandert, dem fällt die immer größer werdende Zahl an Freiflächen auf.“

Man muss nicht unbedingt hoch wandern, auch von der Seilbahn aus sind die kleinen Kahlhiebe zu sehen.

Es gibt allerdings einen großen Kahlschlag, den man von weitem sehen kann, zwar nicht von Braunlage aus oder vom Wurmberg, sondern von der Achtermannshöhe, einem sehr beliebten Ausflugsziel im Harz:

„[D]er fehlende Wald oberhalb der Wegkreuzung ‚Böser Hund‘ [fällt] auf. Dort hat der Borkenkäfer so gewütet, dass nahezu alle Bäume gefällt werden mussten, und das wegen des moorigen Untergrunds von Hand.“

Der Kahlschlag am „Bösen Hund“ ist rd. 25 ha groß, das ergeben Messungen mit Google-Maps.

Der moorige Boden macht die Holzernte natürlich richtig teuer. Auch die Seilkrananlage zum bodenschonenden Abtransport der Baumstämme kostet. Bei den niedrigen Holzpreisen scheidet deshalb ein Grund für die Holzernte definitiv aus: Profitgier.

Missverständlich und irreführend ist der letzte Absatz des Zeitungsartikels. Redakteur Eggers verleiht ihm die Überschrift „Urlauber fragen nach“. Der Leser möchte meinen, sie fragen nach wegen der „Freiflächen am Wurmberg“. Schließlich waren sie Thema des Artikels.

„[D]ie Tourist-Info Braunlage bekommt immer häufiger Fragen zum Zustand der Wälder gestellt. ‚Hat hier die Atombombe eingeschlagen?'“

Wiederum möchte man meinen, in der Tourist-Info werde nach dem Zustand der Wälder am Wurmberg gefragt. Aber das ist gar nicht der Fall. Die Urlauber meinen nämlich nicht den Wurmberg, sie meinen den Nationalpark. Das wird im folgenden deutlich:

„Auf den ersten Blick nehmen manche Urlauber nicht wahr, dass unter den toten Fichten bereits andere Pflanzen nachwachsen und greifen dann zu drastischen Vergleichen.“

Die Kahlschläge am Wurmberg sind „Freiflächen“. Da gibt es „unter den toten Fichten“ gar nichts wahrzunehmen. Denn dort stehen keine toten Fichten mehr.

„[D]ie Braunlage Tourismus Marketing Gesellschaft [hat] ihre Mitarbeiter schulen lassen.“

Und geschult hat der Nationalpark und nicht die Landesforsten:

„Die Nationalpark-Verwaltung hat die Mitarbeiter auch über ihre Philosophie ‚Natur Natur sein lassen‘ informiert. Diese Erklärungen, die in einer Exkursion vertieft wurden, geben die Touristiker an die Urlauber weiter.“

Entscheidend ist, dass die Urlauber keinen Anstoß an den Kahlschlägen am Wurmberg nehmen. Wenn überhaupt, dann stoßen sie sich an den riesigen abgestorbenen Fichtenwäldern im NLP.

Blick vom Achtermann auf den NLP

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