Presse zum Kahlschlag am Wüstegarten

„Wer schützt den Kellerwald vor diesen ‚Naturschützern‘?“
Lothar Klitsch

„Standort nicht trocken“ – Leserbrief von Lothar Klitsch in der HNA vom 2. Dezember 2015

Der dritte Leserbrief1 stammt von Lothar Klitsch, den die Zeitungsleser schon aus dem HNA-Artikel vom 25. November 2015 kennen:

Standort nicht trocken
Thema: Rodung am Wüstegarten

Wer schützt den Kellerwald vor diesen „Naturschützern“? Herr Nassauer vom Forstamt Jesberg rechtfertigt das radikale Abholzen eines bei weitem noch nicht erntefähigen Fichtenbestandes u. a. damit, dass der Standort am Wüstegarten „sehr trocken“ sei.

Am Wüstegarten fallen im Jahresmittel ca. 1100 mm Niederschlag, in den Tallagen der Gemeinde Jesberg lediglich ca. 550 mm. Dies ist nach Adam Riese die Hälfte des relativ hohen Niederschlages vom Wüstegarten. Dort ist es also alles andere als „sehr trocken“.

Zeigt diese Aussage doch in erschreckender Weise, dass Nassauer – auch nach vielen Jahren seiner Tätigkeit im Forstamt Jesberg – dort offensichtlich immer noch nicht angekommen ist.

Lothar Klitsch,
Vorsitzender des Vereins für Heimat- und Kulturgeschichte im Schwalm-Eder-Kreis e. V.

Kommentar

An diesem – vermutlich stark gekürzten – Leserbrief von Lothar Klitsch gefällt mir, dass er „Naturschützer“ in Anführungszeichen setzt. Damit kritisiert er eine der wichtigsten Rechtfertigungen für die Rodung: Dies sei keine Maßnahme, die die Natur zerstört, sondern ganz im Gegenteil eine, die die Natur „schützt“. Der Kahlschlag bekommt ein grünes Mäntelchen umgehängt und wird als „Naturschutzmaßnahme“ verkauft. Das ist Greenwashing.

Eine wichtige Begründung Nassauers für den Kahlschlag ist das Argument, am Wüstegarten sei es zu trocken. Klitsch weist mit Zahlen nach, dass das nicht stimmt. Lügt Nassauer? Oder hat er keine Ahnung? Beide Fragen sind für das Naturschutzgroßprojekt fatal, denn immer wieder verweisen Verantwortliche auf die „Fachkompetenz“ von „Experten“ und „Behörden“, die alles besser wissen als die dummen Laien. Wie schreibt die HNA in ihrem Artikel vom 25. November 2015 so schön?

„Denn auch wenn der Wanderer auf den ersten Blick nur ein zerstörtes Waldgebiet sehe, stehe doch ein durchdachtes und von allen Behörden genehmigtes Konzept hinter der Aktion. […] Das Projekt sei von allen Seiten und Stellen abgesegnet worden […]“

Und wenn in dem Konzept steht, dass es am Wüstegarten zu trocken, zu steinig, zu felsig, zu sauer, zu nährstoffarm, zu kalt, zu windig, zu hoch oder zu … egal … was auch immer ist, dann ist das so! Hauptsache, die Fichten kommen weg! Hackschnitzel! Umweltfreundlich! Basta!

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  1. Das Original können Sie hier als PDF-Datei herunterladen. []