Aufregung um Holzernte bei Hummelmarter

Stellungnahme von Forstbetriebsleiter Mergner

Die Frage meines Lesers Karl lautete: „Wie bezeichnet man diese Form der Holzernte?“ Die Frage ist etwas missverständlich und auch umständlich formuliert, Klaus meinte sehr wahrscheinlich: „Was ist der Grund für die Holzernte?“ Und vermutlich fragte Karl insgeheim auch: „Warum wurden so viele Bäume gefällt?“ Der unausgesprochene Vorwurf liegt nahe: Es wurden viel zu viele Bäume gefällt! Und natürlich steht im Hintergrund immer drohend die Frage der beiden Videos: „Wollen wir diese Form der Forstwirtschaft?“  Zusammengefasst geht es also um diese drei Fragen:

  1. Was ist der Grund für die Holzernte?
  2. Warum wurden so viele Bäume gefällt?
  3. Wollen wir diese Form der Forstwirtschaft?

Mergners E-Mail beantwortet die ersten beiden Fragen. Ich kommentiere, wo es mir sinnvoll erscheint. Die dritte Frage kann Mergner nicht beantworten – da ist er als verantwortlicher Förster natürlich befangen. Ich werde meine persönliche Antwort vorstellen und auch begründen.

Mergner schreibt:

1. Es handelt sich fast ausschließlich um Bäume, die infolge der Trockenheit 2019 – 2020 so schlecht belaubt waren, dass wir mit einem Absterben rechnen mussten. Dabei haben wir Bäume mit unter 10 % Belaubung und Stammschäden sowie bereits abgestorbenen Buchen bereits stehen gelassen.

In der Tat: 2019 und 2020 war es trocken. Und nicht nur in diesen beiden Jahren. Die Daten des Deutschen Wetterdienstes für Bayern zeigen, dass in 9 der letzten 10 Jahre unterdurchschnittlich wenig Regen gefallen ist:

Neu ist das freilich nicht: das war in den letzten 150 Jahren eher die Regel denn die Ausnahme. Und es war auch die Regel in der mittelalterlichen und auch der römischen Warmzeit. Zum Aussterben der Buchen hat das nun wahrlich nicht geführt. Ein hysterischer Alarmismus  – „Die Buchen sterben aus! Die Buchen sterben aus!“ – ist also nicht angebracht. Dass aber die alten Buchen dort Probleme bekommen können, ist glaubwürdig. In einem Nationalpark könnte man nun die Hände in den Schoß legen und die Natur Natur sein lassen. Prozessschutz ist einfach: man macht einfach nichts! Gar nichts. Das kann jeder Idiot. Aber Mergner leitet keinen NLP, sondern einen Forstbetrieb. Sein Auftrag ist es, Holz zu produzieren. Solange er das naturschutzverträglich macht, darf man ihm das nicht vorwerfen. Und ganz offensichtlich achtet Mergner auf den Naturschutz: er lässt genügend absterbende oder abgestorbene Bäume stehen. Die aber werden nicht gefilmt. Darüber wird zu reden sein.

2. Es handelt sich um eine Fläche von 100 Hektar, aus der die Holzpolter stammen. Das sieht dann an der Forststrasse nach viel aus, wenn man es jedoch auf die Fläche umrechnet, sind es etwas über 40 Fm, wobei da auch viel Kiefer und Fichte drin steckt (ist auch auf dem Video erkennbar). Leider hat der Video-Autor die Forststrasse , nicht verlassen, sonst hätte er erkannt, wie viel Bäume auf der Fläche (zum Glück) noch stehen.

Mergner ist ein Förster, der nichts zu verbergen hat; ganz nebenbei legt er offen, dass er nicht nur 2.000 Fm geerntet hat, wie mein Leser Karl vermutet, sondern das Doppelte. Das sieht selbstverständlich viel aus, wenn es dann so am Weg liegt. Der Produzent der YouTube-Videos macht ärgerlicherweise das, was jeder Sensationsreporter macht: er veröffentlicht sensationelle Bilder. Es ist ein Trick, um möglichst viel Aufmerksamkeit zu erregen: Mit skandalösen Bildern produziert man einen Skandal. Ich spreche aus Erfahrung; Fotos von riesigen Holzpoltern, von verschlammten Rückegassen, von Baumstümpfen, von Harvestern und Motorsägen machen sich immer gut! Und jeder Journalist weiß, dass Bilder wirken! Sie prägen sich dem Bewusstsein tief ein und häufig kann dann der Förster erklären, so viel er will: Bilder wirken stärker als Worte! Wenn der Förster überhaupt gefragt wird. Denn viele sind von den Bildern dann so überwältigt, dass sie sagen: „Mit dem kann man ja sowieso nicht reden! Ein Mensch, der so viele Bäume fällt, ist ein Unmensch!“ Mergner bedauert zu Recht, dass der Macher des Videos nur die gefällten Bäume zeigt. Aber mit einem Video von den vielen Bäumen, die noch stehen, erzeugt man keine Klickzahlen. Ich möchte dem Macher des Videos gar keine böse Absicht unterstellen; das geht ganz unbewusst. Man sieht die vielen Baumstämme, zückt sein Handy und fängt an zu filmen. Ganz automatisch. Ein Reporter der Main-Post würde es genauso machen.

„3. Die Standorte östlich von Markertsgrün sind hoch problematische wechselfeuchte – wechseltrockene Standorte, auf denen die Buche infolge der klimatischen Situation größte Probleme als Altbaum hat, sich jedoch nach wie vor sehr gut verjüngt (der größte Teil der Fläche ist mit Buche vorausverjüngt) und allen anderen Baumarten davonwächst. Das ist eine Problematik, die uns auch im gesamten Forstbetrieb beschäftigt, weil Buchenreinbestände, die sich von Natur aus entwickeln würden – das sehen wir in den Naturwaldreservaten – weder klimastabil noch biodiversitätsfördernd sind. Mischbaumarten und vor allem die Eiche würden verschwinden.“

Dass die Buche allen Mischbaumarten auf und davonwächst und zu Reinbeständen führt, ist ein Problem, das nicht nur den Forstbetrieb Ebrach beschäftigt. Auf meiner Webseite habe ich weitere Förster vorgestellt, die dasselbe Problem haben: Förster Heise aus Hameln und Förster Wirtz von Saarbrücken. Der eine ein überzeugter Verfechter des Dauerwald-, der andere einer des Lübecker Modells. Beide Modelle haben unter Naturschützern einen guten Klang. Beide Förster haben ausführlich erklärt, warum sie als Förster Mischbaumarten fördern.

Nach oben
Zurück zur Einleitung
Nächste Seite: Wollen wir diese Form der Forstwirtschaft?

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.