Aufregung um Holzernte bei Hummelmarter

„Dass es 5 vor 12 sei, ist der lähmendste Gedanke.“
Norbert Bolz

Die Reaktion von Lisa Badum

Main-Post Redakteur Voigt lässt die Presserklärung nicht einfach so stehen; er holt die Stellungnahme einer prominenten Kritikerin ein:

„Die Grünen-MdB Lisa Badum hat das Angebot der Redaktion genutzt, auf die neuen Informationen des Forstbetriebs zu reagieren.“

Preisfrage:  Auf welche der neuen Informationen des Forstbetriebs hat Badum reagiert? Antwort: Auf gar keine! Hier ihre Reaktion:

„In der aktuellen Situation mit heißen Sommern und Wassermangel ist es der absolut falsche Weg, die Wälder weiter derartig auszulichten – gerade dort, wo viele Bäume schon geschwächt sind“, schreibt sie. Dadurch werde das kühle Waldinnenklima gestört und der magere Wasserhaushalt noch stärker geschädigt. „Dass deshalb im Steigerwald auch die Buchen leiden und angreifbarer für beispielsweise Trockenheit werden, obwohl geschlossene und gesunde Buchenwälder als klimastabil gelten, wundert nicht.“ Je mehr Buchen aus dem Wald genommen werden, desto angreifbarer werde auch der noch lebende Buchenbestand, so Badum. „Es muss doch momentan zuallererst um den Erhalt der Wälder gehen, sie dürfen nicht noch zusätzlich geschwächt werden. […] die Stärke der Einschläge durch die Bayerischen Staatsforsten seien der Klimakrise nicht angemessen.“

Ihre Forderungen lauten unverändert: „Einschlagsstopp im Nationalpark-Suchraum und langfristig einen Nationalpark“

Kommentar

Natürlich ist Badum nicht verpflichtet, auf konkrete Aussagen Mergners einzugehen, indem sie z. B. bestimmte Zahlen in Zweifel zieht und/oder andere Zahlen vorlegt. Es verwundert aber schon, dass Badum überhaupt nicht von Naturschutz redet: sie spricht nicht von Waldlaubsängern oder Halsbandschnäppern. Nicht von Knabenkraut oder Ständelwurz. Und auch nicht von Hirsch- oder Schwarzkäfern. Nicht einmal von Stachelbart und Eremit.1zu den genannten Arten siehe Naturschutzkonzept für den Forstbetrieb Ebrach, Kap. 3.8 Spezielles Artenschutzmanagement Pflanzen und Tiere scheinen sie überhaupt nicht zu interessieren. Es ist so, als wüsste sie vom Wald nur, dass dieser „geschlossen“ und „gesund“ sein muss, und dass es innen „kühl“ ist. Ansonsten hat Badum nur ein einziges Thema im Sinn: das Klima. Statt dies nun weiter zu kommentieren, möchte ich Fragen stellen:

  • Badum spricht von „der aktuellen Situation mit heißen Sommern und Wassermangel“. Ab wie viel Grad Durchschnittstemperatur ist ein Sommer „heiß“? Ab wie viel mm Jahresniederschlag herrscht „Wassermangel“? Dürfen in einem kalten Sommer ohne Wassermangel Bäume gefällt werden?
  • Badum behauptet, dass nur „geschlossene und gesunde Buchenwälder [..] klimastabil“ sind. Muss dann nicht der Einschlag von Buchen überhaupt verboten werden? Und zwar für immer? Oder ist der Klimawandel nur eine „aktuelle Situation“ und bald wieder vorbei?
  • Badum möchte verbieten, Wälder „weiter derartig auszulichten“. Kann sie eine Obergrenze für Auslichtungen angeben? Wie viele Bäume dürfen „aus dem Wald genommen werden“?
  • Badum möchte Auslichtungen verbieten, wenn „viele Bäume schon geschwächt sind“. Die Wälder „dürfen nicht noch zusätzlich geschwächt werden.“ Wann ist ein Baum „geschwächt“? Und wie viele Bäume dürfen „geschwächt“ sein, damit eine Holzernte erlaubt ist?
  • Badum behauptet, „die Stärke der Einschläge durch die Bayerischen Staatsforsten seien der Klimakrise nicht angemessen.“ Wie stark darf ein Einschlag sein, der der Klimakrise „angemessen“ ist?
  • Warum fordert Badum den Einschlagsstopp nur für den Nationalpark-Suchraum und nicht für ganz Bayern oder ganz Deutschland?
  • Woher soll das Holz kommen „für die Versorgung lokaler Brennholzkunden und lokaler holzverarbeitender Betriebe“?

Vielleicht wird Badum antworten: „Diese Fragen kann ich nicht beantworten! Das müssen Experten machen!“ Dann würde ich zurückfragen: Welche Experten? Klimaexperten? Forstexperten? Holzwirtschaftsexperten? Naturschutzexperten? Ganze Kommissionen unterschiedlicher Experten? Und diese Expertenkommissionen, was machen die? Erstellen die dann Richtlinien? So wie der FSC? Oder stellen die einen Fünfjahresplan auf? So wie die SED? Oder fahren diese Expertenkommissionen kreuz und quer durch Deutschland und kontrollieren jeden Forstbetrieb? Sie müssten dann jede Waldabteilung überprüfen, ob der Wald dort „klimastabil“ oder ob er „geschwächt“ ist. Dann müssten sie die Wetterprognosen durchgehen, ob ein heißer Sommer kommt und ob Wassermangel droht. Und am Ende eines umfangreichen und sorgfältigen Prüfprozesses würden die Experten dann die Bäume auszeichnen, die gefällt werden dürfen. Und dann würden sie weiter zum nächstem Forstbetrieb fahren. Stellt sich Badum das so vor? Nein? Wie dann?

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